Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Nach dem Preissturz Anfang des Monats kam es in der vergangenen Woche bei den Rohstoffen erstmals wieder zu einer breiten Verteuerung, so die Deutsche Börse AG.
"Ein Grund dafür ist, dass der Aufschwung des US-Dollar etwas nachlässt", erkläre Rohstoffexperte Ole Hansen von der Saxo Bank. Ein höherer US-Dollar drücke in der Regel die Rohstoffpreise, da er ein Investment für Anleger aus dem Nicht-Dollar-Raum teurer mache. Unterstützt worden seien die anziehenden Notierungen Hansen zufolge außerdem durch die Anhebung der Ölpreisprognosen einiger Investmentbanken, aber auch durch die ungewöhnlichen Wetterbedingungen mit ihren Auswirkungen für die Ernten in China, Europa und den USA.
Das ganz große Thema seien nach wie vor die Edelmetalle. Der Silberpreis habe sich nach dem rapiden Absturz von knapp 50 auf rund 32 US-Dollar je Feinunze wieder etwas erholen können, Anfang Juni notiere Silber bei 38 US-Dollar. "Bei physisch hinterlegtem Silber kam es in der zweiten Woche in Folge zu hohen Zuflüssen", melde ETF Securities mit Blick auf die vergangene Woche. "Problematisch sind bei Silber allerdings die starken täglichen Preisschwankungen. Investoren, die sich mit Silber bereits die Finger verbrannt haben, zögern daher noch vor einem Wiedereinstieg", räume Hansen ein.
Der Goldpreis habe unterdessen einen neuen Rekordstand erreicht - allerdings in Euro. In US-Dollar verharre das Edelmetall immer noch unter dem historischen Hoch, heute müssten 1.533 US-Dollar je Feinunze gezahlt werden. Vielen ETC-Investoren werde die Sache aber offenbar langsam zu heiß: "Beim ETFS Physical Gold kam es zu Gewinnmitnahmen", berichte Bernardus Roelofs von Flow Traders (ETC - Physical auf Gold [ETFS Metal Securities Ltd]), bei Xetra-Gold (Xetra-Gold ETC auf Gold [Deutsche Börse Commodities GmbH]) hätten allerdings noch die Zuflüsse überwogen. "Es ist interessant, dass es ausschließlich in Europa zu den Abflüssen aus börsengehandelten Gold-Produkten kam. In den USA hielten sich Zu- und Abflüsse in Gold-ETC die Waage", bemerke ETF Securities.
Daneben würden sich Investoren auch gerne wieder Kupfer in Form des ETFS Copper (ETC auf DJ-UBS Copper TR [ETFS Commodity Securities Ltd]) ins Portfolio legen. Laut ETF Securities habe es in der vergangenen Woche hohe Zuflüsse gegeben. Dessen Analysten würden die sinkenden Lagerbestände in China, Angebotsausfälle aufgrund von Streiks in chilenischen Kupferminen und die Erwartung, dass die Kupferimporte Chinas wieder anziehen würden, als Gründe nennen. Durch den jüngsten Preisanstieg sei der ETC mit einem Plus von 4,6 Prozent auf Sicht von einem Monat wieder in die Gewinnzone gerutscht, auf Sicht von drei Monaten seien aber noch Verluste von gut 10 Prozent zu verzeichnen.
Seit dem vergangenen Freitag könnten Anleger übrigens erstmals an der Entwicklung der Rhodium-Preise teilhaben. Die Deutsche Bank biete jetzt einen physisch hinterlegten ETC auf das seltene Edelmetall (Physical ETC auf Physical Rhodium (EUR) [DB ETC plc]) an, das vor allem in Fahrzeugkatalysatoren Einsatz finde. Innerhalb etwa einer Woche vor Emission sei der Preis für Rhodium um rund 400 US-Dollar auf 2.450 gestiegen, liege allerdings immer noch weit unter seinem Stand vom Frühling 2008 bei über 10.000 US-Dollar je Unze.
