HAGEN (dpa-AFX) - Die Schwäche der Buch-Tochter Thalia hat den Handelskonzern Douglas (Douglas Holding Aktie) in die roten Zahlen gedrückt. In den ersten neun Monaten des Ende September auslaufenden Geschäftsjahres 2011/12 summierte sich der Fehlbetrag im Konzern auf über 70 Millionen Euro. Auch im Gesamtjahr wird ein Verlust in den Büchern erwartet. Die Aktionäre werden deshalb in diesem Jahr voraussichtlich auf eine Dividende verzichten müssen, wie Douglas am Mittwoch in Hagen noch einmal bekräftigte. Die im MDax (MDAX) notierte Aktie verlor bis zum Mittag 0,62 Prozent auf 33,75 Euro, schlug sich aber besser als der Gesamtmarkt.
Der Handelskonzern ist vor allem durch seine gleichnamigen Parfümerien bekannt. Er vertreibt aber auch Schmuck (Christ), Mode (AppelrathCüpper) und Süßwaren (Hussel). Mit der Kette Thalia ist Douglas zugleich einer der größten Buchhändler des Landes mit rund 300 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Viele davon liegen in teuren Innenstadtlagen. Da aber immer mehr Verbraucher Bücher im Internet ordern, verliert Thalia Umsatz an Onlinegrößen wie Amazon. Douglas baut die Kette deshalb um, vermietet Flächen unter und peppt die Sortimente mit Geschenkartikeln oder Spielwaren auf. Einige Filialen wird Douglas auch schließen müssen. Vier sind bislang identifiziert, weitere könnten folgen.
"Die Neuausrichtung von Thalia kommt gut voran und liegt derzeit im Rahmen unserer Erwartungen", sagte Douglas-Chef Henning Kreke laut Mitteilung. Für die Sanierung hatte Douglas bereits im zweiten Quartal einen Aufwand von 36 Millionen Euro verbucht, hinzu kamen Abschreibungen in Höhe von fast 130 Millionen Euro. Um online den Anschluss nicht zu verpassen, versucht Douglas Thalia wie auch seine anderen Töchter stärker an den Handel im Internet anzubinden. Bislang kommen rund sieben Prozent des Konzernumsatzes aus dem Internet.
Von Oktober bis Juni steigerte Douglas seine Erlöse um 1,8 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran hatten die Parfümerien, die vor allem in Deutschland zulegten, während die Schuldenkrise das Geschäft in Südeuropa bremste. Gut entwickelten sich auch die Christ-Geschäfte und die Hussel-Läden. AppelrathCüpper hatte hingegen mit den Wetterkapriolen zu kämpfen und büßte sowohl Umsatz als auch Gewinn ein. Im Gesamtkonzern verdiente Douglas operativ (EBITDA) mit 167,9 Millionen Euro rund 30 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch bereinigt um Restrukturierungskosten und Abschreibungen ergab sich ein Rückgang. Analysten beschrieben die Zahlen als etwas schlechter als erwartet.
Für das Gesamtjahr 2011/12 stellt Douglas ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von gut 200 Millionen Euro (Vorjahr: 292,9) in Aussicht. Der Umsatz soll leicht auf über 3,4 Milliarden Euro steigen.
Um Douglas ranken sich seit Monaten viele Gerüchte. Losgetreten wurden sie, nachdem öffentlich geworden war, dass die Douglas-Gründerfamilie Kreke die Nähe zu Finanzinvestoren sucht, um ihren Anteil auszubauen und den Konzern von der Börse zu nehmen. Derzeit halten die Krekes nach wie vor 12,7 Prozent der Anteile und sind zweitgrößter Aktionär. Dicht dahinter folgt der konkurrierende Drogerieunternehmer Erwin Müller mit 10,8 Prozent. Wie im Februar bekanntwurde, hat sich Müller über Optionsgeschäfte die Möglichkeit gesichert, seinen Anteil auf über 25 Prozent auszubauen. Viele Verfallstermine sind bislang allerdings ungenutzt verstrichen. Größter Douglas-Anteilseigner ist weiterhin die Oetker-Gruppe mit 25,8 Prozent./she/stw/wiz