(Neu: Interview-Aussagen, aktualisierter Kurs, Analystenstimmen)
DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Der Kranbauer Demag Cranes (Profil) hat im ersten Quartal seines neuen Geschäftsjahres erwartungsgemäß weiter schwer unter der Flaute des Welthandels gelitten. "Wir verzeichnen Stabilisierungstendenzen auf immer noch niedrigem Niveau. Ein Ende der schwachen Nachfrage in vielen wichtigen Märkten ist aber weiterhin noch nicht absehbar", sagte Vorstandschef Aloysius Rauen am Dienstag in Düsseldorf. In der Zeit zwischen Oktober und Dezember sank der Gewinn um rund drei Viertel auf 4,4 Millionen Euro, der Umsatz um fast ein Drittel auf 208,6 Millionen. Der für Industrieunternehmen wichtige Auftragseingang gab ebenfalls um rund ein Drittel nach. An der Börse pendelten die Demag-Aktien um den Vortagesschluss und waren am Nachmittag mit einem Minus von 0,09 Prozent auf 23,48 Euro kaum verändert.
Die Umsätze und auch der Auftragseingang verfehlten einem Börsianer zufolge die Erwartungen leicht. Das operative Ergebnis und der Überschuss seien dagegen "Punktlandungen". Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel sieht die Zahlen im Rahmen der Erwartungen, ebenso sein Kollege Jörg-Andre Finke von Kepler. Peter Rothenaicher von Unicredit, sprach von "soliden Zahlen" und rät weiterhin zum Kauf der Titel.
PROGNOSE STEHT
Der Kranbauer hält wegen der anhaltenden Unsicherheit an seiner bisherigen Prognose für das Gesamtjahr fest und rechnet mit einem rückläufigen Umsatz und einer operativen EBIT-Marge im mittleren einstelligen Prozentbereich. Mit einer raschen Erholung rechnet Rauen, dessen Unternehmen erst mit Verzögerung von der Flaute im Welthandel getroffen wurde, immer noch nicht. "Wir merken die Konjunkturentwicklungen immer mit sechs bis zwölf Monaten Verspätung. Die Krise wird wie erwartet länger dauern, davon gehen wir aus. Das lässt mich aber nicht unruhig schlafen", sagte Rauen dpa-AFX.
Bei den Industriekränen brachen die Auftragseingänge im Jahresvergleich um gut 40 Prozent ein. In diesem spätzyklischen Geschäft mit langen Produktionszeiten schlägt die Nachfrageflaute voll durch. Kunden investierten laut Demag im ersten Geschäftsquartal weiter vorsichtig. Zum Vorquartal gab es immerhin ein Plus bei den Aufträgen - ob dieser Trend nachhaltig ist, sei aber noch nicht zu erkennen. Auch im Service-Geschäft müsse sich noch zeigen, ob die leicht verbesserte Auftragslage von Dauer sei. Im Hafengeschäft brachen die Neuaufträge um ein Viertel und der Umsatz um gut 40 Prozent ein. Alle drei Segmente schrieben aber operativ schwarze Zahlen.
INTEGRATION
Fortschritte machte der Konzern bei seiner Integration. So sollen beispielsweise der Abbau von Doppelstrukturen im Vertrieb, Rechnungswesen oder der IT in den nächsten Wochen abgeschlossen werden. Im Frühjahr sollen die neuen Strukturen stehen. "Bei der Integration sind wir voll im Zeitplan, auch mit den Kosten", sagte Rauen. "Wir haben dafür einen Aufwand von circa 50 Millionen Euro gebucht und wollen damit 60 Millionen Euro jährlich einsparen." Wenn Demag im Aufschwung wieder mehr Mitarbeiter einstellt, werde die Summe natürlich kleiner ausfallen.
Demag Cranes ist der weltgrößte Hersteller von Hafenmobilkränen, die Container an Land bewegen. Die Flaute der weltweiten Hafen- und Schiffslogistik in der Wirtschaftskrise macht diesem Geschäft sehr zu schaffen. Zu Beginn der Krise hatten dem Unternehmen noch die vollen Auftragsbücher aus den Boomjahren geholfen./stb/gr/tw