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Aktien Frankfurt Eröffnung: Dax nach einem Jahr wieder über 11 000

AKTIE IM FOKUS 2: Bei Lufthansa-Anlegern überwiegt am Ende die Sorge

Mittwoch, 02.11.2016 17:58 von

(neu: Schlusskurse)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Anleger der Lufthansa (Lufthansa Aktie) haben am Mittwoch letztlich deutlich negativ auf die Zahlen zum dritten Quartal und eine künftig stärkere Konkurrenz durch Ryanair am Frankfurter Flughafen reagiert. Nachdem die Papiere der deutschen Fluggesellschaft zunächst eine Berg- und Talfahrt hingelegt hatten, litten sie im Nachmittagshandel unter dem schwachen Börsenumfeld. Am Ende gingen die Anteilsscheine knapp 2,5 Prozent tiefer bei 11,185 Euro aus dem Handel.

ANALYSTEN BLEIBEN SKEPTISCH

Analysten zogen ein gemischtes Fazit der jüngsten Nachrichten und äußerten sich teils kritisch mit Blick auf die Zukunft der Lufthansa. Firdaus Ibrahim von S&P Global geht von einem weiterhin schwierigen Umfeld aus, was sich auch im Rückgang des Umsatzes im dritten Quartal gezeigt habe. Ibrahim rechnet für die Fluggesellschaft mit einem harten Jahr 2017 - nicht zuletzt wegen der Expansion von Ryanair nach Frankfurt.

Auch die Commerzbank (Commerzbank Aktie) bleibt langfristig skeptisch. Nach Einschätzung von Adrian Pehl wird ein nachlassender Preisdruck wegen der wachsenden Kapazitäten auf den Kurz- und Transatlantikstrecken nicht nachhaltig sein. Mit Bei Ryanair rechnet sein Kollege Johannes Braun, der die Fraport-Aktien beobachtet, mit größeren Wachstumsplänen am Frankfurter Flughafen. Er sorgt sich dabei auch um die Rolle der Lufthansa als Hauptkunde.

Der Analyst Stephen Furlong von Davy Research hingegen wertete es positiv, dass das Management zumindest für das kommende Jahr einen zuversichtlicheren Ton angestimmt habe. "Trotz der Volatilität unseres Geschäfts und trotz des schwierigen Marktumfelds schauen wir optimistisch in das Jahr 2017", hatte Vorstandschef Carsten Spohr zuvor gesagt. Furlong verwies darauf, dass der Manager dem Preisdruck im Luftverkehr mit aktiver Kapazitätsplanung, sinkenden Stückkosten und internen Umstrukturierungen begegnen wolle.

LUFTHANSA MACHT GUT WETTER IN SACHEN RYANAIR

In der vermehrten Konkurrenz durch den irischen Billigflieger Ryanair, der am Mittwoch erstmals ein Flugangebot am Heimatflughafen der Lufthansa in Frankfurt vorgestellt hatte, sieht Spohr dabei offenbar mehr eine Chance als ein Hindernis. "So sehr können uns die Ryanair-Flugzeuge gar nicht ärgern, wie uns die sinkenden Gebühren helfen werden", sagte er und kündigte an, die Lufthansa werde am Flughafen Frankfurt nicht mehr zahlen als der Billigflieger. Die erhofften Einsparungen bezifferte Spohr auf jährlich 200 bis 300 Millionen Euro.

Bei den Experten der Investmentbank Liberum kommt es auch gut an, dass sich die Lufthansa jüngst mit ihren Flugbegleitern über eine Neuregelung der Betriebsrenten geeinigt hatte. Sein Kollege Furlong von Davy Research rechnet damit, dass sich die Umstellung der Ruhestands- und Übergangsregelungen nicht nur einmalig positiv auf die Bilanz auswirken wird. Er sieht den jährlichen Kostenvorteil ab 2017 bei 60 Millionen Euro.

AKTIE UNTER GRÖSSTEN DAX-VERLIERERN DES JAHRES

Die Lufthansa gehört zu den schwächsten Werten im Dax in diesem Jahr mit einem Verlust von rund 23 Prozent. Nur der Autozulieferer Continental (Continental Aktie) sowie die Commerzbank und die Deutsche Bank (Deutsche Bank Aktie) stehen noch schlechter da. Neben hausinternen Problemen wie Streiks und hohen Kosten hatten das Brexit-Votum und dessen befürchtete Auswirkungen auf die Reiselust die Papiere massiv unter Druck gesetzt. Anfang Oktober war die Aktie nur noch gut 9 Euro wert gewesen nach fast 15 Euro zum Jahreswechsel./tih/stb/das/la/he