PARIS (dpa-AFX) - Der französische Medien- und Telekomkonzern Vivendi hat inmitten der Suche nach seiner künftigen Strategie einen Gewinneinbruch erlitten. Schuld daran waren im zweiten Quartal der Preisdruck im heimischen Mobilfunkgeschäft und die rückläufige Nachfrage für das Onlinespiel World of Warcraft. Vivendi setzt nun im zweiten Halbjahr auf ein Sparprogramm beim Mobilfunk und auf Fortsetzungen erfolgreicher Videospielserien. Mit Veröffentlichung der Quartalsbilanz bekräftigte der Konzern am Donnerstag auch seine Jahresziele. Beim geplanten Konzernumbau indes will sich Vivendi immer noch nicht in die Karten sehen lassen.
Eine "klare Aufspaltung" des Konzerns sei derzeit keine Option, hieß es vom Vorstand. Alle Möglichkeiten, die mit dem Wert für die Aktionäre in Einklang zu bringen sind, würden aber erwogen, hieß es wenig konkret. Analysten und Anleger hatten sich eigentlich handfeste Aussagen zur künftigen Ausrichtung erhofft, nachdem der damalige Chef Jean-Bernard Levy Ende Juni gegangen war. Investoren waren vom Aktienkurs des Unternehmens enttäuscht und hatten wiederholt Umstrukturierungen von Levy gefordert, der wegen "strategischer Divergenzen" gehen musste.
AKTIE STEIGT KRÄFTIG
Der auf die Aktionäre entfallende Überschuss stürzte im zweiten Quartal um 44 Prozent auf 463 Millionen Euro ab, während der Umsatz mit einem Minus von 1,5 Prozent auf 6,97 Milliarden Euro annähernd stabil blieb. Der bereinigte Gewinn sank von 884 Millionen auf 706 Millionen Euro. Analysten hatten indes mit einem stärkeren Rückgang gerechnet. Auf diese Kenngröße stellt Vivendi seine Jahresprognose ab, hier wollen die Franzosen im Gesamtjahr weiterhin mehr als 2,5 Milliarden Euro erzielen. An der Börse sorgte der Ausblick offenbar für Kauflaune: Die Aktie zählte mit einem Plus von 3,74 Prozent auf 15,675 Euro zu den größten Gewinnern im Eurostoxx-50.
Teil der Spekulationen um einen Umbau ist auch die Spielesparte Activision Blizzard. Diese hatte zwar mit der Veröffentlichung des PC-Spiels Diablo 3 einen Kassenschlager samt Verkaufsrekord gelandet, der Großteil der Umsätze und Gewinne wird aber erst in den kommenden Quartalen verbucht. Zudem sank die Zahl der Spieler des seit Ende 2004 laufenden Online-Rollenspiels World of Warcraft. Insgesamt brach der operative Gewinn in der Sparte um mehr als die Hälfte auf 177 Millionen Euro ein. Neues zu den Mitte Juli bekannt gewordenen Verkaufsplänen für die Sparte gab es nicht. Vorstandschef Jean-Francois Dubos sagte lediglich, Vivendi werde zu passender Zeit zur notwendigen Veränderung der Gruppe Stellung nehmen.
PREISDRUCK IM MOBILFUNK
Vivendi hält 61 Prozent an den US-Amerikanern. Der Anteil hat einen Marktwert von rund 8,2 Milliarden US-Dollar (6,7 Mrd Euro). Die Suche nach einem finanziell potenten Käufer gilt aber nicht nur wegen des Preises als schwierig. Activision Blizzard kämpft wie andere etablierte Spieler in der Branche mit dem Erstarken der Hersteller von Mobil- und Onlinespielen.
Im heimischen Mobilfunkgeschäft setzte den Franzosen der Preisdruck arg zu. Der Umsatz schrumpfte um knapp sechs Prozent. Bis zum Jahr 2014 will Vivendi das Geschäft nun auf Effizienz trimmen und damit jährlich rund 500 Millionen Euro einsparen. Ob dazu auch ein Stellenabbau gehört, war zunächst unklar. Im Musikgeschäft sorgten ein Plus beim Verkauf digitaler Musik und höhere Lizenzerlöse für steigende Umsätze und einen stabilen Gewinn.
WARTEN AUF NEUES 'CALL OF DUTY'
Neben dem Mobilfunk- sowie dem Computer- und Videospielgeschäft steckt Vivendi auch hinter dem Musikverlag Universal Music Group und dem Bezahlfernsehanbieter Canal plus. Zum Jahresende steht mit der Fortsetzung der Videospiel-Serie Call of Duty ein wichtiger Erlösbringer für den Konzern in den Startlöchern. Die Vorgänger hatten sich in der Vergangenheit stets blendend verkauft und Umsatz-Rekorde in der Branche aufgestellt. Daher schraubte Vivendi sein Gewinnziel für die Sparte trotz des eher mauen ersten Halbjahres von mehr als 750 Millionen auf rund 800 Millionen Euro herauf./stb/she/fbr