Aktien Frankfurt: Dax richtungslos - China-Daten vs. Euro-Schuldenkrise

11:56 24.07.12

FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem Kursrutsch der vergangenen zwei Handelstage hat der Dax (DAX) am Dienstag keine klare Richtung gefunden. Positiven Daten aus China stand die Euro-Schuldenkrise als das weiter alles beherrschende Thema gegenüber. Der deutsche Leitindex pendelte um seinen Vortagsschluss und notierte gegen Mittag 0,03 Prozent schwächer bei 6.417,49 Punkten - am Freitag und Montag war der Leitindex insgesamt um gut fünf Prozent abgerutscht. Der MDax (MDAX) gewann zuletzt 0,28 Prozent auf 10.455,78 Punkte. Für den TecDax (TecDAX (Performance)) ging es um 0,04 Prozent auf 745,55 Punkte hoch. Der Euro schwankte in Sichtweite seines jüngsten Zweijahrestiefs um die Marke von 1,21 US-Dollar.

In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hatte sich die Stimmung der Einkaufsmanager in der Industrie im Juli verbessert und den höchsten Wert seit fünf Monaten erreicht. Übermäßiger Optimismus erscheint allerdings fehl am Platz. Am späten Montagabend hatte die US-Ratingagentur Moody's den Ausblick für Deutschland, die Niederlande und Luxemburg auf negativ gesetzt und die Euro-Schuldenkrise damit um ein Kapitel erweitert.

"Die Krise hat einen neuen Schweregrad erreicht", kommentierte etwa Expertin Viola Julien von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) die aktuelle Lage. Am Markt gebe es die Sorge, dass Spanien entgegen allen Beteuerungen seiner Regierung doch noch den kompletten Rettungsschirm in Anspruch nehmen müsse. Eine aktuelle Geldmarktauktion zeigte erneut, dass die kurzfristige Geldaufnahme für das Land immer teurer wird. Die Blicke der Anleger richten sich auch auf Athen, wo die Troika aus EU, IWF und EZB vor den entscheidenden Prüfungen der Sparfortschritte steht. Die durchwachsen ausgefallenen Einkaufsmanager-Indizes aus der Eurozone sorgten ebenfalls nicht für positive Impulse.

SAP NACH ENDGÜLTIGEN ZAHLEN AN DAX-SPITZE

Derweil nimmt die Berichtssaison deutlich Fahrt auf: Unter anderem mit SAP und Software AG rückten zunächst Technologiewerte in den Fokus. Die SAP-Titel legten nach endgültigen Zahlen um 2,07 Prozent zu, was für die Pole Position im Dax reichte. Europas größter Softwareanbieter bestätigte die vorläufigen Geschäftszahlen für das zweite Quartal und sieht sich auf Kurs, die Jahresziele zu erreichen. Laut einem Händler enthielten die Zahlen keine Überraschungen. Manche Beobachter hatten allerdings damit gerechnet, dass SAP im Nachhall der starken Umsatzentwicklung im zweiten Quartal den Jahresausblick aufstocken würde.

Dagegen büßten ThyssenKrupp auch ohne eigene Zahlen 1,70 Prozent ein. Händler verwiesen auf enttäuschenden Zahlen der Konkurrenten Steel Dynamics und Posco aus den USA beziehungsweise Südkorea, was auch die Aktien des deutschen Stahl- und Industriekonzerns belaste. Dazu kam eine Kurszielsenkung der britischen Investmentbank HSBC.

SOFTWARE +9% NACH ZAHLEN - KONTRON UND DIALOG RUTSCHEN AB

Ansonsten spielte die Musik vor allem im TecDax. Dort sprangen die Aktien von SAP-Konkurrent Software AG, die tags zuvor noch unter dem Weggang eines weiteren Managers gelitten hatten, um fast neun Prozent hoch. Deutschlands zweitgrößter Softwarehersteller setzte im zweiten Quartal dank der starken Lizenzerlöse deutlich mehr um als von Experten erwartet. Das Diagnostik- und Biotechunternehmen Stratec Biomedical profitiert derweil weiter von einer hohen Nachfrage nach bereits etablierten Produkten. Allerdings drückten Produktentwicklungen auf die Marge, so dass die Aktien bei sehr dünnen Umsätzen 0,75 Prozent verloren.

Die Kontron-Titel reagierten mit einem Kursrutsch von fast elf Prozent auf enttäuschende Zahlen und einen gesenkten Ausblick. Equinet strich die Kaufempfehlung für die Aktie des Minicomputer-Herstellers und stellte sie unter Beobachtung. Bei Dialog Semiconductor sorgten die Quartalszahlen für ebenfalls deutliche Verluste von knapp neun Prozent. Börsianer sprachen von gemischten Zahlen des Halbleiterherstellers und einem enttäuschenden Umsatzausblick für das dritte Quartal./gl/ag

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

Quelle: dpa-AFX

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