AKTIE IM FOKUS: Aktionäre befürchten Scheitern der Aixtron-Übernahme durch GCI

Montag, 21.11.2016 10:17 von

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Hoffnung vieler Aixtron-Aktionäre auf eine doch noch erfolgreiche Übernahme durch den chinesischen Investor Grand Chip Investment (GCI) hat einen weiteren Schlag erhalten. Eine Zustimmung der USA erscheint zunehmend unwahrscheinlich. Die bereits zum Umtausch eingereichten Aixtron-Papiere fielen am Montagvormittag um 6,74 Prozent auf 4,149 Euro. Die noch nicht angedienten Aktien brachen noch etwas stärker um 6,91 Prozent auf 4,380 Euro ein.

Der geplante Kauf des TecDax-Unternehmens landet nun auf dem Schreibtisch des US-Präsidenten Barack Obama. Wie Aixtron mitteilte, hat die prüfende US-Behörde für Auslandsinvestitionen wegen nationaler Sicherheitsbedenken keine abschließende Freigabeentscheidung treffen wollen. Der US-Präsident, dem sie empfehlen wolle, keine Freigabe zu erteilen, habe nun 15 Tage Zeit für die Entscheidung, hatte es am Freitag nach Börsenschluss geheißen.

ANALYST: OBAMA DÜRFTE SICH KAUM GEGEN BEHÖRDE STELLEN

Analyst Thomas Becker von der Commerzbank (Commerzbank Aktie) sieht keinen Grund, warum Obama dem Widerstand der US-Behörde CFIUS widersprechen sollte. Er stufte die Aktien von "Hold" auf "Reduce" ab und senkte das Kursziel von 6,00 auf 3,30 Euro. Das alte Kursziel entsprach dem von den Chinesen gebotenen Preis je Aktie.

Interessant sei, dass die US-Behörde Sicherheitsbedenken hege, nachdem Aixtron und dessen US-Konkurrent Veeco im Laufe der Jahre hunderte Anlagen nach China verkauft hätten, erklärte Becker. Er frage sich, wie sich vor diesem Hintergrund das China-Geschäft der beiden Unternehmen künftig entwickeln werde. Positiv hob der Analyst den hohen Bestand liquider Mittel von Aixtron hervor. Die dürften für eine mögliche Restrukturierung mehr als ausreichen.

EXPERTIN: AIXTRON OHNE CHINESEN IM RÜCKEN VOR UNGEWISSER ZUKUNFT

Der kriselnde Spezialanlagenbauer erhofft sich durch die fremde Übernahme bessere Zukunftschancen und Perspektiven bei der Entwicklung sowie beim Absatz. So steckte das Unternehmen zuletzt weiter in den roten Zahlen. Verzögerte Aufträge, Preisdruck und hohe Entwicklungskosten machen Aixtron seit einiger Zeit zu schaffen.

Ohne die aktive Unterstützung der Chinesen sieht Analystin Victoria Kruchevska vom Investmenthaus Equinet Aixtron vor einer ungewissen Zukunft. Die senkte ihr Kursziel um 2 auf 4 Euro und reduzierte ihr Votum von "Accumulate" auf "Neutral".

AIXTRON SEIT JAHREN UNTER DRUCK

Im Grunde waren die Unternehmen auch fast schon am Ziel. Weit mehr als die Hälfte der Aixtron-Papiere waren den Chinesen angedient worden. Langjährige Aktionäre dürfte die Offerte gleichwohl aber nur ein wenig Trost gespendet haben. Zwar war der Kurs daraufhin im Mai nach oben geschnellt und hatte sich den 6 Euro genähert.

Allerdings ging dem ein jahrelanger Kursverfall voraus. Anfang 2011 hatten die Anteilsscheine - auch angetrieben vom LED-Boom - noch 34 Euro gekostet. Im Jahr 2000 zur Zeit des Neuen Marktes waren sie in der Spitze sogar 89,50 Euro wert./mis/tih/zb