Für die, die es interessiert: Die Holzmann Chronik

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Für die, die es interessiert: Die Holzmann Chronik stonimahony

Für die, die es interessiert: Die Holzmann Chronik

 
#1
   Frankfurt, 25. Nov (Reuters) - Der Baukonzern Philipp
Holzmann AG hat am Donnerstag nach einer Einigung mit
den Kreditgebern seinen Insolvenzantrag beim Amtsgericht
Frankfurt zurückgezogen. Nachfolgend eine Chronik der Ereignisse
der Holzmann-Krise:
   31. August - Holzmann erklärt, im Jahr 1999 erstmals seit
vier Jahren wieder die Gewinnschwelle erreichen zu wollen.
15. November - Holzmann teilt mit, eine Neubewertung der
Problembereiche habe zu einer Überschuldung geführt. Mit den
wichtigsten Gläubigern seien Gespräche aufgenommen worden, um
ein Insolvenzverfahren abzuwenden. Die Ergebnisbelastungen
beziffert Holzmann mit 2,4 Milliarden DM. Zur Sanierung wird
unter anderem der Abbau von 3000 Arbeitsplätzen vorgeschlagen.
15. November - Die Aktie der Philipp Holzmann wird noch vor
Börsenbeginn vom Handel ausgesetzt. Schlusskurs vom 12.
November: 125 Euro.
16. November - Die Deutsche Bank erklärt, die Sanierung bei
Holzmann zu unterstützen, wenn alle Beteiligten an einem Strang
ziehen. Holzmann sieht sich jetzt völlig von den Banken
abhängig. "Wir sitzen hier mit schwitzenden Händen, während man
über unser Schicksal entscheidet", sagt ein Sprecher.
16. November - Die Staatsanwaltschaft teilt mit, sie
ermittle gegen ehemalige Verantwortliche der Holzmann wegen des
Verdachts auf Untreue, Betrug und Bilanzfälschung.
   17. November - Zeitungsberichten zufolge lehnen einige
Gläubigerbanken das Holzmann-Konzept zur Sanierung ab.
18. November - Holzmann trifft sich mit den Gläubigern.
Ergebnisse werden zunächst nicht bekannt. Der ehemalige
Vorstandschef Lothar Mayer weist in einem Reuters-Interview

