„Amerika wieder groß (und reich?) machen...“

Donnerstag, 24.11.2016 10:23 von

Paris (GodmodeTrader.de) - Das erste der bedeutenden politischen Ereignisse liegt hinter uns. Es endete mit dem Wahlsieg von Donald Trump und hat damit eine Zeit der Ungewissheit eingeleitet. Dieses Ergebnis müsste die Märkte theoretisch für eine gewisse Zeit mit erhöhter Volatilität belasten, wie Igor de Maack, DNCA-Portfoliomanager und Sprecher des Portfoliomanagements, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

Im Moment hätten die Börsen wider jede Intuition zunächst einmal zugelegt, ebenso wie die langfristigen Zinsen und der Dollar. Ohne sofort eine Bilanz der achtjährigen Amtszeit Barack Obamas zu ziehen, würden die Marktbeobachter dennoch die sieben aufeinander folgenden Jahre des Wachstums positiv bewerten, etwa den technologischen Fortschritt und die Vorherrschaft einer Cybermacht mit ihren Internet-Unternehmen, den Rückgang der Arbeitslosigkeit und die Umsetzung von Obamacare. Wie seinerzeit Bill Clinton, aber auf weniger spektakuläre Weise habe die demokratische Präsidentschaft es verstanden, ihre Fähigkeit unter Beweis zu stellen, der Wirtschaft einen Impuls zu verleihen und Arbeitsplätze zu schaffen, allerdings unterstützt durch eine akkommodierendere Geldpolitik, heißt es weiter.

„Nun verfügen die Republikaner über alle institutionelle Macht. Sie haben einiges zu tun, denn die Bilanz der Obama-Jahre ist in Wirklichkeit durchaus von Kontrasten geprägt. Sie müssen bisher ungekannte soziale Ungleichheiten abbauen, die Verschuldung der Studenten aufgrund astronomischer Hochschulgebühren reduzieren, die Löhne erhöhen, ohne allzu sehr an den Margen der Unternehmen zu zehren, den Konjunkturzyklus verlängern und eine relative Stabilität des Dollars und der Welt sicherstellen und dabei gleichzeitig eine mittlerweile als zu locker eingeschätzte und von den Finanzmärkten pervertierte Geldpolitik ändern. Im Moment präsentiert sich das Wirtschaftsprogramm von Trump inflationistisch und protektionistisch (Erhöhung von Zöllen, Neuverhandlung von Handelsabkommen, Lohnerhöhungen, Wiederbelebung der Infrastrukturprogramme) und konzentriert sich vor allem auf allgemeine Steuersenkungen, die allerdings finanziert sein wollen. Im Hinblick auf das politische und geostrategische Programm bleibt nur zu hoffen, dass er nicht all seine skurrilen während seines Wahlkampfs herausgebrüllten Ideen umsetzen wird“, so de Maack.

Die anderen politischen Termine sollten nicht außer Acht gelassen werden (Referendum in Italien, rechtliches Verfahren und Diskussionen im Zusammenhang mit dem Brexit), dürften aber keinen Schock auf den Märkten nach sich ziehen, heißt es weiter. „Nach dem Überraschungseffekt des Wahlsiegs von Donald Trump treten die wirtschaftlichen und geldpolitischen Fragen und die Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur in den USA wie auch anderswo wieder in den Vordergrund. Für all diejenigen, die die derzeitige oder künftige Volatilität für sich nutzen wollen, dürfte sich der Kauf europäischer Aktien zu günstigen Konditionen auf lange Sicht auszahlen. Lang laufende Anleihen erscheinen uns immer noch zu teuer und risikobehaftet, falls sich die Inflationsgefahren konkretisieren werden, insbesondere im Zuge der während der Amtszeit von Trump geführten Politik“, so de Maack.