ROUNDUP: Glencore erhöht Xstrata-Angebot - Hauptversammlungen vertagt

12:40 07.09.12

ZUG (dpa-AFX) - In praktisch letzter Minute hat der weltgrößte Rohstoffhändler Glencore (Glencore Xstrata International Aktie) sein Übernahmeangebot für den schweizerisch-britischen Bergbaukonzern Xstrata (Xstrata Aktie) aufgestockt. Glencore bietet nun 3,05 eigene Aktien je Xstrata-Papier, wie Xstrata am Freitag mitteilte. Bislang hatte der Rohstoffhändler 2,8 Anteilsscheine geboten. Offen war zunächst, ob Glencore mit seiner höheren Offerte die bisher skeptischen Xstrata-Großaktionäre überzeugen kann.

Allen voran hatte das Emirat Katar die bisherige Offerte als zu niedrig zurückgewiesen und angekündigt, die Übernahme bei der Hauptversammlung zu blockieren. Glencore weigerte sich lange, das Angebot vom Februar aufzustocken. Erst am Freitagvormittag wurden die für diesen Tag geplanten Aktionärsversammlungen beider Konzerne wegen der neuen Entwicklungen verschoben. Xstrata-Aktien legten an der Londoner Börse um 7,7 Prozent zu. Viele Beobachter hatten bereits mit einem Scheitern des Zusammenschlusses gerechnet.

GLENCORE WILL GANZE MACHT

Im Gegenzug für das höhere Angebot will Glencore nur die komplette Macht über Xstrata. Der Konzern änderte den Status des Geschäfts. Aus der bislang offiziell als "Zusammenschluss unter Gleichen" bezeichneten Transaktion soll nun auch formal eine Übernahme werden. Zudem reklamiert Glencore-Chef Ivan Glasenberg die Führungsposition für sich. Bislang war diese Rolle für Xstrata-Chef Mick Davis vorgesehen.

Xstrata betonte in der Mitteilung, dass es sich noch nicht um eine festes Angebot handele. Es könne noch Änderungen geben. Zudem müsse der Xstrata-Verwaltungsrat noch darüber entscheiden. Danach solle ein neuer Termin für die Hauptversammlung gefunden werden. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus mit der Situation vertrauten Kreisen erfuhr, soll Xstrata-Chef Davis zuletzt noch einmal bei dem wichtigsten Großaktionär Katar und bei Glencore-Chef Glasenberg für eine Einigung geworben haben.

NIEDRIGE BLOCKADE-SCHWELLE BEI XSTRATA

Im August hatte Glasenberg noch betont, dass ein Scheitern nicht das Ende der Welt sei. Es gehe "nicht um einen Deal, den man unbedingt machen muss". Um die Übernahme zu blockieren, benötigen die Gegner bei der Xstrata-Hauptversammlung gerade einmal 16,48 Prozent der Stimmen. Glencore selbst hält bereits 34 Prozent der Xstrata-Aktien, darf aber nach dem maßgeblichen britischen Recht bei der Übernahme nicht mitstimmen.

Neben dem Golfstaat Katar, der erst nach dem Übernahmeangebot vom Februar seinen Anteil an Xstrata von 3 auf 12 Prozent erhöht hatte, forderten auch andere wichtige Aktionäre wie Fonds einen höheren Preis. Damit war der Anteil der skeptischen Aktionäre zuletzt bereits nahe an der kritischen Schwelle. Katar hatte zuletzt 3,25 Aktien pro Xstrata-Anteilsschein gefordert.

ENDE DES ROHSTOFFBOOMS BEFÜRCHTET

Manche Beobachter sehen in dem laufenden Übernahmeversuch bereits auf absehbare Zeit die letzte Chance für einen großen Zusammenschluss. Denn in der Branche wachsen die Befürchtungen, dass sich der jahrelange Rohstoff-Boom angesichts der sich weltweit eintrübenden Wirtschaftsaussichten einem Ende nähert. Im vergangenen halben Jahr hat sich das Klima für Rohstoffkonzerne bereits deutlich verschlechtert. Vor allem bei einer Reihe von Industrie-Rohstoffen sind die Preise kräftig zurückgegangen. Die Bergbauunternehmen meldeten daher kräftige Gewinnrückgänge. In einem solchen Umfeld sind Großübernahmen nicht mehr besonders attraktiv.

Mit der Übernahme von Xstrata durch Glencore soll eine Gesellschaft mit einem Jahresumsatz von fast 210 Milliarden Dollar entstehen. Gemeinsam würden die beiden Unternehmen die gesamte Kette der Wertschöpfung von der Förderung über den Transport bis zum Verkauf von Bodenschätzen unter einem Dach vereinen und damit über eine entsprechende Marktmacht verfügen. Beide Konzerne haben vor allem aus steuerlichen Gründen ihren Hauptsitz nur wenige Kilometer voneinander entfernt im Schweizer Kanton Zug./enl/zb/kja

Quelle: dpa-AFX