BONN (dpa-AFX) - Die Deutsche Telekom (Deutsche Telekom Aktie) hat ihren Gewinnrückgang in erster Linie dank des US-Geschäftes gestoppt. In der amerikanischen Mobilfunksparte, lange Zeit ein Sorgenkind, konnte die Telekom die Kosten im zweiten Quartal stark herunter fahren, indem sie beispielsweise die teure Subventionierung von Smartphones zurückfuhr. Entgegen kam ihr der starke Dollar, der Umsatz und Gewinn in Euro umgerechnet, anschwellen ließ. Das im Dax (DAX) notierte Unternehmen bekräftigte am Donnerstag seine Jahres-Prognose und hatte auch für die leidgeprüften Aktionäre gute Nachrichten parat: Die Telekom erneuerte ihr Versprechen, eine Dividende von mindestens 70 Cent je Aktie zahlen zu wollen.
An der Frankfurter Börse ist der Kurs zum Mittag ins Minus gedreht. Zuletzt notierten die Papiere rund drei Prozent tiefer. Der Dax (DAX) gab zeitgleich um moderate 0,77 Prozent nach. Die Kursentwicklung steht allerdings vor dem Hintergrund, dass sich die Aktie in den vergangenen zwei Monate von etwa 7,75 Euro auf rund 9,40 Euro hochgearbeitet hatte.
GERINGERE INVESTITIONEN HEBEN GEWINN
Am Morgen waren die ersten Reaktionen auf die Zahlen durchaus positiv. Es folgten allerdings auch kritische Stimmen. Für den DZ Bank-Experten Joeri Sels stellt sich angesichts des bestätigten Ausblicks der Telekom aber die Frage, ob das Management "super-vorsichtig" sei oder für das zweite Halbjahr mit signifikant niedrigeren operativen Gewinnen rechnet. Aus seiner Sicht überwiegen die Risiken klar die Chancen, begründete er seine weiter gültige Verkaufsempfehlung.
Neben dem starken Dollar hatten auch geringere Investitionen den Gewinn gestützt. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sonderposten (bereinigtes EBITDA) blieb im Vergleich zum Vorjahresquartal konstant bei 4,7 Milliarden Euro. Am Markt war ein leichter Rückgang erwartet worden. "Natürlich gibt es weiterhin Herausforderungen für uns, aber gerade im Vergleich mit unseren Wettbewerbern schlagen wir uns sehr ordentlich", sagte Vorstandschef Rene Obermann. Obermann rechnet weiterhin damit, in diesem Jahr bei einem freien Barmittelzufluss von 6 Milliarden Euro ein bereinigtes EBITDA von rund 18 Milliarden Euro zu erzielen.
STARKER DOLLAR GLEICHT UMSATZRÜCKGANG BEINAHE AUS
Der Konzernumsatz ging leicht von 14,48 auf 14,38 Milliarden Euro zurück. Ohne den starken Dollar hätte es erheblich schlechter für die Telekom ausgesehen. Operativ in örtlichen Währungen war sie in allen Sparten (Deutschland, Europa, den USA sowie T-Systems) geschrumpft. Unterm Strich stieg der Überschuss von 348 auf 614 Millionen Euro. Hier schlug positiv zu Buche, das die Bonner eine halbe Milliarde Euro weniger für Frühverrentung ausgaben als vor einem Jahr. Dem standen allerdings hohe Abschreibungen in den USA gegenüber, welche im Vorjahresquartal nicht angefallen waren, da die Sparte an AT&T verkauft werden sollte.
