Aktien Frankfurt: Gewinnmitnahmen - Lanxess-Zukauf im Fokus

Montag, 26.09.2016 12:08 von

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax ist am Montag deutlich unter die Räder gekommen. Analyst Mike van Dulken von Accendo Markets verwies auf anhaltende Gewinnmitnahmen nach der starken Vorwoche, die Nervosität der Anleger vor dem TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton und schwindenden Erwartungen an ein Treffen der Opec-Ölförderländer in Algier.

Dagegen konnte auch ein starkes Ifo-Geschäftsklima nichts ausrichten: Um die Mittagszeit stand der deutsche Leitindex 1,64 Prozent tiefer bei 10 453,10 Punkten. Damit knüpfte er an seine moderaten Verluste vom Freitag an. Die vergangene Woche hatte der Dax unter dem Strich dennoch ein Plus von knapp dreieinhalb Prozent geschafft - dank der Entscheidungen der Währungshüter in den USA und Japan für eine weiter lockere Geldpolitik, welche Aktien gegenüber festverzinslichen Wertpapieren begünstigt.

Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen verlor am Montag 0,82 Prozent auf 21 373,60 Punkte und der Technologiewerte-Index TecDax gab um 1,02 Prozent auf 1783,83 Zähler nach. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 1,75 Prozent auf 2979,27 Punkte zurück.

VERHALTENE VORGABEN - GUTES IFO-GESCHÄFTSKLIMA HILFT NICHT

In der kommenden Nacht steht das erste Fernsehduell zwischen Trump und Clinton an. Laut Experten könnte der verbale Schlagabtausch ein entscheidender Faktor für den Wahlausgang werden - derzeit liegen beide US-Präsidentschaftskandidaten in Umfragen nahezu gleichauf.

Von den verhaltenen Vorgaben aus Übersee kam zum Auftakt der neuen Woche kein Rückenwind für den deutschen Aktienmarkt. An der Wall Street hatten sinkende Ölpreise die Anleger am Freitag zu Verkäufen bewogen, und auch an den asiatischen Börsen dominierten zuletzt rote Vorzeichen.

Derweil hat sich die Stimmung in den deutschen Unternehmen im September stark verbessert. Das Ifo-Geschäftsklima stieg auf den höchsten Stand seit Mai 2014 und überraschte die Experten positiv. Sowohl die Geschäftserwartungen als auch die Bewertung der aktuellen Lage hellten sich deutlich auf.

MILLIARDENÜBERNAHME BEFLÜGELT LANXESS (Lanxess Aktie)

Kursbewegende Unternehmensnachrichten kamen vor allem aus den Nebenwerte-Indizes. Lanxess profitierte von Übernahmeplänen: Mit einem Kurssprung von über acht Prozent eroberten die Aktien des Spezialchemiekonzerns die MDax-Spitze. Jit Hoong Chan vom Analysehaus S&P Global begrüßte den angestrebten Kauf des US-Konkurrenten Chemtura. Dadurch könne Lanxess sein schleppendes Umsatzwachstum beschleunigen und sich gleichzeitig ein profitables Geschäft sichern.

Über den Kaufpreis von rund 2,4 Milliarden Euro gehen die Meinungen allerdings auseinander. Während dieser dem S&P-Experten nicht zu hoch erscheint, warnte ein anderer Börsianer, die Transaktion werde für Lanxess nicht billig. Gleichzeitig befürchtet er, dass den Chemtura-Anteilseignern die gebotenen, umgerechnet 33,50 US-Dollar je Aktie nicht ausreichen könnten. Der Preis beinhaltet einen Aufschlag von knapp 19 Prozent auf den Chemtura-Schlusskurs vom Freitag.

ANLEGER NEHMEN AUSBLICK VON STRÖER (Ströer Aktie) POSITIV AUF

Ströer-Titel sicherten sich mit plus 3,83 Prozent den zweiten Platz im MDax und stoppten so ihre jüngste Talfahrt. Der Außenwerbe-Spezialist äußerte sich dank gut laufender Geschäfte für das laufende Jahr etwas optimistischer als bisher und will 2017 weiter wachsen.

Dagegen schickte eine Verkaufsempfehlung der Deutschen Bank K+S mit minus 5,61 Prozent ans Indexende. Der Abschwung in der Düngemittelbranche dürfte sich noch länger hinziehen, begründete Analystin Virginie Boucher-Ferte ihre Neubewertung der Aktie.

DEUTSCHE BANK (Deutsche Bank Aktie) SACKT AUF NEUES REKORDTIEF

Im Dax nahm der Verkaufsdruck auf Papiere der Deutschen Bank nochmals deutlich zu. Sie sackten auf ein neues Rekordtief ab. Zuletzt stand ein Minus von 6,13 Prozent auf 10,71 Euro zu Buche. Als weiterer Belastungsfaktor erwies sich Börsianern zufolge ein Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus". Demnach schließt Bundeskanzlerin Angela Merkel sowohl Staatshilfen für das angeschlagene Geldinstitut als auch eine diplomatische Einmischung in den Rechtsstreit mit den US-Behörden aus./gl/fbr

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---