NEW YORK (dpa-AFX) - Der Skandal um manipulierte Zinssätze weitet sich aus. Neben zahlreichen Aufsichtsbehörden rund um die Welt haben auch US-Bundesstaaten Ermittlungen gegen Banken aufgenommen. So prüften die Staatsanwaltschaften von New York und Connecticut gemeinsam, welcher Schaden ihren Bundesstaaten durch die Libor-Manipulation entstanden ist, berichtete das "Wall Street Journal" am Montag unter Berufung auf Offizielle. Dies könne zu Zivilklagen führen. Untersuchungen laufen dem Bericht nach auch in Florida und Massachusetts.
In den USA sichern Kommunen oft ihre Kreditkosten mit Versicherungen ab, die an den Libor-Satz gekoppelt sind (Interest-rate Swaps). Auf rund 200 Milliarden US-Dollar schätzt das auf solche Geschäfte spezialisierte Beratungsunternehmen Swap Financial Group der Zeitung zufolge das mögliche Volumen. Ein Experte des Hauses beziffert den durch die Manipulationen entstandenen Schaden bei den Kommunen auf rund eine Milliarde Dollar.
Zwischen 2005 und 2011 sollen zahlreiche Großbanken Versuche unternommen haben, den Liborsatz zu manipulieren. Dieser Satz wird von den Banken ermittelt und genutzt, wenn sie sich untereinander Geld leihen. Laut einer Studie von Morgan Stanley (Morgan Stanley Aktie) könnten auf die verdächtigen Banken insgesamt Strafen und Schadensersatzforderungen von 22 Milliarden Dollar zukommen.
Seit rund zwei Jahren laufen Ermittlungen. Die öffentliche Diskussion gewann Ende Juni an Schärfe, als die britische Großbank Barclays (Barclays Bank Aktie) eine Strafzahlung von 290 Millionen Pfund akzeptierte. Daraufhin musste Vorstandschef Bob Diamond seinen Hut nehmen. In der Branche geht nun die Angst um, wer der nächste ist. Besonders groß ist die Sorge vor hohen Schadensersatzforderungen. In den USA laufen Sammelklagen von Geschädigten, an denen sich unter anderem die Frankfurter Privatbank Metzler beteiligt.
Auch die Deutsche Bank (Deutsche Bank Aktie) steht im Blick der Ermittler. Laut "Spiegel" bietet sich das Institut wie viele andere Geldhäuser auch als Kronzeuge an, um bei möglichen Strafen billiger davonzukommen. Bei der EU-Kommission sowie in der Schweiz habe Deutschlands größte Bank schon 2011 die Regelung beantragt und kürzlich erlangt. Das Institut wollte die Meldung bislang nicht kommentieren./enl/stw/she