Wie in den vergangenen Quartalen stützt sich die Telekom auf das solide Heimatgeschäft. Sie profitiert von niedrigen Kosten und dem Umstand, dass Deutsche bisher weniger an ihren Telefonkosten sparen als Kunden in anderen europäischen Ländern. Im angestammten Festnetzgeschäft verlor die Telekom zwar weiterhin Anschlüsse. Dafür gewinnen das Fernsehprodukt Entertain, der Mobilfunk und das Breitbandgeschäft immer mehr Kunden. Den Rückgang des wichtigen Serviceumsatzes im deutschen Mobilfunkgeschäft konnten die neuen Kunden allerdings nicht stoppen. Sie kamen in erster Linie von Wiederverkäufern und liefern nur wenig Umsatz. Entgegen kam der Telekom der Boom des mobilen Internet. Mehr als ein Viertel des Durchschnittsumsatzes pro Kunde macht sie inzwischen mit dem Datenstrom. Dank niedrigerer Kosten konnte die Telekom in der Heimat trotz des Umsatzrückgangs die operative Marge leicht auf 42 Prozent steigern. Zum bereinigten EBITDA trug das Deutschlandgeschäft exakt die Hälfte bei.
OBERMANN WILL MARKTANTEILE ZURÜCK EROBERN - INVESTITIONEN IN DEUTSCHLAND
Die Krone des Mobilfunk-Marktführers will Obermann zurückerobern. Anfang des Jahres war der weltgrößte Mobilfunker Vodafone (Vodafone Aktie) an der Telekom vorbeigezogen. "Wir werden aggressiver im Markt auftreten", sagte er. Daher wird er besonders in Deutschland im zweiten Halbjahr die Investitionen hochfahren. Auch den Ausbau des LTE-Netzes treibt er weiter voran. In 14 von 16 Bundesländern habe das Unternehmen die Ausbauverpflichtungen der Bundesnetzagentur bereits erfüllt. Inzwischen bieten die Bonner das Netz in 50 Städten an. Bis Jahresende sollen es 100 sein. Damit will Obermann sich der Konkurrenz der Kabelnetzbetreiber erwehren.
Im Europageschäft bekommen die Bonner den Konjunkturabschwung deutlich zu spüren. Sie steuern mit Kostensenkungen gegen. In Griechenland, wo sie mit dem Anbieter OTE vertreten sind, konnten sie so die operative Marge erhöhen. Insgesamt gingen in Europa aber Umsatz und Gewinn zurück.
TELEKOM KANN KUNDENVERLUST IN DEN USA NICHT BREMSEN
In den USA setzte sich der Exodus der Vertragskunden fort. Unterm Strich wendeten sich 417.000 Kunden von T-Mobile ab. Die lückenhafte Netzabdeckung im Flächenstaat USA und das Fehlen des Kulthandys iPhone hatten die Kunden in Scharen zur Konkurrenz getrieben. In dem gesättigten Markt fällt es der Telekom besonders schwer, den Kundenstrom umzudrehen. Der Umsatz ging auf Dollar-Basis zurück, angesichts des starken Dollar erscheint in Euro allerdings ein kräftiges Plus.
Seit dem Scheitern des geplanten Verkaufs des amerikanischen Geschäfts an AT&T (AT&T Aktie) müssen die Bonner nun Milliarden in den Ausbau des Netzes stecken, damit es die gigantischen Datenmengen der Smartphones verdauen kann. Nach dem Abgang von Philipp Humm versucht nun sein Nachfolger Jim Alling als US-Chef sein Glück. Ein Lichtblick ist das Geschäft mit Vorauszahlern. Als Nummer vier im dortigen Markt macht die Telekom aus der Not eine Tugend und positioniert sich als Billiganbieter. Sie drückt die Kosten und subventioniert teure Smartphones erheblich weniger als die Konkurrenz. Das schlägt sich auf kurze Sicht positiv auf den Gewinn nieder. Auf Dollar-Basis stieg der operative Gewinn um 6 Prozent, dank des starken Dollar kam in Euro ein Schub von 19 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro an. Das ist mehr als ein Fünftel des Konzern-EBITDA.
Mit der IT-Sparte T-Systems ging der Umsatz zwar leicht zurück, das Geschäft mit der Datenwolke und intelligenten Netzen nimmt aber an Fahrt auf. Zusammen mit RWE versorgt die Telekom Mülheim an der Ruhr mit digitalen Stromzählern. Mit der VW-Tochter Seat hat sie ein größeres Cloud-Projekt umgesetzt./fn/men/stk
---Von Frederik Nissen, dpa-AFX---