ROUNDUP: Deutsche Produktion überrascht selbst Optimisten - 3,3 Prozent Wachstum

WIESBADEN (dpa-AFX) - Die deutsche Wirtschaft hat mit einem überraschend starken Start ins neue Jahr selbst die Erwartungen der größten Optimisten übertroffen. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, lag die Gesamtproduktion des verarbeitenden Gewerbes im Januar 3,3 Prozent über dem Stand vom Dezember. Das ist der höchste Zuwachs seit September 2009. Die schlimmsten Sorgen um die deutsche Konjunktur werden dadurch gedämpft. Experten zweifeln allerdings daran, dass die positive Überraschung einen dauerhaften Trend signalisiert.

Das Wachstum war viel größer als von Bankökonomen erwartet. Sie hatten im Mittel nur ein Plus von 0,5 Prozent prognostiziert. Selbst die größten Optimisten hatten nur bis zu 2,0 Prozent erwartet. Darüber hinaus wurde das Ergebnis vom Dezember besser ausgewiesen als bisher bekannt. Anstatt eines Rückgangs um 1,2 Prozent ergibt sich nach korrigierten Daten ein Minus von nur noch 0,3 Prozent.

'SEHR GUTER START INS NEUE JAHR'

Das Wachstum zieht sich durch alle Sektoren. Im enger gefassten Industriesektor erhöhte sich die Produktion um 3,2 Prozent. Noch kräftiger stieg die Aktivität am Bau, wo sie sich um 7,0 Prozent ausweitete. Der Energiesektor trat allerdings mit plus 0,1 Prozent faktisch auf der Stelle.

"Das produzierende Gewerbe ist nach der Schwächephase im zweiten Halbjahr 2015 sehr gut in das neue Jahr gestartet", kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium die Zahlen.

WARNUNG VOR ZU VIEL EUPHORIE

Trotz der robusten Zahlen warnen Experten aber vor zu viel Euphorie mit Blick nach vorn. Ökonomen der Bayerischen Landesbank sprechen zwar von einer "deutlich positiven Überraschung", sehen zugleich aber auch gegenläufige Signale. "Die harten Konjunkturdaten widersprechen damit bislang der schwachen Entwicklung der Unternehmensstimmung seit Jahresbeginn", lautet die Einschätzung der Experten.

Vor allem Börsenturbulenzen und Schwächesignale aus China hatten die Stimmung zuletzt getrübt. Das Ifo-Geschäftsklima war im Februar zum dritten Mal in Folge gefallen.

'KURZFRISTIGER EFFEKT' - GEGENLÄUFIGE KONJUNKTURDATEN

Ralph Solveen, Ökonom bei der Commerzbank (Commerzbank Aktie), führt insbesondere den starken Zuwachs am Bau zum großen Teil auf die Witterung zurück. Das Klima war im Monat Januar in Deutschland außergewöhnlich mild ausgefallen, was die Arbeit auf Baustellen begünstigt. Das wäre ein nur kurzfristiger Effekt. "Folglich dürfte die Produktion bald wieder deutlich niedriger ausfallen", schätzt der Experte.

Auch Carsten Brzeski, Ökonom bei der Bank Ing-Diba, interpretiert die Zahlen nicht allzu euphorisch. "Die Daten sollten zwar die schlimmsten Sorgen um das Rückgrat der deutschen Wirtschaft beschwichtigt haben", sagte der Experte. "Allerdings sind die aktuellen Daten fast zu schön um wahr zu sein." Neben den eher schlechten Stimmungsdaten sprächen auch die immer noch nicht prall gefüllten Auftragsbücher der Unternehmen gegen zu viel Optimismus./tos/bgf/stb

Quelle: dpa-AFX