Kommentar zu Lycos-Fehlstart

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Kommentar zu Lycos-Fehlstart Firefly

Kommentar zu Lycos-Fehlstart

 
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Aktien von Lycos Europe legen Fehlstart hin

Anleger frustriert: Papiere des Internet-Portals rutschen sofort ins Minus - Analysten äußern Kritik an überzogener Preisfindung



Berlin - Die Freude der Anleger über eine Zuteilung der Lycos Europe-Aktien währte nur kurz: Der vermeintliche Schatz, den jeder fünfte Zeichner am Morgen ins Depot gelegt bekam, entpuppte sich schnell als faules Ei. Statt hoher Zeichnungsgwinne startete die Aktie nur auf Höhe des Ausgabepreises und fiel zwischenzeitlich bis auf 22,10 Euro im Xetra-Handel.

"Die Investoren lassen nicht alles mit sich machen", kommentierte ein Emissionsexperte. "Wer den Ausgabekurs überreizt, wird vom Markt abgestraft." Wie viele seiner Kollegen kritisiert er die Preisfindung der Konsortialbanken Deutsche Bank und Goldman Sachs. Während noch Anfang März die meisten Beobachter von einem Ausgabekurs von gut zehn Euro ausgingen, langte Lycos Europe schließlich viel kräftiger zu - die Papiere wurden zu 24 Euro zugeteilt. "Der Preis wurde in einem euphorischen Marktumfeld gemacht - das konnte nicht gutgehen", kritisiert ein Fondsmanager.

Auch andere Experten schütteln den Kopf über den Mondpreis bei der Emission. "Als Vorbild für Lycos Europe diente Yahoo - das wäre so, als wenn man eine Würstchenbude mit den Bewertungsmaßstäben von McDonalds an den Markt brächte." Tatsächlich gilt in der Branche ein Abschlag zum Marktführer von 30 Prozent als Regel. In den USA ist der Bewertungsunterschied von Lycos und Yahoo sogar noch größer - beim Kurs/Gewinn-Verhältnis beträgt er fast 50 Prozent.




Auch das Businessmodell des zweitgrößten Internet-Portals ist bei Analysten nicht sonderlich beliebt. "Mit dem werbefinazierten Portal handelt es sich um ein uraltes Konzept. Doch nur der Marktführer wird hier richtig verdienen können", sagt ein Analyst. Das Fatale: Auf der einen Seite müsse das Unternehmen immer mehr für das eigene Marketing ausgeben, auf der anderen Seite bekomme Lycos aufgrund des wachsenden Konkurrenzdruckes immer weniger vom Internet-Werbeaufkommen ab. Er rät zum Verkauf der Aktie. Ein Kollege aus der deutschen Bankenhauptstadt sieht den Kurs von Lycos schon in den nächsten Tagen unter 20 Euro fallen. "Es hat sich gezeigt, dass ein Fehlstart an der Börse in den ersten Handelstagen zu weiteren Verkäufen führt." Wesentlich höher im Kurs stehen bei Analysten hingegen Unternehmen mit anderen Geschäftsmodellen. "Im Internet läuft nicht mehr alles. Business-to-Business oder mobile Internetanwendungen sind die Trends", sagt André Jäckel von der BHF-Bank. Auch andere Internetunternehmen wie World Online. Travel24.com und Lastminute.com enttäuschten in den vergangenen Tagen.
Doch das Lycos-Debakel hat Kleinaktionäre wie Profis gleichermaßen kalt erwischt. "Ich hatte gedacht, dass aufgrund der knappen Angebots an europäischen Technologieaktien der Titel auch ohne überzeugende Story laufen kann", sagt ein Fondsmanager, der bereits nach wenigen Minuten seine Anteile an der Börse verkauft hat. Auch viele seiner Kollegen, so ergab eine Umfrage der WELT, verkauften Lycos Europe. "Und wenn die Privaten sehen, dass sich kein Gewinn abzeichnet, schmeißen sie ihre Papiere auch noch auf den Markt", sagte ein Händler in Frankfurt.

Die Kurspflege der Konsortialbanken, so mutmaßen Händler, konnten die Stimmung nicht grundlegend ändern. Bei jeder Emission steht in der Regel eine Mehrzuteilungsoption, der so genannte Greenshoe, zur Verfügung. Dieser wird bei hoher Nachfrage meist sofort mitzugeteilt, kann jedoch innerhalb der ersten Handelswoche wieder vom Markt genommen werden. So vermögen die Konsortialbanken, den Kurs vor dem Sturz ins Bodenlose zu bewahren. Liegt die Erstnotiz hingegen über dem Ausgabekurs, wird der Greenshoe voll ausgeübt, das heißt die Mehrzuteilung im Markt belassen. Bei Lycos ist der Greenshoe auf 4,2 Mio. Stücke festgelegt worden, insgesamt könnten so bis zu 32,2 Mio. Aktien emittiert worden sein.

Dass der Börsengang von Lycos zum Flop zu werden droht, wundert Kenner der Szene wenig. So hatten einige Neuemissionen der Deutschen Bank wie Maxdata oder Graphisoft Startschwierigkeiten. Wenig überzeugend ist auch die Bilanz von Goldman Sachs. Ein Drittel dieser Neuemissionen werden unter ihrem Ausgabekurs gehandelt. "Einige der schlechtesten IPOs sind von Goldman begleitet worden", erklärt Tom Taulli, Analyst bei Internet.com. So rutschte der Aktienkurs von 1-800-Flowers.com um 68 Prozent ab, EToys büßten 37 Prozent ein. Allerdings gibt es auch Licht, wo Schatten ist: Beim erfolgreichen Börsengang von Infineon waren ebenfalls Goldman Sachs und die Deutsche Bank Konsortialführer. hz/mik/Bloomberg


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