FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach drei Verlusttagen hat der Dax (DAX) am Donnerstag einen Erholungsversuch gestartet. "Die Abstufung der Bonität Spaniens durch Standard & Poor's (S&P) nährt die Hoffnung, dass die Regierung endlich offiziell bei der EZB um Hilfe bittet", sagte Marktstratege Ishaq Siddiqi von ETX Capital. Zusätzlich gestützt durch den starken Rückgang der wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe auf den tiefsten Stand seit Februar 2008 verbesserte sich der deutsche Leitindex bis zum Nachmittag um 0,94 Prozent auf 7.273,01 Punkte. Die bisherige Wochenbilanz ist jedoch weiter deutlich negativ. Der tags zuvor bereits von EADS gestützte MDax (MDAX) mittelgroßer Werte legte um weitere 0,50 Prozent zu auf 11.300,79 Punkte, und der TecDax (TecDAX (Performance)) stieg um 0,38 Prozent auf 812,46 Punkte.
Die Abstufung der Bonitätsnote der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone auf nur noch eine Stufe über dem sogenannten Ramschniveau durch die Ratingagentur Standard & Poor's habe nur anfänglich belastet, so Siddiqi. Dann habe der Markt dies als möglichen Auslöser für den erhofften Schritt gesehen. Als weitere Stütze machte der Experte eine ordentliche Nachfrage bei einer Auktion italienischer Staatsanleihen aus. Andere Marktteilnehmer hatten zuvor auch Nachrichten aus dem spanischen Bankensektor positiv gewertet: Erstmals seit einem Jahr hatte sich im September die Abhängigkeit dortiger Finanzinstitute von der Europäischen Zentralbank (EZB) verringert. Der spanische Aktienmarkt selbst konnte von all dem allerdings nicht profitieren und lag im Minus, der Euro legte indes deutlich zu.
LANXESS ERHOLT - SIEMENS NACH VERKAUFSEMPFEHLUNG SCHWACH
Besonders erholt präsentierten sich die Aktien des Dax-Neulings Lanxess mit plus 2,76 Prozent. Erstmals nach sieben Verlusttagen hatten die Aktionäre des Spezialchemiekonzerns damit wieder Grund zur Freude. Dagegen ging es für Siemens nach einer Verkaufsempfehlung der Deutschen Bank um 1,00 Prozent nach unten. Analyst Peter Reilly schraubte angesichts schwächerer Marktaussichten seine Prognosen zurück.
Die Papiere der Lufthansa zogen um 1,17 Prozent an. Auf den Direktverbindungen abseits der Drehkreuze Frankfurt und München fliegt die Gesellschaft künftig unter ihrer Billigflieger-Marke Germanwings. Ab dem Jahr 2013 solle das Flugangebot in einer aufgewerteten Germanwings unter dem Motto "günstig, aber nicht billig" zusammengeführt werden.
PROSIEBEN NACH INVESTORENTAG GEFRAGT
ProSiebenSat.1 kletterten um 3,63 Prozent und damit an die MDax-Spitze. Händler sprachen von optimistischer Stimmung nach der Investorenveranstaltung am Vortag. Vor allem gebe es wieder verstärkte Hoffnungen auf einen erfolgreichen Verkauf der Fernsehsender in Skandinavien. Barclays hob zudem das Kursziel für die Aktie an.
Fraport zogen nach den Verkehrszahlen des Flughafenbetreibers um 0,35 Prozent an. Trotz des Streiks bei der Lufthansa wurde im September ein neuer Passagierrekord erreicht. Südzucker gewannen nach Geschäftszahlen 1,67 Prozent. Ein Analyst lobte vor allem den bestätigten starken Ausblick.
Bei EADS kam es derweil trotz Kaufempfehlungen nach der gescheiterten Fusion mit BAE Systems zu Gewinnmitnahmen, die das Papier mit 0,57 Prozent ins Minus drückten./ag/gl
--- Von Alexander Gibson, dpa-AFX ---