Alstom legt bei Bestellungen zu - Kurzarbeit in Deutschland

09:24 19.07.12

PARIS (dpa-AFX) - Der französische Industriekonzern Alstom hat in seinem ersten Geschäftsquartal mehr Aufträge einsammeln können. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Bestellungen von April bis Juni um ein Fünftel auf 6 Milliarden Euro gestiegen, teilte Alstom am Donnerstag mit. Haupttreiber war das Transportgeschäft. Gleich mehrere Aufträge für Regionalzüge in Schweden und Deutschland, Metro-Projekte in Frankreich, Peru und Venezuela sowie Signal-Systeme in Amsterdam konnte der Siemens (Siemens Aktie)-Konkurrent an Land ziehen. Der Umsatz legte in den ersten drei Monaten des Jahres 2012/13 um sechs Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zu.

Ende Juni konnte Alstom auf einen Auftragsbestand von 51 Milliarden Euro blicken. Der Konzern baut Anlagen und Produkte für die Stromerzeugung, Energieübertragung und das Transportwesen. In Deutschland kämpft der Konzern derzeit mit den Folgen der Energiewende. Da weniger Kraftwerke für die konventionelle Energiegewinnung gebaut werden, musste die deutsche Alstom-Tochter für 600 Mitarbeiter der Werke Mannheim und Bexbach Kurzarbeit anmelden. "Der deutsche Markt ist bei Gaskraftwerken derzeit ein Totalausfall", sagte der neue Chef von Alstom Deutschland, Alf Henryk Wulf der "Financial Times Deutschland" ("FTD"/Donnerstagausgabe). Die Kurzarbeit beginne Anfang September und laufe ein halbes Jahr.

Dennoch sieht sich Alstom langfristig als Nutznießer und will künftig von den Milliardeninvestitionen in den Umbau der Energiewirtschaft in Deutschland stärker profitieren. "Wenn Alstom die richtigen Lösungen anbietet, werden wir klar zu den Gewinnern der Energiewende gehören", sagte Wulf. Alstom bietet bei erneuerbaren Energien Offshore-Windkraftanlagen an, liegt derzeit aber weit hinter Rivalen wie Siemens, ABB (ABB Ltd Aktie) oder General Electric (GE) (General Electric Aktie). Künftig will Alstom auch bei Anlagen an Land stärker mitmischen. "Eine Übernahme oder ein Joint-Venture in diesem Bereich sind denkbar, wenn wir jemanden finden, der passt." Laut "FTD" hatte Alstom im Frühjahr eine Übernahme von Repower ausgelotet, allerdings ohne Ergebnis.

Auch im Geschäft mit Umspannplattformen zur Anbindung von Windparks hat Alstom Ziele. "Mit Offshoreanbindungen und -turbinen geht Alstom in ein für uns völlig neues Geschäftsfeld", räumte der Manager ein. Dennoch hält er einen Marktanteil von bis zu 25 Prozent bei der Offshoreanbindung in Deutschland für möglich. Vom Netzumbau für eine künftig dezentrale Energiewelt will Alstom ebenfalls profitieren. Der Markt sei hoch interessant, sagte Wulf. "Um die Potenziale zu heben, führen wir Kooperationsgespräche mit möglichen Partnern aus der Informations- und Telekommunikationsbranche". Namen wollte der Deutschland-Chef nicht nennen. Alstom beschäftigt weltweit 92.600 Mitarbeiter, 9.000 davon in Deutschland./she/nmu/stb

Quelle: dpa-AFX

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