Meine aufregenden Milleniumsabenteuer in Berlin.

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Meine aufregenden Milleniumsabenteuer in Berlin. Garion
Garion:

Meine aufregenden Milleniumsabenteuer in Berlin.

 
01.01.00 20:11
#1
Hier mein Bericht für alle, die schlauer waren als ich und nicht in Berlin den Jahreswechsel gefeiert haben:

Alles fing ja damit an, daß ich gestern gegen 16.30 Uhr zum letzten Mal im vergangenen Jahrtausend das Brandenburger Tor durchschritt. Wobei "durchschritt" sicherlich das falsche Wort ist. "Durchgeschoben" liegt wesentlich näher an der Wahrheit. Nach einer Runde um die blaue Siegessäule fand ich mich dann auch vor der Sat.1 Bühne in einer Menschenmenge wieder, die völlig unkoordiniert hin und her rannte. Das ging dann so lange, bis überhaupt nichts mehr ging. Auf der Bühne sangen grade Modern Talking (*kotz*) und zu allem Überdruß fing die Menge um mich herum plötzlich an zu grölen: "Das ist Waaaaaahnsinn. Warum schickst du mich in die Hööööööllle, Hölle, Hölle, Hölle, Hölle." Erst gegen 18.00 gelang es einer kleineren Gruppe, der ich glücklicherweise angehörte, sich in die rechsseitige Vegetation drängen zu lassen und somit dieser akustischen Folter zu entgehen.
Danach wollte ich durchs Brandenburger Tor zurückgehen, was nicht ging, weil schon alles abgesperrt war. Ich mußte mich also durchs Adlon kämpfen und kam eine weitere halbe Stunde später endlich am U-Bahnhof Friedrichstraße an und konnte zu meiner Party fahren.
Dort blieb ich aber nicht lange. Gegen 22.30 Uhr kam da nämlich der Gedanke auf: "Hey Leute! Wir gehen jetzt mal zum Brandenburger Tor."
Ich rief: "Nein, nein! Nicht! Wollt ihr denn schon alle so jung sterben?"
Ich wurde überstimmt und schloß mich in einem Anfall geistiger Umnachtung dieser Suizid-Selbsthilfegruppe an.
Naja. Wir stiegen U-Bahnstation Stadtmitte aus und kämpften uns durchs Katastrophengebiet in dem bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten.

Erstaunlicherweise fanden wir durch eine Seitenstraße Zugang zu "Unter den Linden", obwohl die Straße eigentlich "In den Linden" hätte heißen sollen, betrachtete man den zahlreichen menschlichen Baumschmuck.
Dann nahmen wir uns an die Hände, um uns nicht zu verlieren und ließen uns von der strömenden Menschenmenge Richtung Schauplatz der Apokalypse treiben.
Mehrmals geschah es dabei, daß von uns am Straßenrand stehende Personen einfach mitgerissen wurden und erst nach hundert Metern der Menschenflut wierder entrinnen konnten.
Vor der russischen Botschaft flüchteten wir schließlich auf den Mittelstreifen, wo ein wenig mehr Platz war und warteten die letzten 40 Minuten bis zum Weltuntergang.
Der kam dann auch prompt und ich lernte zwei neue Sportarten kennen.
Kollektives Sektduschen und Böllerslalom.
Gegen 00.30 retteten wir uns dann zur S-Bahnstation Friedrichstraße, was in dem Pulvernebel und den knöchelhoch in den Straßen liegenden Glasscherben nicht einfach war.
Nun wollten wir mit einer S-Bahn zurück zu unserer Party fahren, was nicht ging, weil sich ein Selbstmörder vor die Bahn geworfen hatte. Wir mußten also ein anderes Gleis benutzen und erreichten nach einer Fahrt im Schritttempo S-Bahnstation Wilmerstraße (?). Dort angekommen stiegen wir in die U-Bahn um, worin unter anderem ein Mann mit einer geladenen Pistole und eine Tunte in Rock und fluffigem Federschal mitfuhren.
Gegen 1.30 erreichten wir dann wieder unsere Party, wo ich mich anschließend über eine Stunde lang mit einer jungen Frau über die Gesellschaft, Gott, Meditation und den Sinn des Lebens unterhielt. Danach fragte sie mich, ob ich kiffe, weil Münster ja so dicht an der holländischen Grenze liegt.
Jaja. Aber schön wars.

