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Air Berlin-Pleite: Ryanair will Staatshilfen auf den Prüfstand stellen lassen

Mittwoch, 16.08.2017 10:46 von Svenja Thiel

A330 von Air Berlin vor Abflug in Düsseldorf.
A330 von Air Berlin vor Abflug in Düsseldorf. - © istock.com / Shaowolle
Die Verkaufsverhandlungen für die insolvente Air Berlin gehen weiter. Das schmeckt nicht jedem: Der irische Billigflieger Ryanair reichte Beschwerde bei den Kartellbehörden ein.

Es lief schon lange nicht mehr rund bei Air Berlin. Mitten in der Urlaubszeit zog Großaktionär und Geldgeber Etihad Airways nun die Reißleine und drehte Air Berlin den Geldhahn zu. Air Berlin meldete daraufhin Insolvenz in Eigenverwaltung an, wie das Unternehmen bereits am Dienstag in Berlin mitteilte. Nun springt erstmal die Bundesregierung mit einem 150 Millionen Euro schweren Kredit der KfW ein. Diese Summe solle laut Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) ausreichen, um die nächsten drei Monate überbrücken zu können. Dieses Vorgehen ist dem Rivalen Ryanair allerdings ein Dorn im Auge. Die irische Fluggesellschaft kündigte am Dienstag in Dublin an, gegen die Staatshilfen Beschwerde bei den Kartellbehörden einzulegen. Nachdem der Kurs der Air Berlin-Aktie am Dienstag nach Bekanntgabe des Insolvenzantrags einbrach, ging der Tiefflug im frühen Handel am Mittwoch weiter.

Ryanair: Scharfe Kritik an Staatshilfen

Fast alle Hoffnungen ruhen nun vor allem auf der Lufthansa, die schon seit längerem Interesse an einer teilweisen Übernahme von Air Berlin habe – allerdings ohne den immensen Schuldenberg der Krisen-Airline zu übernehmen. Und genau hier liegt der Knackpunkt: Ryanair wittert einen Zusammenhang zwischen den Staatshilfen der Bundesregierung und einer möglichen Übernahme durch die Lufthansa und spricht gar von einer „künstlich erzeugten Insolvenz“. Die Kartellvorwürfe des irischen Billigfliegers wies Wirtschafts-Staatssekretär Matthias Machnig der Nachrichtenagentur dpa zufolge am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“ zurück.

Air Berlin hatte am Dienstag einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt, nachdem Großaktionär Etihad der Krisen-Airline weitere finanzielle Unterstützung versagt hatte. Mit einem Kredit der KfW hilft die Bundesregierung Air Berlin dabei, die nächsten drei Monate zu überbrücken, ansonsten müssten nach Insolvenzrecht sämtliche Maschinen am Boden bleiben – mitten in der Urlaubszeit. Das Geschäft von Air Berlin hatte sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert. Nur 2011 schrieb Air Berlin schwarze Zahlen, als Etihad das Vielfliegerprogramm der deutschen Fluggesellschaft übernahm. Danach ging es steil bergab. 2016 musste Air Berlin einen Rekordverlust von 780 Millionen Euro verbuchen.

Das sollten Passagiere beachten

Trotz Insolvenz wies die Stiftung Warentest im Berlin noch am Dienstag in darauf hin, dass Flugtickets zunächst weiterhin gültig bleiben würden und auch Flüge weiterhin buchbar seien. Die Stiftung warnte aber auch: Sollte Air Berlin den Flugbetrieb irgendwann einstellen und dieser nicht von einer anderen Fluggesellschaft übernommen werden, würden Kunden höchstwahrscheinlich wenig oder gar nichts von ihrem Ticketpreis erstattet bekommen. Kunden, deren Flug gestrichen wird oder Verspätung hat, hätten nach der europäischen Fluggastrechteverordnung auch weiter Anspruch auf Entschädigung. Fraglich sei allerdings, ob Air Berlin solche Forderungen begleichen könne. Für Urlauber, die ihre Reise bei einem Reiseveranstalter gebucht haben, ändere die Insolvenz gar nichts. Vertragspartner des Verbrauchers sei nämlich nicht Air Berlin, sondern der Reiseveranstalter, der sich auch um Ersatz kümmern müsse, sollte Air Berlin den Flugbetrieb einstellen.

Börse: Aktie weiter im Tiefflug

Wie es mit Air Berlin, dem Flugbetrieb und den Arbeitsplätzen weitergeht, werden die nächsten drei Monate zeigen. "Wir haben große Sorge um die Arbeitsplätze der Beschäftigten", sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle von der Gewerkschaft Verdi noch am Dienstag. Neben der Lufthansa gebe es der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, die sich wiederum auf Insider beruft, auch Gespräche mit der britischen Billigfluggesellschaft Easyjet. „Wir arbeiten unermüdlich daran, in dieser Situation das Beste für das Unternehmen, für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter zu erreichen.“, sagte am Dienstag Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann.

Die Aktie wurde nach Bekanntgabe der Insolvenz am Dienstag kurzzeitig vom Handel ausgesetzt und brach danach zeitweise um über 50 Prozent ein. Auf der anderen Seite profitierte die Aktie der Lufthansa, die wegen einer Teilübernahme der insolventen Fluggesellschaft im Gespräch ist. Im frühen Handel am Mittwoch ging es für Air Berlin weiter abwärts. Die Aktie notierte zuletzt mit 14,20 Prozent stark im Minus bei nur noch 0,429 Euro je Aktie. Für die Lufthansa-Aktie ging es dagegen weiter aufwärts. Sie notierte zuletzt mit 1,43 Prozent im Plus bei 20,885 Euro je Aktie.