FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Hoffnung auf einen erfreulichen US-Arbeitsmarktbericht hat den deutschen Aktienmarkt am Freitag gestützt. Der Dax (DAX) legte um 0,28 Prozent zu auf 7.325,72 Punkte. Die bisherige Wochenbilanz ist mit rund 1,5 Prozent Plus positiv. Der MDax (MDAX) mittelgroßer Werte stieg um 0,18 Prozent auf 11.260,23 Punkte und war damit nur noch circa 10 Punkte von seinem Jahreshoch entfernt. Für den TecDax (TecDAX (Performance)) ging es um 0,42 Prozent auf 824,75 Punkte nach oben.
Die bereits am Mittwoch vom Dienstleister ADP veröffentlichten US-Beschäftigungsdaten sorgen mit Blick auf den heutigen Arbeitsmarktbericht für September für etwas Optimismus, sagten Börsianer. "So richtig aus der Deckung wird sich vor der Veröffentlichung der amerikanischen Arbeitsmarktdaten um 14.30 Uhr aber kaum jemand wagen wollen", schrieb Investmentanalyst Werner Bader von der Landesbank Baden-Württemberg. Selbst die in der Mittagszeit anstehenden und für die deutsche Konjunkturbeurteilung nicht ganz unwichtigen Auftragseingänge der Industrie würden daran nichts ändern. Darüber hinaus bleibt Spanien im Fokus, und die Frage, ob und wann das Land offiziell um Finanzhilfen beim EU-Rettungsfonds bittet.
AUTOWERTE PROFITIEREN WEITER VON CHINA
Zu den Favoriten im Dax zählten die Papiere der Autobauer Daimler, Volkswagen (VW) und BMW. Mit Gewinnen von bis zu 1,44 Prozent profitierten sie wie schon am Vortag von guten Absatzzahlen aus China.
Europas größter Autobauer VW stellt sich zugleich auf einen Nachfrageeinbruch in der Heimatregion ein und schichtet dazu die Produktion um. Zudem nutzt Volkswagen den alten Golf als Preisbrecher im Kampf um die Kunden und korrigiert den geplanten Absatz für 2012 leicht nach unten. "Die Probleme in Europa treffen uns besonders beim Passat, der gerade bei Geschäftskunden gefragt ist. Viele Flottenkunden schieben ihre Bestellungen auf", sagte Volkswagens Betriebsratschef Bernd Osterloh dem "Handelsblatt". "Wir reagieren darauf, indem wir Schichten herausnehmen." Ein Börsianer sah allerdings keinen Kurseinfluss. Es wäre keine Überraschung, wenn VW das interne Absatzziel verfehlt, und auch "nur" 9,4 oder 9,5 Millionen Fahrzeuge würden das Vorjahresniveau noch deutlich übertrumpfen.
SGL WILL IN CHINA GRAPHITELEKTRODEN PRODUZIEREN
Die positive Stimmung gegenüber Automobilaktien zeigt sich auch im MDax, an dessen Spitze die Titel des Zulieferers SGL Group 1,31 Prozent auf 31,27 Euro gewannen. Der Karbonhersteller will nun auch in China Grafitelektroden produzieren. "Wir stehen kurz davor, in China eine Grafitelektrodenfertigung auf die Beine zu stellen", sagte Vorstandschef Robert Koehler dem "Handelsblatt". Dazu will SGL eine Partnerschaft mit einem lokalen Produzenten eingehen. Diese Elektroden verkauft der Konzern an Metallproduzenten, die damit Stahl und Aluminium herstellen. Ein Börsianer stufte die Meldung als interessant ein, auch wenn der Unternehmenschef bereits früher Produktionspläne in China geäußert habe. China sei nach dem Fertigungsbeginn in Malaysia der einzige weiße Fleck, und die anhaltende Industrialisierung dürfte für starke Nachfrage sorgen. Die Kehrseite seien allerdings weitere hohe Investitionen.
Die Aktien von Rückversicherern zählten dagegen zu den Verlierern. Nach einer negativen Studie der japanischen Investmentbank Nomura sanken Munich Re um 0,32 und Hannover Rück um 0,55 Prozent. Die Rückversicherer hätten im bisherigen Jahresverlauf eine massive positive Neubewertung erfahren, schrieb Analyst Michael Klien in einer Branchenstudie zum Versicherungssektor. Für 2013 rechnet er aber mit einem schwierigeren Umfeld und nachlassender Dynamik. Daher sieht er die Rückversicherer nun negativ, im Gegensatz zur weiter bullischen Einschätzung des Versicherungsektors insgesamt. Beide Papiere stufte der Experte auf "Reduce" ab. Bei den Papieren der Hannover Rück kam noch eine Abstufung durch das Analysehaus Kepler hinzu./la/rum