FRANKFURT (dpa-AFX) - Die deutschen Aktienindizes haben ihren Erholungsversuch am Dienstag wieder abgebrochen. Der Dax (DAX) fiel bis zum Mittag auf seinen Vortagesschluss zurück und legte nur noch 0,04 Prozent auf 6.135,06 Punkte zu. Am Morgen hatte sich der Leitindex noch mehr als ein halbes Prozent erholt von seinem deutlichen Minus von 2,09 Prozent zum Wochenauftakt. Schwindende Hoffnungen vor dem EU-Gipfel hatten die Märkte belastet. Für den MDax (MDAX) ging es zuletzt um 0,31 Prozent auf 9.993,88 Punkte runter, der technologielastige Auswahlindex TecDax (TecDAX (Performance)) verlor 0,47 Prozent auf 722,09 Punkte.
Händlern zufolge hat eine schwache Anleiheauktion in Spanien den Anlegern wieder ihren Mut genommen. "Das Interesse die Geldmarktpapiere zu kaufen war nur sehr gering", sagte ein Börsianer. Der Euro ist daraufhin auch wieder unter 1,25 US-Dollar gerutscht und Anleger vermieden es, wieder neue Risiken vor dem EU-Gipfel einzugehen. Die Anleiheversteigerung in Italien sei allerdings dann nicht ganz so schlecht ausgefallen und die Börsen stabilisierten sich etwas, hieß es am Markt. Die Abstufung spanischer Banken durch die Ratingagentur Moody's war indes schon befürchtet worden und bewege den Markt nicht mehr nachhaltig. Marktstratege Berndt Fernow von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sagte: "Die Mehrzahl der Anleger sieht keine Lösung der Euro-Krise. Somit ist eine große Skepsis gegenüber Aktien der Eurozone bereits eingepreist." Dem steht allerdings den Technischen Analysten der LBBW zufolge kurzfristig ein negatives Chartbild entgegen.
VERSORGER TOP, AUTOS SCHWACH
Autotitel zogen am Dax-Ende den Gesamtmarkt nach unten: Die Vorzüge von Volkswagen (VW) verbilligten um 2,27 Prozent auf 116,30 Euro, Daimler verloren 2,14 Prozent. Einem Bericht zufolge plant die chinesische Regierung derzeit keine Maßnahmen zur Stimulierung der heimischen Autonachfrage. Es werde zwar nach Möglichkeiten gesucht, in ländlichen Gebieten Autokäufer zu unterstützen, ein staatliches Incentive-Programm wie 2009 stehe aber nicht zur Debatte. Der Branchenindex Stoxx 600 Autos & Parts war daraufhin mit minus 1,75 Prozent der schwächste Sektor in Europa. BMW-Aktien litten zudem mit minus 2,48 Prozent auf 53,58 Euro unter einer Abstufung durch die Citigroup.
Versorger kletterten dagegen nach einer positiven Branchenstudie von Merrill Lynch an die Dax-Spitze: Eon waren nach einer Hochstufung von "Neutral" auf "Buy" mit plus 2,67 Prozent auf 15,780 Euro der beste Wert in dem Leitindex, RWE verteuerten sich um 1,74 Prozent auf 30,460 Euro. Die Aktien wurden auf "Neutral" hochgestuft. Nach der erneut relativ schlechten Entwicklung der integrierten Energieversorgungskonzerne raten die Analysten erstmals seit Februar wieder zum Kauf einiger Werte. Auch europaweit führte der Brachenindex Stoxx 600 Utilities die Sektorübersicht an.
RHEINMETALL LEGT KPSG-BÖRSENGANG VORERST AUF EIS
Rheinmetall-Papiere rückten mit Aussagen zum Börsengang seiner Autozuliefertochter KPSG im MDax in den Fokus. Wegen der Unsicherheiten an den Kapitalmärkten und in der Eurozone lägen die Pläne vorerst auf Eis. Ein Börsengang von KSPG bleibe aber weiterhin eine Option, die Rheinmetall zu "gegebener Zeit" erneut prüfen werde. Die Aussagen kommen nicht ganz überraschend, sagte ein Händler. Analysten zeigten sich in den vergangenen Tagen uneins mit Blick auf den IPO-Zeitplan. Die Aktie verlor 1,10 Prozent. An der Indexspitze standen dagegen Sky-Aktien mit plus 4,27 Prozent. Die Commerzbank hat das Kursziel für die Papiere erhöht und ihnen noch rund 35 Prozent Kurpotenzial zugebilligt. Zudem habe ein Börsenbrief das Papier in ein Musterdepot aufgenommen und damit neue Nachfrage geschürt, sagte ein Händler.
Im TecDax verloren Aixtron 3,36 Prozent auf 10,510 Euro. Händler verwiesen auf schwache Vorgaben der US-Wettbewerber im LED-Geschäft Veeco und Cree, deren Aktien am Vorabend 11,36 und 4,83 Prozent verloren hatten. Eine Untersuchung des Marktforschers Yole drücke auf die Stimmung. Demzufolge könnte der Sektor bis zu 18 Monate unter Überkapazitäten leiden. Zudem sorge eine steigende Effizienz der Produktionsanlagen dafür, dass weniger Maschinen verkauft werden dürften. Außerdem senkten die Experten der UBS das Kursziel für die Titel. Bester Wert in dem Index waren ohne neue Nachrichten die Aktien von QSC mit plus 2,31 Prozent./fat/rum
--- von Frederik Altmann, dpa-AFX ---