Aktien Frankfurt: Dax steigt erstmals seit August 2011 über 7.200 Punkte

12:08 07.09.12

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax (DAX) hat am Freitag weiter zugelegt und erstmals seit Anfang August 2011 wieder die Marke von 7.200 Punkten überwunden. Bis zum Mittag stieg der deutsche Leitindex um 0,74 Prozent auf 7.220,45 Punkte. Damit knüpfte er an seinen fast dreiprozentigen Kurssprung vom Vortag an, als die EZB-Entscheidung zu unbegrenzt möglichen Anleihekäufen an den Börsen weltweit für Euphorie gesorgt hatte. Der MDax (MDAX) kletterte vor dem Wochenende um 0,68 Prozent auf 11.190,18 Punkte und der TecDax (TecDAX (Performance)) gewann 0,56 Prozent auf 808,50 Punkte.

Wegen des Sprungs über 7.200 Punkte werden laut Händlern auch charttechnisch orientierte Käufer angezogen. Positiv wirkten zudem die weiter deutlich sinkenden Renditen von Staatsanleihen klammer Euro-Länder. Auch die überraschend gute Entwicklung im deutschen Außenhandel stütze, hieß es. Am Nachmittag richtet sich der Blick auf den US-Arbeitsmarktbericht für August. Volkswirte rechnen mit einem Anstieg der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft um 130.000. Eine Enttäuschung dürfte Spekulationen auf neue Anleihekäufe durch die Federal Reserve (QE3) auslösen, sagte Analyst Cameron Peacock von IG Markets. Ein guter Bericht lindert Sorgen um die US-Wirtschaft.

BANKEN WEITER VORN - POST LEIDEN UNTER PLATZIERUNG

Die Bankenwerte in ganz Europa profitierten wie bereits am Vortag kräftig von den EZB-Beschlüssen. Der Sektor war einer der Favoriten im Branchenindex Stoxx Europe 600 mit plus 2,31 Prozent. Im Dax eroberten die Titel der Commerzbank und der Deutschen Bank erneut die Spitze. Sie legten 5,90 und 5,61 Prozent zu. Einem Händler zufolge stützt die Entspannung an den spanischen und italienischen Anleihemärkten den Sektor besonders deutlich. Zudem habe sich die EZB mit ihren Maßnahmen einen großen Handlungsspielraum geschaffen, so dass andere Hilfsinstrumente womöglich gar nicht in einem zu starken Maße gebraucht werden dürften. Derweil will die Deutsche Bank einem Pressebericht zufolge den bereits angekündigten Stellenabbau verschärfen.

Dem Autobauer BMW bescherte ein Absatzrekord für den August Kursgewinne von 1,90 Prozent. Die Aktien der Deutschen Post büßten hingegen am Dax-Ende 3,22 Prozent auf 15,46 Euro ein. Sie litten unter einer Platzierung von Aktien durch die KfW Bankengruppe. Die KfW hat 60 Millionen Aktien bei institutionelle Investoren zu je 15,40 Euro das Stück platzieren. Der Anteil des Staates am deutschen Logistiker sank so von 30,5 auf 25,5 Prozent, der Aktienstreubesitz stieg zugleich von 69,5 auf 74,5 Prozent.

Mit plus 0,41 Prozent zeigten sich die Lufthansa-Papiere etwas schwächer als der Dax. Die Fluggesellschaft streicht wegen des andauernden Streiks für diesen Tag mindestens die Hälfte aller Flüge. Eine genaue Zahl der annullierten Starts und Landungen lasse sich aktuell aber noch nicht nennen. Die Gewerkschaft Ufo ist unterdessen zur Rückkehr an den Verhandlungstisch bereit. Die Lufthansa bestätigte vorerst noch keine Schlichtung im Tarifkonflikt mit den Flugbegleitern.

BERICHT STÜTZT THYSSEN-PAPIER

Dass der Stahl- und Industriegüterkonzern ThyssenKrupp der "Financial Times Deutschland" zufolge auf Kurs zu seinen Jahreszielen liegt, verhalf der Aktie in einem positiven Branchenumfeld zu einem Plus von 2,27 Prozent. Unter Berufung auf Insider berichtete die Zeitung, dass im Geschäftsbereich Steel Americas im laufenden Geschäftsjahr 2011/12 zwar ein operativer Verlust (EBIT) von rund einer Milliarden Euro anfallen wird. Steel Europe dürfte allerdings einen Gewinn von 200 bis 300 Millionen Euro erzielen, die Technologie-Sparte sollte sogar ein EBIT von 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro einfahren. Unter dem Strich sei dies positiv zu werten, kommentierte ein Händler. Nach der geplanten Trennung von Steel America stünde der Stahlkonzern mit einem sehr profitablen europäischen Stahlgeschäft sowie vor allem einer ergebnisstarken Technologiesparte da.

Die Vorzüge von Volkswagen (VW) gewannen moderate 0,50 Prozent. Laut "Handelsblatt" reduziert Europas größter Autobauer wegen der sich abkühlenden Konjunktur seine Verkaufserwartungen für das laufende Jahr. VW widersprach aber und meinte, dass die Zahlen jeder Grundlage entbehrten. Zugleich hieß es aber, dass VW überprüfe kontinuierlich die Marktlage.

CONTI NACH STUDIE AM MDAX-ENDE - GERÜCHTE HELFEN DEUTZ

Die Anteilsscheine des baldigen Dax-Aufsteigers Continental litten am MDax-Ende mit minus 2,15 Prozent unter einer negativen Analystenstudie. Die Schweizer Großbank UBS stufte die Aktie des Autozulieferers nach der Kursrally der vergangenen Monate von "Buy" auf "Neutral" ab. Conti wird am 24. September erneut in den Leitindex aufgenommen.

Die Deutz-Papiere profitierten hingegen mit plus 5,38 Prozent von Übernahmespekulationen. Börsianern zufolge wird in London ein "vages" Gerücht herumgereicht, wonach der schwedische Lkw-Produzent Volvo ein Übernahmeangebot für den deutschen Motorenbauer vorbereiten könnte. Über die Plausibilität dieser Spekulationen gingen die Ansichten von Experten aber auseinander./gl/fat

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

Quelle: dpa-AFX

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