(neu: Einschätzung der LBBW)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Mit einem drastischen Kurseinbruch haben die Aktien von Centrotherm Photovoltaics (centrotherm photovoltaics Aktie) am Mittwoch auf den Insolvenzantrag der Solarfirma reagiert. Bei minus 76,02 Prozent auf 0,53 Euro befanden sich die Aktien am Vormittag im freien Fall. Wie von Händlern erwartet, belastete die Nachricht weitere Branchenvertreter: Solarworld (SolarWorld Aktie) lag nach Handelsbeginn mit knapp drei Prozent im Minus, SMA Solar (SMA Solar Technology Aktie) gab um rund ein Prozent nach. Der TecDax verlor derweil nur rund einen halben Prozentpunkt.
Der auf das Geschäftsfeld Sonnenenergie spezialisierte Maschinenbauer Centroherm hatte am Vorabend mitgeteilt, dass ein Antrag auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens und die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt wurde. Mitte Juni hatte Centrotherm bereits über massive Finanzierungsprobleme berichtet, da Warenlieferungen der Firma nicht mehr versichert wurden.
ANALYSTIN: SCHWIERIGES OPERATIVES UMFELD
Nachdem das Unternehmen bereits im vergangenen Monat über die gravierenden finanziellen Probleme berichtet hatte, sei der Antrag keine wirkliche Überraschung, kommentierte ein Börsianer. Centrotherm sei somit die nächste Pleite in der insgesamt gebeutelten Industrie, die die Kurse in der Branche unter Druck bringe. Ein Börsianer wandelte sarkastisch den Titel der Gruppe Queen in "Another solar bites the dust".
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) betonte am Mittwoch indes, dass der Insolvenzantrag dem Unternehmen Zeit für eine Sanierung verschaffe. Die drohende Zahlungsunfähigkeit sei ein wichtiges Argument in möglichen Nachverhandlungen mit Kunden aus dem arabischen Raum. "Algerien und Qatar haben mit diesem Schritt ein klares Zeichen bekommen, dass deren Prestigeprojekte scheitern könnten, wenn man keine Zugeständnisse macht", hieß es in einem Kommentar der LBBW.
Commerzbank-Analystin Lauren Licuanan verwies in ihrem jüngsten Kommentar auch auf Aussagen des Chipherstelers Applied Materials. Dieser habe am Vorabend erklärt, die Investitionen in der Solarbranche seien aktuell auf einem Niveau, das man zuletzt gesehen habe, als der Markt ein Viertel seiner heutigen Größe hatte. Das verdeutliche das schwierige operative Umfeld, so die Expertin weiter. /rum/fri/ag