Australiens reichste Frau und das liebe Vieh

Montag, 17.10.2016 21:00 von

Rinderbaron Sidney Kidman schuf in Australien die größte Farm der Welt. Nun will Minen-Milliardärin Gina Rinehart die Ikone der Landwirtschaft mit Hilfe von Chinesen kaufen – und verärgert nicht nur die Regierung.

Gefangen mit einem Lasso, im Licht der aufgehenden Sonne, liegt der junge Stier in einem Gitterkäfig aus Stahl. Das Tier hat die Augen aufgerissen, als ahne es, was ihm bevorsteht. Daneben brennt ein Feuer.

Melinda, knapp 16 Jahre alt, in engen Jeans, blauem Hemd und mit einem großen Hut auf dem Kopf, nähert sich dem Bullen. Sie hat ein Messer in der Hand, langer Griff, kurze Klinge. Sie greift dem Tier zwischen die Hinterbeine, schneidet die Hoden ab. Die junge Frau wischt sich den roten Staub der Wüste Australiens von der Stirn. Dann drückt sie dem Kalb ein Brandzeichen auf die Hinterflanke. Das Tier schreit auf. Melinda öffnet das Gitter und lässt den entmannten Bullen frei.

Das Leben im „Outback“, im Hinterland Australiens, ist nichts für Zartbesaitete. Hunderte von Kilometer von der Zivilisation entfernt gelten andere Gesetze, Regeln und Wertevorstellungen. Die Seele der Nation lebe hier, glauben viele Australier. Mit ihr der Patriotismus.

In dieser Ödnis hat auch der Agrarbetrieb „S. Kidman & Co.“, zu der auch die größte Rinder-Ranch der Welt Anna Creek gehört, seinen Sitz. Sidney Kidman, einer der bedeutendsten Rinderbarone Australiens, gründete hier einst die Ikone der Landwirtschaft. Anfang dieses Jahres sollte der Traditionskonzern an Chinesen verkauft werden. Shanghai Pengxin hatte ein Angebot über rund 350 Millionen australische Dollar (Dollarkurs) (umgerechnet 234,4 Millionen Euro) gemacht. „Totaler Wahnsinn“, kommentierte Multimillionär Dick Smith den Coup damals.

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