Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Während erfreuliche Quartalszahlen, die beruhigenden Ergebnisse des Banken-Stresstests sowie positive Konjunkturdaten die Aktienkurse beflügeln und den DAX über die 6.200 Punkte-Marke hieven, zeigen sich ETF-Anleger eher abwartend, so die Deutsche Börse AG.
"Die Sommerpause hat voll zugeschlagen, und zwar in allen Bereichen", kommentiere Frank Mohr von der Commerzbank. Eric Wiegand von der Deutschen Bank beschreibe den Handel als "recht ruhig" und verweise ebenfalls auf das Sommerloch. "Der Aktienmarkt hat schon ein hohes Niveau erreicht", ergänze er. Das sei für die Umsätze nicht unbedingt zuträglich.
"Die Volumina sind deutlich schwächer als zu anderen Zeitpunkten in diesem Jahr", berichte auch Marco Salaorno von der Société Générale. "Mit der positiveren Stimmung an den Börsen seit Mitte der vergangenen Woche hat aber das Kaufinteresse an Aktien-ETFs wieder zugenommen", meine der Market Maker.
Bei den Blue-Chips gebe es keine Auffälligkeiten. Zwar werde wenig gekauft, zu Abgaben im großen Stil komme es aber auch nicht, wie Eric Wiegand melde. Allenfalls seien EURO STOXX 50-ETFs eher abgegeben, Short-Produkte auf den wichtigsten europäischen Aktienindex eher in die Depots genommen worden. Die Commerzbank habe sogar einen leichten Verkäuferüberhang bei Blue-Chips registriert - trotz steigender Aktienkurse. "Es hat eine ganze Reihe Gewinnmitnahmen gegeben", erkläre Frank Mohr.
An der Spitze der Umsatzliste hätten in den vergangenen fünf Handelstagen an der Börse Frankfurt DAX- und EURO STOXX 50-Tracker (iShares DAX (DE)), (db x-trackers DAX ETF Inhaber-Anteile 1C), (iShares DJ EURO STOXX 50 (DE)), (db x-tr.EO STOXX 50 ETF Inhaber-Anteile 1D) sowie der db x-Trackers ShortDAX (db x-tr.SHORTDAX DAILY ETF Inhaber-Anteile 1C), immerhin auf Platz zwei gestanden, und der Lyxor LevDAX (LYXOR ETF LEVDAX), der mit einem Hebel von zwei auf Tagesbasis an den DAX gekoppelt sei. Mit dem letzterem hätten Anleger in den vergangenen sechs Monaten immerhin ein Plus von 17,4 Prozent erzielen können, beim iShares DAX (iShares DAX (DE)) seien es nur 8,9 Prozent gewesen.
Bei den Renten-ETFs würden die Geschmäcker auseinander gehen: Der Deutschen Bank zufolge würden Anleger derzeit gerne zu Indexfonds auf globale Anleihen, etwa den db x-trackers II Global Sovereign Euro Hedged (db x-tr.II Gl Sovereign ETF Inhaber-Anteile 1C), greifen. Außerdem seien Inflationslinker wie der db x-trackers II iBoxx Euro Inflation-Linked (db x-tr.II-iBoxx E.Inf.-L.ETF Inhaber-Anteile 1C) abermals in den Fokus gerückt. "Viele Anleger gehen aufgrund der wieder besseren Konjunkturdaten wohl von steigenden Inflationsraten aus", vermute Eric Wiegand. In Deutschland habe der sprunghaft angestiegene ifo-Geschäftsklimaindex in der vergangenen Woche für gute Stimmung gesorgt.
Gerade an Tagen, an denen es nicht so rosig aussehe, würden Anleger aber auch nach wie vor auf Sicherheit setzen. Etwa sei Marco Salaorno zufolge Anfang der vergangenen Woche gerne der Lyxor ETF EuroMTS AAA Government Bond (LYXOR ETF EuroMTS H.R.M.-W.Go. Actions au Porteur A) ins Portfolio genommen worden, ein Rentenfond, der nur erstklassige Staatsanleihen abbilde. Die Commerzbank berichte von Interesse an Unternehmens- sowie Staatsanleihenfonds (db x-tr.II-IBO.EO So.Eu.D.T.R. Inhaber-Anteile 1C). "Das sind aber alles nur Kleinigkeiten", räume Mohr ein.
Auch die Umsätze in den Emerging Markets-Produkten würden verhalten bleiben. "Nachgefragt werden vor allem allgemeine Schwellenländer- und Asien-ETFs", erkläre Wiegand. Laut Société Générale habe es größere Kauforder beim marktbreiten iShares MSCI Emerging Markets (ISHARES MSCI EMERGING MARKETS) und beim iShares MSCI Brazil (ISHARES MSCI BRAZIL) gegeben. Bei den Sektoren komme es derzeit vor allem zu kleineren Umschichtungen, die großen Trends fehlen würden. Laut Commerzbank seien etwa Einzelhandels-ETFs (COMSTAGE ETF STOXX 600 RETAIL TR) und (iShares DJ STOXX 600 Retail (DE)) gesucht gewesen, während Industriegüter-Indexfonds (iShares DJ STOXX 600 Industrial Goods & Services Swap (DE)) und (COMSTAGE ETF STOXX 600 INDUSTRIAL GOODS & SERVICES TR) eher abgestoßen worden seien. (27.07.2010/fc/a/f)