Was habt ihr so erlebt?

Garion

P.S. Ist mein lieber estrich gesund und munter aus Antalya zurück???
Meine aufregenden Milleniumsabenteuer in Berlin. mob1
mob1:

Tja Garion, ...

 
02.01.00 16:52
#2
so ist das in Berlin halt. Ich, als Berliner, habe lange mit
mir gerungen, ob ich mich auch in die Menschenmassen stürzen
solle, und auch mir wurde die Entscheidung abgenommen - ich war
ebenfalls da ! Und es war einfach nur eine geniale Nacht. Eine
Feier ist halt immer so schön, wie man sie sich selber macht.
PAAAAAAARTYYYYYYY ! Es ist zwar reine Oberflächlichkeit, aber
trotzdem schön, alle Alltagsprobleme vergessen zu könne und sich
mit wildfremden Menschen in den Armen zu liegen und zu feiern.
Ich fand's toll, war bis um 6.00 unterwegs - und um 11.00 schon
wieder arbeiten.

Dein Selbstmörder war eigntlich garkeiner. Der arme Mensch
aus dem Sachsenlande ist meines Wissens aus Unachtsamkeit
im Bahnhofsbereich auf der falschen Seite ausgestiegen ( einer
der alten Züge ), ins Gleisbett geplumpst und in Berlin sind
einige Strecken halt doch stark frequentiert.

So long - mein
Silvester war genial !


MOB
Meine aufregenden Milleniumsabenteuer in Berlin. estrich
estrich:

Ich weiß gar nicht was du willst.

 
02.01.00 23:42
#3
So geht es jeden Tag in Berlin zu. Für dich als verweichlichten Provinzler ist das vielleicht ein bisschen erschreckend, das kann ich ja verstehen, aber jetzt siehst du, was ICH für einen Alltag habe!

gruß estrich
Meine aufregenden Milleniumsabenteuer in Berlin. Kicky
Kicky:

Garion hat recht,ich fand es schon am frühen Abend fürchterlich,die Musi.

 
03.01.00 00:36
#4
von beiden Seiten des Tiergartens,Menschenmassen schoben sich die Hauptstrassen entlang,während ich mit meinem Hund mutterseelenallein durch den Park lief.Vor unserem Haus war eine grosse Qualmwolke und ständige Kanonenschläge,ein Glück,dass mein Hund schussfest ist.Um Mitternacht war das Feuerwerk so gross,dass die ganze Stadt im braunen Nebel lag,darüber irrte ein Flugzeug im Kreis herum,die Krähen waren völlig verwirrt und suchten Schutz auf dem Fensterbord.Am nächsten Tag alles voller Glassplitter und Feuerwerksreste,so verdreckt habe ich Berlin noch nie erlebt,auch der Tiergarten ist vollgemüllt.Man muss sicher sehr stabil sein,um an so etwas Freude zu haben.
Der Mann ,der überfahren wurde ,stieg aus der haltenden S-Bahn aus ,um zu pinkeln.Ein entgegenkommender Zug erfasste ihn.Er soll aus Sachsen-Anhalt gewesen sein.Die Züge konnten anscheinend längere Zeit nicht fahren,weil immer wieder Menschen auf den Gleisen liefen.
Da lob ich mir die Ruhe auf dem Land!
Meine aufregenden Milleniumsabenteuer in Berlin. ProMaiLer
ProMaiLer:

Sylvester

 
03.01.00 00:45
#5
och, das mit den knarren ist bei uns eben so üblich.

