FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Bundesregierung macht bei der Regulierung des umstrittenen, extrem schnellen von Computerprogrammen ausgeführten Börsenhandels offenbar ernst. So plane das Finanzministerium eine Zulassungspflicht für sogenannte Hochfrequenzhändler, schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ/Donnerstagausgabe) unter Berufung auf ein Eckpunktepapier des Ministeriums. Wolfgang Schäuble halte automatisch ablaufende Handelsprogramme, die von Computern gesteuert werden, für gefährlich. "Um den Gefahren des Hochfrequenzhandels wirksam zu begegnen, ist eine umfassende Transparenz sicherzustellen", zitiert die Zeitung aus dem Eckpunktepapier. Das Ministerium denke zudem an eine Mindesthaltedauer für Handelsaufträge von beispielsweise 0,5 Sekunden.
Der sogenannte Hochfrequenzhandel wird von vielen Experten für die teils extremen Kurschwankungen in den vergangenen Monaten verantwortlich gemacht. Vor allem im August 2011, als die Nervosität an den Märkten wegen der eskalierenden Schuldenkrise in Europa und der Furcht vor neuen Bankenpleiten besonders hoch war, hatte es teils extreme Kursbewegungen gegeben. Zudem wurde der schnelle Computerhandel als Hauptgrund für den sogenannten "Flash Crash" an der US-Börse im Mai 2010 identifiziert. Damals war der Dow Jones Index innerhalb weniger Minuten bei extrem hohem Volumen um mehr als neun Prozent oder knapp 1.000 Punkte abgestürzt.
Aktien von Schwergewichten wie Procter & Gamble verloren innerhalb weniger Minuten massiv an Wert und erholten sich dann schnell wieder. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte in der Folge angekündigt, gegen diese Form von Handel vorgehen zu wollen. Offiziell ist seitdem aber wenig passiert. Allerdings soll der Anteil des Hochfrequenzhandels verschiedenen Berichten zufolge leicht zurückgegangen sein./zb/men/wiz