AKTIE IM FOKUS 2: Aktionäre befürchten Scheitern der Aixtron-Übernahme durch GCI

Montag, 21.11.2016 18:31 von

(Neu: Präzisierung des Zeitraums für Entscheidung von Obama, Schlusskurse)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Hoffnung vieler Aixtron-Aktionäre auf eine Übernahme durch den chinesischen Investor Grand Chip Investment (GCI) hat am Montag einen weiteren herben Dämpfer erhalten. Eine Zustimmung der USA erscheint zunehmend unwahrscheinlich. Entsprechend sackten die bereits zum Umtausch eingereichten Aixtron-Papiere bis Handelsende um 11,67 Prozent auf 3,930 Euro ein. Die noch nicht angedienten Aktien verloren 5,48 Prozent auf 4,447 Euro.

Der geplante Kauf des TecDax-Unternehmens landet nun auf dem Schreibtisch des US-Präsidenten Barack Obama. Wie Aixtron mitteilte, hat die prüfende US-Behörde für Auslandsinvestitionen wegen nationaler Sicherheitsbedenken keine abschließende Freigabeentscheidung treffen wollen. Obama hat nun bis zum 3. Dezember Zeit für eine Entscheidung. Die US-Behörde selbst ist klar gegen die Transaktion.

ANALYST: OBAMA DÜRFTE SICH KAUM GEGEN BEHÖRDE STELLEN

Analyst Thomas Becker von der Commerzbank (Commerzbank Aktie) sieht keinen Grund, warum Obama eine andere Haltung als die US-Behörde einnehmen sollte. Er stufte die Aktien von "Hold" auf "Reduce" ab und senkte das Kursziel von 6,00 auf 3,30 Euro. Das alte Kursziel entsprach dem von den Chinesen gebotenen Preis je Aktie.

Interessant sei, dass die US-Behörde Sicherheitsbedenken hege, nachdem Aixtron und dessen US-Konkurrent Veeco im Laufe der Jahre hunderte Anlagen nach China verkauft hätten, erklärte Becker. Er frage sich, wie sich vor diesem Hintergrund das China-Geschäft der beiden Unternehmen künftig entwickeln werde. Positiv hob der Analyst den hohen Bestand liquider Mittel von Aixtron hervor. Die dürften für eine mögliche Restrukturierung mehr als ausreichen.

EXPERTIN: AIXTRON OHNE CHINESEN IM RÜCKEN VOR UNGEWISSER ZUKUNFT

Der kriselnde Spezialanlagenbauer erhofft sich durch die fremde Übernahme bessere Zukunftschancen und Perspektiven bei der Entwicklung sowie beim Absatz. So steckte das Unternehmen zuletzt weiter in den roten Zahlen. Verzögerte Aufträge, Preisdruck und hohe Entwicklungskosten machen Aixtron seit einiger Zeit zu schaffen.

Ohne die aktive Unterstützung der Chinesen sieht Analystin Victoria Kruchevska vom Investmenthaus Equinet Aixtron vor einer ungewissen Zukunft. Sie senkte ihr Kursziel um 2 auf 4 Euro und das Anlagevotum von "Accumulate" auf "Neutral".

AIXTRON SEIT JAHREN UNTER DRUCK

Im Grunde waren Aixtron und GCI fast schon am Ziel: Weit mehr als die Hälfte der Aixtron-Papiere waren den Chinesen angedient worden. Langjährigen Aktionären dürfte die Offerte gleichwohl nur wenig Trost gespendet haben. Zwar war der Kurs daraufhin im Mai nach oben geschnellt und hatte sich den 6 Euro genähert. Allerdings ging dem ein jahrelanger Kursverfall voraus: Anfang 2011 hatten die Anteilsscheine - auch angetrieben vom LED-Boom - noch 34 Euro gekostet. Im Jahr 2000 zur Zeit des Neuen Marktes waren sie in der Spitze sogar 89,50 Euro wert./mis/tih/zb/gl/fbr