Freiburg (dpa) - Der Halloween-Boom ist nach Ansicht des Kulturwissenschaftlers Werner Mezger Ausdruck einer zunehmenden Verunsicherung in der Bevölkerung. «Die Sinnsuche und die Frage nach der eigenen Vergänglichkeit spielen dabei sicher eine Rolle», sagte der Freiburger Volkskundler in einem dpa-Gespräch. Auch wenn dieser Gedanke häufig überspielt werde, deute die Annäherung an das Gruselige auf eine Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit hin. Zudem suchten viele Halloween-Anhänger Zerstreuung und Ablenkung vom Alltag.
«Ich halte wenig von Kreuzzügen gegen Halloween», sagte Mezger. Kirchliche Bestrebungen, dieses Fest im wahrsten Wortsinn zu verteufeln, lösten das Problem nicht. «Es sollte eher positiv gesehen werden, dass viele Menschen auf der Sinnsuche sind», sagte er. Von einem Untergang des Abendlandes könne nicht die Rede sein. «Es könnte durchaus sein, dass die traditionellen kirchlichen Angebote, der Toten zu gedenken, nicht mehr die Kraft haben, die jungen Leute dort abzuholen, wo sie stehen», sagte der Volkskundler.
«Halloween beinhaltet Versatzstücke aus verschiedenen bekannten Festen des Spätherbst», sagte Mezger, Professor für Volkskunde und Europäische Ethnologie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Der Kürbis als eine Art Wahrzeichen finde sich im Erntedank wieder. Die Erinnerung an den Tod gehöre zu Allerheiligen, die Bettelbräuche zum rheinischen St.-Martinsfest und das Verkleiden zum Karnevalauftakt am 11. November.