ich war jedenfalls auf dem teufelsberg, ein schuttberg aus dem 2.weltkrieg am rande der stadt im grunewald.

von dort hat man eine herrliche sicht bis zum alex.
nicht so in dieser nacht. nicht das die vielleicht 20.000 köpfe im weg waren, der rauch des feuerwerks hat es nach einer gewissen zeit unmöglich gemacht, auch nurnoch 2 lichter in der stadt zu sehen.
irgendwie gespennstisch.

aber dabei hatte ich ja noch glück überhaupt etwas zu sehen.
irgendetwas ist, laut knallend und funken sprühend, vor mir explodiert.

als kleines andenken habe ich jetzt eine brandblase einen halben zentimeter unterhalb meines rechten auges.

in berlin zu feiern ist manchmal echt nicht mehr schön!
hier laufen einfach zu viele beklpoote rum.
es ist ja auch schon eine art volkssport, mit sylvesterknarren auf busse oder fremde leute zu schiesen.

und wer die nacht in kreuzberg verbracht hat, durfe als besonderes sylvesterspecial mal wieder eine strassenschlacht zwischen autonomen und wasserwerfern bewundern.
(um dieses durchaus spannende geschenen besser betrachten zu können, empfehle ich als reisetermin nach berlin den 1.mai!)

wer gemütlich, friedlich und vorallem SICHER feiern will bleibt zuhause.

gruß
pm
Meine aufregenden Milleniumsabenteuer in Berlin. Garion
Garion:

Ach estrich, das ist in Berlin immer so?

 
03.01.00 04:47
#6
Jetzt verstehe ich auch, warum du manchmal (also eigentlich immer) so estrichartig bist! (geistige Zurechnungsfähigkeit und so)

*grins*

Grüsse
vom verweichlichten Provinzler

äh, ich meine natürlich:

Grüsse
von Garion
Meine aufregenden Milleniumsabenteuer in Berlin. _Xeus

Meine aufregenden Milleniumsabenteuer in Marburg.

 
#7
Genau das Gegenteil konntest Du in Marburg auf der HR3 Sylvesterparty erleben. Ich wollte eigentlich um 22:00 Uhr da sein und mich mit einem Freund treffen, leider kamm der "Sonderbus" eine Stunde zu spaet. Eben ein "Sonderbus". Naja, ich hatte eine Karte fuer das "All Inclusive" Zelt (Kostenpunkt 180 DM !).
Nachdem ich freudig ins Zelt gestampft war wollte ich natuerlich gleich was kraeftiges Essen und Trinken. Tsja, die Auswahl war fuer den Preis jedenfalls enttaeuschend. Schweine- und Rindfleich, ein bischen Salat, Reis und Kartofeln und das wars auch schon im großen und ganzen. An der Bar gabs Sekt (zwei Sorten!), Bier und Cola, Fanta, Wasser.
Die Musik war in den Zelten fuer 45 DM deutlich besser, aber ueber Musik laesst sich ja streiten. Auf jeden Fall gabs im "All Inclusiv Zelt" auch Hölle, Hölle, Hölle und Konsorten.
Nachdem ich von einer "netten" dort als "Türsteherin" beschäftigen Dame (die wohl kaum genervt war) zweimal angeschnauzt worden bin, ich solle mich doch benehmen, daß sei ja schliesslich kein Kindergarten, weil ich einmal mit Sekt herrum gespränkelt habe und ein anderes mal mit einem Freund auf diese "Foltermusik" versucht habe zu tanzen und dabei (ohne was umzuschmeissen!) ein bischen nah an einen Tisch mit Sektgläsern und Flaschen herrangekommen bin, hatte ich meine Hoffnungen ganz auf das Feuerwerk gesetzt.
Tsja, das haette man sich aber auch schenken können. Die drei Lichter am Horizont waren ebenfalls enttäuschend.
Der eigentliche Witz aber: Die haben um 4:30 Uhr den Laden dicht gemacht !

Guss,


Xeus aus der Provinz


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