Aktien Frankfurt: Katalonien-Konflikt und Geschäftszahlen beenden Rekordjagd

Donnerstag, 19.10.2017 15:04 von dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt herrscht nach der jüngsten Rekordjagd Katerstimmung. Sowohl die wieder zugespitzte politische Krise um das abspaltungswillige Katalonien als auch enttäuschende Unternehmensnachrichten drückten am Donnerstag auf die Stimmung. Besonders unter Druck gerieten am frühen Nachmittag die Nebenwerte-Indizes.

Der MDax , in dem die Aktien mittelgroßer Unternehmen vertreten sind, etwa büßte bis zum frühen Nachmittag 1,38 Prozent auf 25 948,81 Punkte ein. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 1,17 Prozent auf 2490,07 Punkte abwärts. Der SDax der gering kapitalisierten Werte verlor fast 2 Prozent.

Der deutsche Leitindex Dax fiel um 0,83 Prozent auf 12 935,27 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor ähnlich stark. Auch europäische Schwergewichte wie Unilever (Unilever Aktie) und Nestle verfehlten mit ihren Quartalszahlen die Erwartungen der Anleger.

Kataloniens Regierungschef Carles Puigdemont hatte die ultimative Forderung der spanischen Zentralregierung zur Beendigung aller Abspaltungsbestrebungen nicht befolgt. In einem Brief an den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy erneuerte Puigdemont zwar sein Dialogangebot, droht aber im Falle härterer Maßnahmen mit der Unabhängigkeit. In einer ersten Reaktion auf den Brief hieß es, dass die Zentralregierung in Madrid die Aussetzung der derzeit geltenden Autonomie Kataloniens vorantreiben will.

"Damit wird eine Abspaltung der Region wieder wahrscheinlicher und Anleger reagieren entsprechend nervös", sagte ein Börsianer. Investoren gingen wieder verstärkt auf "Nummer sicher". Laut Investmentanalyst Thomas Hollenbach von der Landesbank Baden-Württemberg dürfte eine Zuspitzung der Lage nicht nur iberische Politiker auf Trab halten, sondern auch am Kapitalmarkt Spuren hinterlassen.

Europas größter Softwarehersteller SAP (SAP Aktie) verdiente im dritten Quartal wegen des Gegenwindes vom starken Euro und wegen hoher Investitionen operativ weniger als erwartet. Die Aktien fielen zuletzt aber nur noch um 0,25 Prozent, da der Vorstandsvorsitzende einen Margenanstieg in Aussicht gestellt hatte.

Schlusslicht im Dax waren die Anteilsscheine des Autobauers BMW nach einer skeptischen Analyse der US-Investmentbank Morgan Stanley. Die Anteilsscheine verbilligten sich um mehr als 2 Prozent.

Für eine große Enttäuschung sorgte Kion : Der Gabelstapler-Hersteller musste wegen einer schwachen Nachfrage nach seinen Angeboten für Komplettlösungen rund um Logistikfragen die Prognose senken. Für die Anteilsscheine ging es als Schlusslicht im MDax um fast 13 Prozent nach unten. Im Sog dessen büßten die Papiere des Wettbewerbers Jungheinrich rund 4,5 Prozent ein. Auch die Anteilsscheine anderer Maschinenbauer wie Krones (Krones Aktie) oder Heidelberger Druckmaschinen gerieten unter Druck.

Zooplus hingegen erfreute die Anleger. Der überzeugende Zwischenbericht sei nach der Umsatzenttäuschung im Vorquartal und der jüngsten Strategieänderung besonders wichtig gewesen, schrieb Analyst Borja Olcese. Der Experte hob dabei die dynamische Entwicklung des Onlinehändlers für Haustierbedarf im Neukundengeschäft hervor. Die Papiere zogen um rund 3,5 Prozent an.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,19 Prozent am Vortag auf 0,21 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,08 Prozent auf 141,51 Punkte. Der Bund-Future rückte um 0,03 Prozent auf 162,27 Punkte vor. Der Euro kostete zuletzt 1,1834 US-Dollar. Der Dollar (Dollarkurs) kostete damit 0,8450 Euro. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,1749 (Dienstag: 1,1759) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8511 (0,8504) Euro gekostet./la/jha/

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---