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AKTIE IM FOKUS: Pilotenstreik macht Aktionäre der Lufthansa zunehmend nervös

Freitag, 25.11.2016 12:29 von

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der anhaltende Pilotenstreik schlägt zunehmend auf die Aktien der Lufthansa (Lufthansa Aktie) durch. Zu Wochenschluss gaben sie um 0,67 Prozent auf 12,56 Euro nach. Die Flieger bleiben nun schon den dritten Tag am Boden und die Piloten wollen auch am Samstag weiter streiken. Seit der ersten Ankündigung am Montag haben die Papiere bislang gut 2,5 Prozent an Wert verloren.

Börsianer fürchten nun vermehrt einen Imageschaden sowie eine mögliche Eskalation des Tarifkonflikts, was nach einer zunächst verhaltenen Kursreaktion letztlich dann doch noch stärker belasten könnte. Mit längerer Streikdauer drohe mehr als nur ein finanzieller Schaden, den Vorstandsmitglied Harry Hohmeister zuletzt auf etwa 10 Millionen Euro täglich bezifferte. Dieser hatte am Vortag zugegeben, die Zurückhaltung der Fluggäste bei den mittelfristigen Buchungszahlen zu spüren.

REAKTION AUF ZULETZT STARKEN KURSANSTIEG

Viele Marktakteure gingen bislang davon aus, dass die Airline die nun schon 14. Streikrunde der Piloten gut verkraften kann. Commerzbank-Analyst Johannes Braun hatte am ersten Streiktag noch hervorgehoben, dass die Fluggesellschaft mit dem Ausstand relativ gut umgehe. Er sprach von kurzfristigen Schmerzen, aber einer langfristigen Aussicht auf eine erfolgreiche Strategie mit dem Ziel, die Fluggesellschaft besser aufzustellen. Den aktuellen Lohnforderungen der Piloten werde das Unternehmen vermutlich nicht nachgeben.

Die Kursverluste der vergangenen Tage folgen aber auch auf eine starke Entwicklung in den vergangenen Wochen. Seit die Fluggesellschaft Anfang Oktober überraschend ihren operativen Gewinnausblick nach oben geschraubt hat, sind die Papiere in der Spitze um mehr als 40 Prozent gestiegen. Nur die vergangenen Wochen betrachtet, waren Lufthansa der beste Wert im deutschen Leitindex Dax. Das relativiert das jüngste Minus.

HERAUSFORDERUNGEN PRÄGTEN DAS JAHR

Seit Jahresbeginn steht aber immer noch ein Kursverlust von knapp 14 Prozent zu Buche. Neben den schon lange andauernden Tarifstreitigkeiten, die derzeit auch mit dem Kabinenpersonal bei der Tochter Eurowings geführt werden, trübten weitere Herausforderungen die Stimmung der Anleger. Die Lufthansa kämpft nicht nur mit starker Konkurrenz durch Billigflieger, sondern auch mit der branchenweit spürbaren Angst vor Terror und weltpolitischen Unsicherheiten.

Diese Sorgen sehen die Investment-Experten von Goldman Sachs (Goldman Sachs Aktie) weiterhin als Belastungsfaktor. Wie Analystin Monique Pollard in einer Branchenstudie betonte, hat Lufthansa in einem von Überkapazitäten geprägten europäischen Luftverkehrsmarkt eine schwache Wettbewerbsposition. Sie blieb daher bei ihrer Verkaufsempfehlung. Ihr Kursziel von 8 Euro liegt mehr als ein Drittel unter dem aktuellen Kurs./tih/mis/she