Daneben hätten die Bäcker wieder einen guten Vorwand, um die Brötchenpreise anzuheben: Der Preis für Weizen sei aufgrund der Trockenheit in Europa und der starken Regenfälle in Teilen der USA nämlich Mitte Mai in die Höhe geschnellt. Aus Russland sei zuletzt allerdings die Nachricht gekommen, dass der Weizenexport womöglich wieder aufgenommen werde, wie die Saxo Bank bemerke. "Da die Regierung davon ausgeht, dass die kommende Ernte rund 40 Prozent höher als letztes Jahr ausfallen wird, müssen die Lager frei geräumt werden", erkläre Hansen.
Flow Traders zufolge sei die vergangene Woche daher eher von Abgaben bei Weizen-ETCs (ETC auf DJ-UBS Wheat TR [ETFS Commodity Securities Ltd]) geprägt gewesen. Große Freude hätten die ETCs Investoren in den vergangenen Monaten ohnehin nicht gemacht: Auf Sicht von drei Monaten verzeichne der ETFS Wheat eine Minusrendite. Im Vergleich mit dem Juni des vergangenen Jahres könne er aber mit einem Plus von fast 20 Prozent aufwarten.
Der Ölpreis habe zuletzt zwar wieder etwas zugelegt, vor allem für die Sorte Brent, die aktuell wieder zu knapp 117 US-Dollar je Barrel nach unter 110 US-Dollar zu Monatsanfang gehandelt werde. Beim ETFS Brent Oil (ETC auf Brent Crude Rohöl ICE [ETFS Oil Securities Ltd]) und dem ETFS WTI Oil (ETC auf WTI Rohöl NYMEX [ETFS Oil Securities Ltd]) habe es in der vergangenen Woche allerdings Abflüsse gegeben, wie ETF Securities melde. Hintergrund seien die auf eine Abschwächung hindeutenden jüngsten Konjunkturzahlen, aber auch die Tatsache, dass die Unruhen in Nordafrika und dem Mittleren Osten nicht mehr so im Fokus stünden.
Der ETFS Brent Oil gehöre dem Emittenten zufolge mit einem Plus von 21 Prozent allerdings nach wie vor zu den Top-Performern in diesem Jahr - noch vor dem ETFS Physical Silver. Bei Erdgas-Produkten hätten zuletzt die Abgaben überwogen, wie Flow Traders ergänze. Sowohl beim ETFS Natural Gas (ETC auf DJ-UBS Natural Gas TR [ETFS Commodity Securities Ltd]) als auch beim gehebelten ETFS Leveraged Natural Gas DJ-UBSCI (ETC auf DJ-UBS Natural Gas ER [ETFS Commodity Securities Ltd]) seien Investoren tendenziell ausgestiegen.
Die Rohstoffpreise seien zwar hoch, so hoch aber auch wieder nicht, merke die Commerzbank im Übrigen an. Auf realer Basis, also kaufkraftbereinigt, ergebe sich den Analysten zufolge ein ganz anderes Bild: "So liegen die realen Rohstoffpreise in US-Dollar etwa auf dem Niveau von Mitte der 1980er Jahre und nur halb so hoch wie in den 1970er Jahren." Ende des 19. Jahrhunderts seien die Rohstoffpreise kaufkraftbereinigt etwa dreimal so hoch wie jetzt gewesen, wie der Economist Commodity Price Index anzeige. "Das heißt, die jetzigen Emerging Markets müssen für ihre Industrialisierung relativ weniger für Rohstoffe ausgeben." Das Niveau der Rohstoffpreise sei daher nicht das Problem, problematisch werde es erst, wenn der Anstieg zu rasch erfolge und dadurch mehr Kaufkraft absorbiert werde, als durch das Wirtschaftswachstum gewonnen werden könne. (01.06.2011/zc/a/a)