MÜNCHEN (dpa-AFX) - Europas größter Versicherer Allianz (Allianz Aktie) ist überraschend gut durch das zweite Quartal gekommen. Ein Jahr nach den großen Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen verdiente der Konzern wieder deutlich mehr und übertraf die Erwartungen der Branchenexperten. "Unser operatives Geschäft ist stabil und bleibt auf Kurs", sagte Vorstandschef Michael Diekmann am Freitag bei der Vorlage der Quartalszahlen in München. Für das laufende Jahr zeigte sich der Manager zuversichtlich, wie geplant einen operativen Gewinn von 7,7 bis 8,7 Milliarden Euro zu erzielen. Nach den ersten sechs Monaten ist davon mit 4,7 Milliarden Euro bereits mehr als die Hälfte erreicht.
Zwischen April und Juni verdiente die Allianz unter dem Strich gut 1,2 Milliarden Euro, rund 23 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Erdbeben in Norditalien, schwere Unwetter in Deutschland und ein Tornado in den USA warfen den Konzern nicht aus der Bahn. Trotz Katastrophenschäden in Höhe von 174 Millionen Euro legte der operative Gewinn um drei Prozent auf knapp 2,4 Milliarden Euro zu. Der Umsatz verbesserte sich um 2,5 Prozent auf 25,2 Milliarden Euro. DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel zeigte sich mit den Zahlen zufrieden und bestätigte seine Kaufempfehlung für die Aktie. Das im Dax (DAX) notierte Papier legte zu Handelsbeginn mit einem Plus von fast einem Prozent mehr zu als der Markt.
NACHWIRKUNGEN AUS THAILAND
Während die Lebens- und Krankenversicherung und die Vermögensverwaltung ihre Ergebnisse um gut ein Fünftel steigern konnten, ging es in der Schaden- und Unfallversicherung um 16 Prozent abwärts. Als Grund führte die Allianz die schweren Überschwemmungen in Thailand an, die Ende 2011 für schwere Schäden gesorgt hatten. Dafür legte der Versicherer im zweiten Quartal zusätzlich 120 Millionen Euro zur Seite. Dennoch steuerte das Schaden- und Unfallgeschäft fast die Hälfte zum operativen Gewinn des Konzerns bei.
Auch für das dritte Quartal sind die ersten Katastrophenschäden bereits absehbar. Von den schweren Unwettern und Überschwemmungen, die seit Anfang Juli unter anderem Deutschland, die Schweiz, Russland und China trafen, erwartet die Allianz eine Belastung von bis zu 100 Millionen Euro. Die anhaltende Dürre in den USA könnte zudem für Verluste in der Ernteausfallversicherung sorgen, heißt es im Geschäftsbericht.
AKTIEN SIND WENIGER WERT
Im Gegensatz zum Vorjahresquartal, als Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen das Quartalsergebnis belastet hatten, blieben dem Konzern nun größere Wertberichtigungen auf Schuldpapiere erspart. Allerdings schlug die desolate Entwicklung der Banken ins Kontor: Die Abschreibungen auf Aktien vervierfachten sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 200 Millionen Euro.
Zur Jahresmitte hatte die Allianz noch 34,9 Milliarden Euro in Staatsanleihen der Euro-Schuldenstaaten investiert. Der Großteil davon entfällt mit 31,1 Milliarden Euro auf Italien, kleinere Anteile auf Spanien, Portugal und Irland, während Griechenland fast keine Rolle mehr spielt. Insgesamt stellen die Anleihen der fünf Staaten acht Prozent der gesamten festverzinslichen Anlagen des Versicherers.
In Italien ist die Allianz wegen der dortigen Lebensversicherungskunden besonders stark engagiert. Die unrealisierten Verluste bei italienischen Staatsanleihen summieren sich auf fast zwei Milliarden Euro, ein Großteil davon entfällt allerdings auf die Versicherungsnehmer. Die Allianz selbst müsste nach Steuern davon nur 333 Millionen Euro tragen./stw/zb/kja