FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach der positiven Entwicklung vom Vortag ist der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag postwendend im Minus gestartet. Im Sog schwacher Vorgaben aus Übersee verlor der Dax (DAX) im frühen Handel 0,60 Prozent auf 7.346,43 Punkte. Als Belastung wurde am Markt vor allem auf schwache Konjunktursignale aus Asien verwiesen. Dann aber sorgten die deutschen Einkaufsmanagerindizes dafür, dass die Börse ihre frühen Verluste etwas begrenzen konnte. Der MDax gab zuletzt um 0,30 Prozent auf 11.089,68 Punkte nach, und der TecDax verlor 0,24 Prozent auf 810,62 Punkte.
Laut Marktexperte Roger Peeters von Close Brothers Seydler Research haben Einkaufsmanagerindizes aus China auf eine Verlangsamung des so wichtigen chinesischen Wachstums im dritten Quartal hingedeutet. Zudem galt es mit einer Enttäuschung in Frankreich und einer positiven Überraschung in Deutschland die jüngsten Einkaufsmanagerdaten aus Europa abzuwägen. Denn die Wirtschaftsstimmung im Euroraum insgesamt hat sich im September unerwartet weiter eingetrübt. Nach den deutschen Daten konnte der Dax sein frühes Minus von bis zu einem Prozent reduzieren. Im Handelsverlauf könnten eine Auktion spanischer Staatsanleihen sowie Konjunkturdaten aus den USA für neue Impulse sorgen.
LUFTHANSA AN DAX-SPITZE
Zu den größten Gewinnern im Dax (DAX) zählten die Lufthansa-Aktien mit einem Anstieg um 1,48 Prozent auf 10,94 Euro. Die Fluggesellschaft will zum Jahreswechsel ihre umstrittenen Pläne für eine konzerninterne Billigfluglinie durchziehen. Außerdem will die Fluggesellschaft das Fracht-Drehkreuz in Frankfurt trotz des Nachtflugverbots mit einem neuen Logistikzentrum stärken.
Ansonsten tendierten die defensiv eingeschätzten Gesundheitswerte von Fresenius und Fresenius Medical Care mit Kursgewinnen von bis zu 0,75 Prozent freundlich. Am Indexende dagegen versammelten sich die konjunktursensiblen Industrieaktien: Titel der Autohersteller Daimler und BMW verloren 1,16 und 1,54 Prozent. ThyssenKrupp büßten im schwachen europäischen Stahlsektor als Schlusslicht 1,63 Prozent ein. Zudem scheine der Verkauf der Edelstahltochter Inoxum an Outokumpu etwas zu haken, meinte ein Händler.
DEUTSCHE BANK VERKAUFT BHF
Aus dem Bankensektor büßten die Commerzbank-Aktien 1,54 Prozent ein. Titel der Deutschen Bank verloren dagegen nur ein halbes Prozent. Das führende deutsche Bankhaus hat einen Käufer für seine Tochter BHF-Bank gefunden: Der in Belgien ansässige Finanzdienstleister RHJ will 384 Millionen Euro für das Traditionsinstitut zahlen. Einem Börsianer zufolge ist dies leicht positiv zu sehen: "Der Verkauf ist immer wieder Thema, scheint nun aber zu einem Ende zu kommen", so der Händler.
Im MDax (MDAX) profitierten die Aktien von Sky Deutschland mit plus 2,14 Prozent auf 2,915 Euro von einer positiven Analystenstimme. Kabel Deutschland stiegen ebenfalls um etwas mehr als zwei Prozent: Händler verwiesen auf eine Übernahme in dem Sektor, die für Fantasie sorge. Liberty Global bietet 1,96 Milliarden Euro für die bisher noch nicht in ihrem Besitz befindlichen rund 50 Prozent an der belgischen Telenet Group./tih/rum