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Angst vor spanischen Verhältnissen

Samstag, 29.10.2016 09:00 von

Nach dem „Panama Papers“-Skandal wählen die Isländer vorzeitig neu. Weil die Inselbewohner der alten Machtelite misstrauen, könnten in Reykjavík künftig die Piraten mitregieren. Das wäre eine Premiere.

Islands Fußballnationaltrainer Heimir Hallgrímsson würde am internationalen Flughafen in Keflavík am liebsten ein Schild für Touristen anbringen. „Ausverkauft“ sollte darauf stehen. „Wir können nicht noch mehr aufnehmen“, sagt der Trainer, der auch Zahnarzt ist. „Jeder kommt nach Island, um sich die Natur anzusehen, und wir zerstören sie, indem wir sie mit Menschen überfrachten.“

Vielen Isländern spricht Hallgrímsson damit aus dem Herzen. Gleichzeitig hat der Tourismus die Insel im Nordatlantik nach der schweren Krise und dem Zusammenbruch der Banken 2008 wieder zum Boomland gemacht. Selbst abgelegene Fischerdörfer sprudeln vor Leben. Der Regierung nützt das kometenhafte Wachstum nichts: Nach der Parlamentswahl am Samstag (29. Oktober) muss sie wohl abdanken.

Das hat auch mit den „Panama Papers“ zu tun, die im April die größten Proteste in der Geschichte des 330.000-Einwohner-Landes ausgelöst hatten. Weil der rechtsliberale Regierungschef Sigmundur David Gunnlaugsson nicht nur Millionen in einer Offshore-Firma versteckt, sondern auch auf der Gläubigerliste der Krisenbanken gestanden haben soll, musste er gehen. Die Wahl wurde um ein halbes Jahr vorgezogen.

Den steilen Absturz in der Finanzkrise, der die Republik an den Rand des Staatsbankrotts gebracht hatte, hatten die Wikinger-Nachfahren den Mächtigen ihres Landes gerade erst langsam verziehen. Die „Panama Papers“ stürzten sie in das nächste Trauma. „Es braucht Zeit, das Vertrauen wiederzugewinnen“, sagt Birgir Armansson. Seine konservative Partei, die derzeit mit den Rechtsliberalen die Regierung stellt, war seit der Unabhängigkeit Islands von Dänemark 1944 Jahrzehnte lang der Fels in der politischen Landschaft.

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