FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag eine Verschnaufpause eingelegt. Händlern zufolge richteten sich die Augen auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Abend und zuvor zögen sich einige Anleger zurück. Der Dax (DAX) bröckelte am Nachmittag um 0,34 Prozent auf 7.318,73 Punkte ab. Am Vortag hatte der Leitindex nach dem "Ja - Aber..." des Bundesverfassungsgerichts zum Euro-Rettungsschirm ESM bei 7.410 Punkten ein neues 14-Monatshoch markiert. Für den MDax (MDAX) mittelgroßer Werte ging es zuletzt um 1,29 Prozent auf 11.039,35 Punkte abwärts, der TecDax (TecDAX (Performance)) fiel um 0,55 Prozent auf 806,78 Punkte.
"Kaum ist die eine marktbewegende Nachricht zum Euro-Rettungsschirm verkündet, warten die Anleger schon mit Spannung auf die nächste Entscheidung", sagte Analyst Tobias Reichert von IG Markets. Die US-Notenbank wird nach Einschätzung vieler Volkswirte am Abend in den USA eine weitere geldpolitische Lockerung verkünden. Ökonomen halten gar ganz neue Maßnahmen und unbegrenzte Anleihekäufe für möglich. Nach der Genehmigung der Euro-Rettungsmechanismen tags zuvor in Deutschland schließen die US-Notenbänker damit aber einen ganzen Reigen von Großereignissen ab, die in den vergangenen Wochen die Spannung an den Finanzmärkten hoch hielten.
EADS RUTSCHEN WEGEN FUSIONSPLÄNEN KRÄFTIG AB
Besonders deutliche Kursbewegungen gab es bei den EADS-Aktien im MDax. Sie rutschten wegen der Verhandlungen über eine Megafusion mit BAE Systems
Daimler rutschten in der Folge mit 0,32 Prozent ins Minus, denn ihre EADS-Beteiligung verliert an Wert. Das lastet auf dem Autobauer, zumal die Stuttgarter ihren Anteil an dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern bis zum Jahresende weiter abbauen wollen. Börsianer hatten zuvor noch positiv auf eine "sehr optimstische" Studie von Goldman Sachs verwiesen, in der das Daimler-Ziel auf 98 Euro angehoben wurde. Ein Händler sagte: "Das sind über 150 Prozent Kurspotenzial und das sorgt für Fantasie." Die Einstufung bleibt "Conviction Buy".
MERCK MARKIEREN 5-JAHRESHOCH
Merck-Aktien hielten sich mit plus 2,17 Prozent auf 96,38 Euro an der Dax-Spitze. Händler konnten keine fundamental neuen Nachrichten ausmachen, verwiesen zur Begründung aber auf die gute technische Verfassung des Papiers. Die Aktie des Chemie- und Pharmakonzerns markierte ein neues 5-Jahreshoch und gab damit ein positives Signal. Analyst Ulrich Huwald von M.M. Warburg zufolge reflektiert der Anstieg die positiven Effekte des Sparprogramms.
Commerzbank lagen dagegen wegen Gewinnmitnahmen nach dem jüngsten Kurssprung mit minus 2,29 Prozent am Dax-Ende. Auch die Papiere der Deutschen Bank verbilligten sich um 1,97 Prozent im Einklang mit dem europaweit schwachen Bankensektor. Das Branchenbarometer Stoxx Europe 600 Banks stellte mit minus 1,36 Prozent den schwächsten Sektor in Europa. Infineon-Aktien verbilligten sich um 1,11 Prozent auf 5,689 Euro. Cheuvreux senkte die Prognosen deutlich unter den Marktkonsens und nahm das Kursziel von 5,50 auf 4,70 Euro zurück.
Am Rentenmarkt fiel die Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,28 (Vortag: 1,30) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,17 Prozent auf 133,50 Punkte. Der Bund Future gewann 0,36 Prozent auf 140,10 Punkte. Der Euro stieg: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2910 (1,2896) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7746 (0,7754) Euro./fat/tih
--- Von Frederik Altmann, dpa-AFX ---