FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem Kursrutsch der vergangenen zwei Handelstage hat der Dax (DAX) am Dienstag weiter nachgegeben. Als mögliche Stütze sahen Börsianer zwar positive Daten aus China. Doch die Euro-Schuldenkrise blieb das alles beherrschende Thema. In der ersten Handelsstunde verlor der deutsche Leitindex 0,48 Prozent auf 6.388,55 Punkte - am Freitag und Montag war der Leitindex bereits insgesamt um gut fünf Prozent abgerutscht. Der MDax (MDAX) sank am Dienstagmorgen um 0,35 Prozent auf 10.390,21 Punkte. Etwas besser hielt sich der TecDax (TecDAX (Performance)), für den es um minimale 0,02 Prozent auf 745,43 Punkte hoch ging. Der Euro
In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hatte sich die Stimmung der Einkaufsmanager in der Industrie im Juli verbessert und den höchsten Wert seit fünf Monaten erreicht. Übermäßiger Optimismus erscheint allerdings fehl am Platz. Am späten Montagabend hatte die US-Ratingagentur Moody's den Ausblick für Deutschland, die Niederlande und Luxemburg auf negativ gesetzt und die Euro-Schuldenkrise damit um ein Kapitel erweitert. Diese bleibt das alles beherrschende Thema. "Die Krise hat einen neuen Schweregrad erreicht", kommentierte etwa Expertin Viola Julien von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) die aktuelle Lage. Am Markt gebe es die Sorge, dass Spanien entgegen allen Beteuerungen seiner Regierung doch noch den kompletten Rettungsschirm in Anspruch nehmen müsse. Die jüngsten Einkaufsmanager-Indizes aus Deutschland und Frankreich fielen anders als die in China mehrheitlich enttäuschend aus.
BERICHTSSAISON NIMMT FAHRT AUF
Die Vorgaben von den Übersee-Börsen gaben keine klaren Impulse. Derweil nimmt die Berichtssaison deutlich Fahrt auf: Unter anderem mit SAP und Software AG rückten zunächst Technologiewerte in den Fokus. Darüber hinaus stehen zahlreiche Konjunkturdaten wie etwa die Einkaufsmanagerindizes im Euroraum auf der Agenda.
Die SAP-Titel legten nach endgültigen Zahlen um 0,83 Prozent zu, was bereits für einen der vorderen Plätze im Dax reichte. Europas größter Softwareanbieter bestätigte die vorläufigen Geschäftszahlen für das zweite Quartal und sieht sich auf Kurs, die Jahresziele zu erreichen. Laut einem Händler enthielten die Zahlen keine Überraschungen. Manche Beobachter hatten allerdings damit gerechnet, dass SAP im Nachhall der starken Umsatzentwicklung im zweiten Quartal den Jahresausblick aufstocken würde. Dagegen büßten ThyssenKrupp auch ohne eigene Zahlen 2,19 Prozent ein. Händler verwiesen auf einen etwas enttäuschenden Umsatz des US-Konkurrenten Steel Dynamics, was auch die Aktien des deutschen Stahl- und Industriekonzerns belaste. Dazu kam eine Kurszielsenkung der britischen Investmentbank HSBC.
SOFTWARE +7% NACH ZAHLEN - KONTRON UND DIALOG SACKEN AB
Ansonsten spielte die Musik vor allem im TecDax. Dort sprangen die Aktien von SAP-Konkurrent Software AG um fast sieben Prozent hoch. Deutschlands zweitgrößter Softwarehersteller setzte im zweiten Quartal dank der starken Lizenzerlöse deutlich mehr um als von Experten erwartet. Ein Händler bewertete dies positiv: "Die besser als erwartet ausgefallenen Lizenzerlöse sollten der Aktie für eine überdurchschnittliche Kursentwicklung reichen." Zudem hätten die Gewinnkennziffern mehr oder weniger die Konsensschätzungen getroffen. Auch bei Analysten stießen die Zahlen auf ein positives Echo. Das Diagnostik- und Biotechunternehmen Stratec Biomedical profitiert derweil weiter von einer hohen Nachfrage nach bereits etablierten Produkten, was die Aktien mit einem Plus von gut einem Prozent honorierten.
Dagegen reagierten die Anteilsscheine von Kontron mit einem Kursrutsch von knapp elf Prozent auf enttäuschende Zahlen und einen gesenkten Ausblick. Der Minicomputer-Hersteller hatte seine Prognose für das laufende Jahr kassiert. Die Zahlen für das zweite Quartal nannten Händler ebenso eine Enttäuschung wie den Ausblick. Vor allem der Gewinnrückgang sei deutlicher ausgefallen als erwartet. Equinet strich die Kaufempfehlung und stellte die Papiere unter Beobachtung.
Bei Dialog Semiconductor sorgten die Quartalszahlen für ebenfalls deutliche Verluste von 6,66 Prozent. Der Halbleiterhersteller steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel und die Bruttomarge um 0,6 Prozentpunkte. Börsianer sprachen aber von gemischten Zahlen. Den knapp verfehlten Umsatzerwartungen stehe zwar die etwas stärker als erwartet gestiegene Bruttomarge gegenüber. Dass Dialog im dritten Quartal den Umsatz auf 170 bis 180 Millionen US-Dollar steigern wolle, könnte indes enttäuschen, da der Markt von 190 Millionen Dollar ausgehe./gl/ag