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AKTIEN IM FOKUS: Anleger setzen bei europäischen Stahlwerten auf bessere Zeiten

Dienstag, 22.11.2016 12:04 von

FRANKFURT/PARIS (dpa-AFX) - Europäische Stahlwerte haben am Dienstag von der Hoffnung auf besser laufende Geschäfte profitiert. Am Markt wurde als Kurstreiber auf einen Medienbericht verwiesen, wonach der Branchenriese ArcelorMittal (ArcelorMittal Aktie) seine Stahlpreise anheben wolle. Aktien des weltgrößten Stahlherstellers gewannen daraufhin an der Mehrländerbörse Euronext mehr als 4 Prozent an Wert.

Hierzulande stiegen Thyssenkrupp (ThyssenKrupp Aktie) an der Dax-Spitze mehr als zweieinhalb Prozent. Für die Salzgitter-Aktien ging es im MDax sogar um fast 4 Prozent nach oben.

Die Meldung kam inmitten eines am Dienstag ohnehin positiven Stimmungsfelds für Rohstoffwerte. Steigende Öl- und Metallpreise hatte zuvor schon in den USA und in Asien die Kurse beflügelt. Anleger versprechen sich in den USA konjunkturellen Rückenwind durch Steuersenkungen und Infrastrukturinvestitionen unter dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump.

Das Branchenportal "MetalBulletin" meldete nun unter in Berufung auf Unternehmenskreise, dass ArcelorMittal zukünftig in Europa mehr Geld für seine Flachstahlprodukte verlangen möchte. Bei Anlegern sorgt das für Hoffnung, blickt der europäische Stahlsektor doch wegen hohen Konkurrenzdrucks aus Fernost sowie Überkapazitäten auf eine lange Branchenkrise zurück. Zur Abwehr von Billigimporten aus China hatte die EU allerdings zuletzt Strafzölle verhängt.

Berenberg-Analyst Alessandro Abate hatte sich erst vor wenigen Tagen für ein stärkeres Engagement bei europäischen Branchenwerten ausgesprochen. Er verwies in seiner Studie vom vergangenen Freitag auf den Kursanstieg des US-Dollar nach der Trump-Wahl sowie den gleichzeitigen Rutsch des Euro im Vergleich zu den Währungen großer Stahlproduzenten wie Russland oder China. Dies bringe europäischen Anbietern in Fall steigender Preise in der EU einen gewissen Schutz.

Abate nannte aber auch auf positive Preiserwartungen und die in der EU eingeleiteten Anti-Dumping-Maßnahmen als Gründe dafür, dass er den europäischen Stahlsektor mittlerweile gegenüber den Branchenwerten aus den USA favorisiere.

Ein Händler wies bei ThyssenKrupp zudem darauf hin, dass der Stahlkonzern am Donnerstag als Nachzügler der Berichtssaison mit Zahlen aufwarten wird. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr dürften nach Einschätzung von Analysten die lange schwachen Stahlpreise zu einem sinkenden operativen Gewinn geführt haben. Mehr Spannung als im Zahlenwerk steckt aber in den vielen offenen strategischen Fragen vor allem rund um das Stahlgeschäft des Konzerns./tih/mis/stw