AKTIE IM FOKUS: Anleger fassen bei Thyssenkrupp nach Zahlen weiteres Vertrauen

Donnerstag, 24.11.2016 11:44 von

FRANKFURT (dpa-AFX) - Bei den Aktionären von Thyssenkrupp (ThyssenKrupp Aktie) ist am Donnerstag die anfängliche Enttäuschung über den Ausblick für das neue Geschäftsjahr verflogen. Analysten zeigten Verständnis für die Zurückhaltung des Dax-Konzerns. Nach anfänglichen Verlusten von fast 3 Prozent drehten die Papiere des Industriekonzerns am Vormittag ins Plus. Sie stiegen zuletzt um 0,82 Prozent auf 22,130 Euro.

Damit setzten die Papiere ihren jüngsten Aufwärtstrend fort. So hatte die Hoffnung auf eine Erholung der Stahlpreise der Branche zuletzt Rückenwind verliehen. Im Jahresverlauf haben sie mittlerweile rund 20 Prozent zugelegt.

AUSBLICK UNTER DEN ERWARTUNGEN

Der Dax-Konzern habe die Erwartungen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 weitgehend erfüllt, der Ausblick für den bereinigten operativen Gewinn (Ebit) im neuen Geschäftsjahr erscheine aber vorsichtig und liege unter der durchschnittlichen Marktschätzung, erklärte Analyst Christian Obst von der Baader Bank in einer ersten Einschätzung. Händler wiesen zudem daraufhin, dass die vorgeschlagene Dividende von 0,15 Euro Aktie hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei.

Analyst Ingo Schachel von der Commerzbank (Commerzbank Aktie) äußerte sich aber trotz des unter den Markterwartungen liegenden Ebit-Ausblicks zuversichtlich. Die Prognose für das erste Geschäftsquartal erscheine zwar für die europäische Stahlsparte (Steel Europe) auf den ersten Blick ein wenig schwach, allerdings sei dies Sondereffekten geschuldet.

VORSICHTIGE HALTUNG NACHVOLLZIEHBAR

Für Alessandro Abate, Analyst bei der Privatbank Berenberg, ist der Unternehmensausblick denn auch "gut". Es dürfe nicht vergessen werden, dass Thyssenkrupp vor einigen Monaten bei der Prognose für das beendete Geschäftsjahr 2015/16 hatte zurückrudern müssen, schrieb Abate angesichts des vorsichtigen Ausblicks für das laufende Jahr 2016/17. Er verwies ebenfalls auf Einmalbelastungen etwa im Zusammenhang mit einem Hochofen der Hüttenwerke Krupp Mannesmann.

Abseits vom Ausblick zielte Baader-Analyst Obst positiv auf die Entwicklung des Mittelzuflusses aus dem laufenden Geschäft (Free Cashflow) ab. Dieser wuchs um 72 Prozent auf 198 Millionen Euro. Das heißt, Thyssenkrupp hat mehr Geld eingenommen als ausgegeben.

ZUKUNFT DES STAHLGESCHÄFTS IM BLICK

Im Fokus bleiben zudem Spekulationen über die Zukunft des Stahlgeschäfts angesichts der langen Branchenkrise. Der Konzern selbst hatte im Sommer Gespräche über einen Zusammenschluss seiner hiesigen Stahlsparte mit dem europäischen Stahlgeschäft des indischen Industriekonglomerats Tata bestätigt.

Seitdem sind die Zweifel aber gewachsen, ob es noch zu einer Einigung kommt. Analyst Rochus Brauneiser vom Investmenthaus Kepler Cheuvreux bleibt denn auch vorsichtig. Er sieht das Risiko einer Verzögerung oder gar eines Scheiterns der Zusammenarbeit. Zudem könnten die Markterwartungen für das Geschäftsjahr 2016/17 wegen eines schwächeren Anlagenbaus und des Risikos sinkender Margen im Stahlgeschäft zu hoch sein./mis/tih/she