FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach mehreren positiven Handelstagen haben Gewinnmitnahmen den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag ins Minus gedrückt. Als Belastungsfaktoren sahen Börsianer schwache Daten aus China und die zunehmende Skepsis über eine weitere Lockerung der Geldpolitik in den USA und anderswo. Die jüngsten Aussagen der US-Notenbank hätten enttäuscht. Dies belastete auch die Wall Street sowie die asiatischen Börsen und sorgte so für negative Vorgaben. Im frühen Handel gab der Dax (DAX) um 0,83 Prozent auf 6.339,13 Punkte nach. Für den MDax (MDAX) ging es um 0,67 Prozent auf 10.334,09 Punkte nach unten und der TecDax (TecDAX (Performance)) verlor 0,68 Prozent auf 742,99 Punkte.
Die US-Notenbank hatte am Mittwochabend mitgeteilt, zur Stützung der schwächelnden Konjunktur ihre "Operation Twist" auszuweiten. Ein eigentlich bis Ende Juni befristeter Anleihen-Tausch werde bis zum Ende des Jahres fortgesetzt, hieß es. Notenbankchef Ben Bernanke machte zudem klar, dass man angesichts der eingetrübten Konjunkturaussichten zu einer erneuten quantitativen Lockerung (QE3) bereit sei. Marktstratege David Buik von BGC Partners monierte allerdings, "dass ein Twist vielleicht nicht ausreichen wird". Bernankes recht vage Aussagen zu einer möglicherweise expansiveren Geldpolitik könnten zu wenig sein und auch zu spät kommen, um die Anleger zu beruhigen.
Zudem warnten die Experten der VP Bank mit Blick auf enttäuschenden Einkaufsmanager-Daten aus China, es sei zweifelhaft, "ob geldpolitische Lockerungen der chinesischen Notenbank im derzeitigen Umfeld überhaupt die gewünschten Erfolge bringen". Letztlich sei auch die chinesische Notenbank "der Rezession in der Eurozone machtlos ausgeliefert". Entsprechend richteten sich die Blicke der Anleger auch in der Eurozone auf die Einkaufsmanager-Indizes. Diese fielen in Frankreich zwar besser als erwartet aus, blieben aber unter der Schwelle von 50 Prozent, die eine Expansion anzeigt. In Deutschland war die Entwicklung nur durchwachsen. Am späteren Vormittag versteigert Spanien neue Anleihen, und am Nachmittag könnten noch US-Daten wie etwa zum Verbrauchervertrauen Impulse geben.
THYSSENKRUPP SCHWACH TROTZ INTERESSENTEN FÜR BRASILIEN-WERK
Auf Unternehmensseite war die Nachrichtenlage überschaubar: Die ThyssenKrupp-Titel litten unter den verschlechterten Konjunkturperspektiven und verloren 1,91 Prozent auf 12,590 Euro, obwohl es laut einem Bericht mit den beiden größten chinesischen Stahlkonzerne Hebei und Baosteel weitere Interessenten für ein Stahlwerk in Brasilien gibt. Zu Wochenbeginn hatte schon der brasilianische Stahlkonzerne CSN Interesse gezeigt, und auch dem schon beteiligten brasilianischen Rohstoffkonzern Vale wurde Interesse nachgesagt.
Der gescheiterten Verkauf der Vermögensverwaltung sorgte bei der Deutschen Bank für Kursverluste von 1,23 Prozent. Deutschlands Branchenprimus und das US-Finanzunternehmen Guggenheim Partners wurden sich in den Verhandlungen über das globale Vermögensverwaltungsgeschäft für alternative Anlagen (RREEF) nicht einig. "Das ist leicht negativ für die Aktie", urteilte ein Händler.
SMA SOLAR SEHR SCHWACH - US-KONKURRENT GREIFT AN
Im TecDax büßten SMA Solar gut zweieinhalb Prozent ein. Laut "Handelsblatt" greift Power One aus den USA den deutschen Weltmarktführer bei Wechselrichtern an und will ihm Marktanteile abjagen. Der Preisverfall bei den Solar-Bauteilen sei indes geringer als bei Solarmodulen. Einem Börsianer zufolge ist Power One bereits vor allem mit einer aggressiven Preispolitik in den Markt von SMA eingedrungen. Auch die Indien-Pläne des US-Konzerns seien negativ für SMA.
Dagegen gewannen die Aktien von Tom Tailor nach einer angekündigten Übernahme mehr als vier Prozent hinzu. Der im SDax (SDAX) notierte Freizeitmode-Spezialist übernimmt den Hersteller Bonita. Der Kaufpreis liegt den Angaben zufolge bei rund 220 Millionen Euro und setzt sich aus einer Barvergütung von 150 Millionen Euro und Aktien zusammen. Ein Händler äußerte sich etwas kritisch: "Für Tom Tailor mit einer Marktkapitalisierung von rund 190 Millionen Euro ist das ein ziemlich großer Zukauf. "Der Preis erscheine zwar angesichts der besseren Profitabilität von Bonita nicht zu hoch. "Die Märkte bezweifeln aber, dass Tom Tailor so eine Übernahme locker stemmen kann."/gl/rum