FRANKFURT (dpa-AFX) - Sorgen um eine weitere Eskalation des Nahostkonfliktes sowie negative Nachrichten aus Griechenland und Spanien haben den Dax am Donnerstag ins Minus drehen lassen. Nach einem freundlichen Start sank der Leitindex (DAX) bis zum Mittag um 0,33 Prozent auf 7.297,90 Punkte. Für den MDax (MDAX) mittelgroßer Werte ging es um 0,10 Prozent auf 11.171,78 Punkte nach unten. Der TecDax (TecDAX (Performance)) fiel um 0,44 Prozent auf 817,70 Punkte.
Händler verwiesen unter anderem auf Berichte über angebliche Truppenbewegungen des Iran in Richtung der türkischen Grenze. Zuvor hatte die Türkei nach einem tödlichen Granatangriff auf ein türkisches Grenzdorf weitere Ziele im Bürgerkriegsland Syrien beschossen. Andere Börsianer bezogen sich auf Meldungen, wonach der griechischen Regierung spätestens Mitte November die Barmittel ausgehen. Die Freigabe weiterer Gelder hängt maßgeblich von dem Bericht der "Troika"-Experten von EU, IWF und EZB ab, den der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras bis Mitte Oktober erwartet. Ferner nimmt der Zinsdruck auf Spanien langsam aber sicher wieder zu und auch dies hat Händlern zufolge die Anleger weiter verunsichert. Hintergrund des Zinsanstiegs ist die Hängepartie um den Hilfsantrag der Madrider Regierung beim EU-Rettungsfonds.
EZB-SITZUNG IM FOKUS
Ansonsten rückt die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) zunehmend in den Fokus der Anleger. Diese ist insbesondere vor dem Hintergrund der Spekulationen um den Hilfsantrag Spaniens von Interesse. Die meisten Volkswirte rechnen damit, dass die EZB die Zinsen auf dem aktuellen Rekordtief belassen wird. Insofern dürfte sich das Augenmerk auch auf mögliche Aussagen zu dem neuen Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank richten, meinten die Analysten von HSBC.
THYSSENKRUPP FAVORIT IM DAX
An der Dax-Spitze stiegen die Aktien von ThyssenKrupp um 1,85 Prozent auf 17,305 Euro. Der Konkurrent Posco hat laut einem Bericht des Magazins "Money Today" einen so genannten "Letter of Intent", eine Art Absichtserklärung, an den deutschen Stahlkonzern geschickt, in dem er sein grundsätzliches Interesse an einem Kauf der Sparte Steel Americas bekunden soll. Wie ein Markteilnehmer betonte, sei das Interesse von Posco an Steel Americas bekannt. Dennoch könnte es sich zunächst positiv auf die Stimmung gegenüber den ThyssenKrupp-Aktien auswirken. Der entscheidende Faktor dürfte ohnehin der Preis sein.
Einen Vorgeschmack auf die bald anlaufende Berichtssaison lieferte indes der Verpackungsspezialist Gerresheimer, dessen Titel am MDax-Ende 2,53 Prozent verloren. Der Verpackungsspezialist verbuchte im dritten Quartal einen Gewinnrückgang, bekräftigte aber trotzdem seine Prognosen für das Gesamtjahr. Der Umsatz und das operative Ergebnis hätten die Markterwartungen leicht verfehlt, begründeten Händler den Kursrückgang.
EVOTEC SEHR SCHWACH
Die Anteilsscheine von Evotec waren mit einem Abschlag von 3,87 Prozent das Schlusslicht im TecDax. Das Biotech-Unternehmen muss vorübergehend auf seinen Chef verzichten. Werner Lanthaler kann sein Amt aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend nicht ausüben.
Die im SDax (SDAX) notierten Papiere von Air Berlin rückten um überdurchschnittliche 0,71 Prozent vor. Zuvor hatte der Großaktionär Etihad im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" deutlich gemacht, dass er sich nicht mit der Rolle als reiner Geldgeber zufrieden geben werde. Vielmehr drängt Etihad-Chef James Hogan die deutsche Billigairline dazu, mit Air France eine Allianz einzugehen. Commerzbank-Analyst Frank Skodzik meinte dazu: "Die Netzwerke der beiden Airlines ergänzen sich und es besteht das Potenzial, Verbindungen nach Paris aufzubauen."/la/ag
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---