FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach guten Konjunkturdaten aus Europa hat der Dax am Montag die zum Wochenschluss gerissene Marke von 7.300 Punkten wieder übersprungen. Der Leitindex (DAX) kletterte gegen Mittag um 1,18 Prozent auf 7.301,60 Punkte, nachdem er in den vergangenen fünf Handelstagen noch um 3,2 Prozent abgerutscht war. Der MDax (MDAX) mittelgroßer Werte legte am Montag um 1,17 Prozent auf 11.105,89 Punkte zu. Der TecDax (TecDAX (Performance)) verbuchte ein Plus von 1,02 Prozent auf 817,72 Punkte.
Gestützt wurde die Erholungsbewegung durch erfreuliche Konjunkturdaten aus Europa. Die Stimmung der spanischen, italienischen, französischen und deutschen Einkaufsmanager aus der Industrie war im September besser als erwartet. Auch in der Eurozone insgesamt hellte sich das Bild überraschend auf. Marktanalyst Gregor Kuhn von IG Markets begründete die Gewinne am Markt zudem mit dem besser als erwartet ausgefallenen Stresstest für den spanischen Bankensektor. Ein weiterer Händler meinte mit Blick auf den Bund-Future, dass der im September offenbar gewordene Wechsel hin zu einer mehr risikoorientierten Anlagepolitik am Aktienmarkt wohl Substanz habe.
BANKEN PROFITIERTEN VON SPANIEN
Insofern zählten Finanzwerte zu den Favoriten. So zogen Deutsche Bank und Commerzbank um mehr als zwei Prozent an. Analyst Stefan Bongardt von Independent Research verwies darauf, dass beide Finanzhäuser noch relativ stark in Spanien engagiert seien. Angesichts der Stresstest-Resultate sei das Risiko für beide Geldhäuser sowie auf dem Interbankenmarkt gesunken. Daneben dürften auch Medienberichte über weitere Zahlungen an Griechenland positiv gewirkt haben, hieß es von Händlern. Demzufolge soll der griechische Staat die nächsten Hilfsgelder selbst bei Verstößen gegen die Sparauflagen erhalten. Hintergrund sei die Angst vor den Folgen einer Staatspleite Griechenlands mit anschließendem Euro-Austritt.
Die Aktien von SAP kletterten um 1,92 Prozent auf 56,17 Euro. Der Software-Riese hatte grünes Licht aller Wettbewerbshüter für die 4,3 Milliarden Dollar (3,35 Milliarden Euro) schwere Übernahme des Cloud-Anbieters Ariba. Außerdem äußerte sich Barclays-Analyst Raimo Lenschow positiv über den Wert nach der jüngsten Anwenderkonferenz. Die Datenbanksoftware Hana sei ein einwandfreies neues Produkt des Softwarekonzerns, so der Experte.
BAYWA SEHR FEST
Im MDax verteuerten sich die Anteilsscheine von Baywa um 2,09 Prozent. Analyst Heinz Müller von der DZ Bank bewertete die jüngsten Zukäufe des Agrarhändlers in einer aktuellen Studie positiv. Spitzenreiter im TecDax waren die Anteilsscheine von Evotec, die nach Bekanntwerden einer Kooperation mit dem Pharmakonzern Bayer um 6,05 Prozent nach oben schnellten. Im Rahmen der Allianz zur Bekämpfung der Gebärmuttererkrankung Endometriose erhält das Biotech-Unternehmen von den Leverkusenern eine Vorauszahlung in Höhe von 12 Millionen Euro.
SOLARWORLD LEIDEN UNTER BOSCH
Die Titel von Solarworld hingegen fielen um 1,37 Prozent. Börsianer begründeten dies mit dem Autozulieferer und Industrieausrüster Bosch. Dieser hatte seinen Rückzug aus dem Solarsektor angedroht. "Selbst ein langfristig orientiertes Unternehmen wie Bosch kann nicht auf Dauer ein Zukunftsgeschäft wie die Fotovoltaik subventionieren - langfristig heißt nicht ewig", sagte Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach der "Financial Times Deutschland". Unabhängig vom Preisverfall in der Branche sieht Fehrenbach die politische Unentschlossenheit als Hindernis. Bosch war erst 2008 in die Solarbranche eingestiegen./la/rum
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---