Aktien Asien: Vor allem Japans Anleger reagieren geschockt auf US-Wahlausgang

Mittwoch, 09.11.2016 09:57 von

TOKIO/HONGKONG/SHANGHAI/SYDNEY/MUMBAI (dpa-AFX) - Der fast sichere Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl hat Asiens Aktienmärkte am Mittwoch teils drastisch einbrechen lassen. Besonders stark ging die Börse in Tokio in die Knie. Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte war zwischenzeitlich um mehr als 6 Prozent abgestürzt und ging 5,36 Prozent tiefer bei 16 251,54 Punkten aus dem Handel. Der japanische Aktienmarkt hatte zwar während der laufenden Auszählungen in den USA geschlossen, dennoch hatte sich bereits im Handelsverlauf ein Wahlsieg des republikanischen Kandidaten deutlich abgezeichnet.

Nach Börsenschluss in Tokio herrschte dann Gewissheit: Donald Trump wird 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Der umstrittene Republikaner hat überraschend und entgegen der allermeisten Umfragen die Präsidentschaftswahl gewonnen, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete.

Von der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton hatten sich Analysten mehr Stabilität und auch Gewissheit erwartet, was mit der amerikanischen Wirtschaft passiert. Nun aber "gewinnt Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl und stößt damit die Welt vor den Kopf", sagte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. An den Finanzmärkten fürchten Anleger bei einem Präsidenten Trump eine Einschränkung des freien Warenverkehrs sowie eine Abschottung durch Grenzzäune.

Nun kommt es Gitzel zufolge darauf an, wie sich Trump außenpolitisch und außenwirtschaftlich tatsächlich positioniert. Bleibe er bei seiner harten Linie, verspreche dies nichts Gutes. Wahrscheinlich müsse sich Trump aber den Fakten stellen und zurückrudern

Der Nikkei sackte zur Wochenmitte gleichwohl auf den tiefsten Stand seit Anfang August ab. Zugleich verbuchte der japanische Leitindex den größten prozentualen Tagesverlust seit dem Brexit-Votum der Briten Ende Juni. Seinerzeit war das Börsenbarometer um rund 8 Prozent in die Tiefe gerauscht.

Neben der wirtschaftlichen Unsicherheit nach der US-Wahl verhagelte in Japan auch der deutliche Anstieg des Yen gegenüber dem US-Dollar deutlich die Stimmung. Der Yen gilt an den Finanzmärkten als sicherer Hafen. Steigt das Sicherheitsbedürfnis der Anleger, legt die Währung tendenziell zu. Aktienanleger aber werten Gewinne beim Yen in der Regel negativ, weil sich dadurch die Exportaussichten der Unternehmen verschlechtern können.

Alle im Nikkei vertretenen Werte schlossen im Minus. Am Indexende verbilligten sich die Aktien des Elektronikkonzerns Taiyo Yuden (Taiyo Yuden Aktie) um 12 Prozent. Für die Papiere des Bergbauunternehmens Mitsui Mining & Smelting (Mitsui Mining & Smelting Aktie) ging es als zweitschwächster Wert um mehr als 10 Prozent nach unten.

Unter den Einzelwerten ragten ferner die Aktien von Toyota mit einem Abschlag von rund 6,5 Prozent negativ heraus. Der Höhenflug des Yen hatte die Bilanz des VW-Erzrivalen verhagelt. Der Nettogewinn bei Japans größtem Autobauer brach im zweiten Geschäftsquartal massiv ein.

Auch asienweit gerieten die Börsen teils deutlich unter Druck. Der Auswahlindex Stoxx 600 Asia Pacific verlor zuletzt 3,43 Prozent auf 161,54 Punkte. Insgesamt fällt aber auf, dass die wichtigsten Aktienindizes der Region trotz des aktuellen Rückschlages immer noch teils deutlich von ihren Tiefstständen unmittelbar nach dem Brexit-Votum entfernt sind.

In Hongkong büßte der Hang Seng-Index 2,16 Prozent auf 22 415,19 Punkte ein. An den chinesischen Festlandbörsen hingegen reagierten die Anleger relativ entspannt: Der CSI-300, der die größten Aktienwerte in Shanghai und Shenzhen abbildet, gab lediglich um 0,54 Prozent auf 3353,05 Punkte nach. Dort sind viele inländische Anleger aktiv, so dass außenpolitische Aspekte und globale Wirtschaftsentwicklungen eine eher untergeordnete Rolle spielen.

An der Börse in Seoul wiederum ging es mit dem Kospi-Index um gut 2 Prozent abwärts. In Taiwan zeigte sich ein Minus von rund 3 Prozent.

In Sydney schloss der ASX 200 1,93 Prozent tiefer bei 5156,56 Punkten. Dort verbuchten alle Branchen Verluste, allen voran die Energiewerte mit einem Abschlag von 3,84 Prozent. An der Börse in Mumbai büßte der länger gehandelte indische Sensex 1,40 Prozent auf 27 204,53 Punkte ein./la/ag