Vorwürfe im Zusammenhang mit der Finanzkrise zurück.
19. November - Mehrere hundert Holzmann-Mitarbeiter
demonstrieren vor der Holzmann-Zentrale in Frankfurt für den
Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Die Commerzbank teilt mit, sie sehe
keine Basis für eine Einigung auf ein Sanierungskonzept.
Holzmann erklärt dazu: "Das wäre tödlich für uns."
19. November - Holzmann stellt einen Rettungsplan vor, der
Einsparungen, Restrukturierungen und Kapitalmaßnahmen
beinhaltet. Neben den schon genannten 3000 Arbeitsplätzen ist
dabei vom Wegfall weiterer 1800 Stellen die Rede. Holzmann
erklärt, sollte es nicht zu einer Einigung kommen, müsse
Insolvenz beantragt werden. Der Baukonzern mit seinen 28.000
Beschäftigten erklärt, dies würde zusätzlich bei anderen
Unternehmen bis zu 40.000 Arbeitsplätze kosten.
20. November - In Bankenkreisen heißt es, die Chancen auf
ein Überleben des Holzmann-Konzerns stünden bei "40 Prozent". Es
gebe Unstimmigkeiten unter den Banken, wie sehr sich die
einzelnen Institute jeweils finanziell engagieren sollten.
   21. November - Holzmann sichert seine Materialien auf den
Baustellen. "Wir müssen da jetzt schon aufpassen. Nicht, dass
die Leute denken, wir sind pleite und sie können das Zeug
wegräumen", sagt ein Sprecher.
   21. November - Holzmann und seine Kreditgeber treffen sich
in Frankfurt. Holzmann spricht von einer "sachlichen
Gesprächsatmosphäre".
   22. November - Nach mehr als 15 Stunden Verhandlungen teilt
Holzmann mit, die Verhandlungen seien gescheitert. Es habe
einige Banken gegeben, die sich nicht an Überbrückungskrediten
hätten beteiligen wollen. Es gebe nun keine Möglichkeit mehr,
ein Insolvenzverfahren zu verhindern. An 1200 deutschen
Baustellen müsse die Arbeit eingestellt werden.
   22. November - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nennt
die Entwicklung "bedauerlich". "Was die Bundesregierung
unterstützend tun kann, wird sie zun - aber das ist, wie sie
wissen, nicht viel." Der Kanzler erklärt sich zu einem
Spitzengespräch mit Holzmann und den Gläubigern bereit. Die
Finanzlücke bei den Krediten sei nicht so groß, als dass ein
Konkurs verantwortbar wäre, sagt Schröder.
   22. November - Mehrere Banken weisen Vorwürfe zurück, sie
seien für das Scheitern verantwortlich. Die Aktien anderer
Baukonzerne steigen teils kräftig im Kurs. "Eine Baufirma
weniger entschärft die Konkurrenzsituation", sagt ein Händler.
   22. November - Der Holzmann-Betriebsrat kündigt bundesweite
Proteste an und wirft den Banken "abgekartetes Spiel" vor. Vor
der Holzmann-Zentrale in Frankfurt trommeln wütende Bauarbeiter
mit ihren Fäusten gegen die Eingangstüren: "Wir wollen rein!"
   23. November - Holzmann stellt einen Insolvenzantrag beim
Amtsgericht Frankfurt. Hessens Ministerpräsident Roland Koch
(CDU) konnte zuvor Bankenvertretern bei einem Treffen nicht zum
Einlenken bewegen. Die Aktie der Philipp Holzmann AG kann
erstmals seit dem 12. November wieder gehandelt werden und
bricht um rund 90 Prozent von 125 Euro auf elf Euro ein.
   23. November - Bundeskanzler Schröder erklärt, er sehe noch
Chancen für Holzmann. Er sei bereit, am kommenden Tag mit
Bankenvertretern und Holzmann zu sprechen. Es sei aber noch zu
früh, um über ein Engangement des Bundes zu sprechen. Eine
Pleite bei Holzmann wäre für den Wirtschaftsaufschwung in
Deutschland ein Rückschlag, sagt Schröder. Die Europäische
Kommission erklärt, sie würde jede Form der Staatsbeihilfe für
Holzmann untersuchen.
23. November - Der stellvertretende SPD-Fraktionschef
Joachim Poß bringt eine Bundesbürgschaft in Höhe von 300
Millionen DM ins Gespräch.
   23. November - Die PDS stellt gegen die Commerzbank und die
Deutsche Bank im Zusammenhang mit Holzmann Strafanzeige wegen
Untreue, Konkursverschleppung und Beihilfe zum Betrug. Die
Banken hätten sich jahrelang an der Verschleierung der wahren
Finanzlage des Baukonzerns beteiligt, erklärt die PDS.    
  23. November - Der belgische Gevaert Holding, die 30 Prozent
an Holzmann hält, wirft dem Management des Baukonzerns Versagen
vor. Es sei unverständlich, dass noch vor Monaten von einem
ausgeglichenen Ergebnis gesprochen worden sei und jetzt
Belastungen enthüllt würden, die mindestens drei Jahre alt
seien.
   24. November - Der Bundesverband der Deutschen Industrie
spricht sich gegen eine Einmischung der Politik in
Firmenentscheidungen aus.
   24. November - Die Europäische Kommission teilt mit, die
Bundesregierung habe mit ihr wegen Holzmann Kontakt aufgenommen.
24. November - Die Holzmann Aktien schwanken werden seit
ihrer Wiederaufnahme zum Handel an der Börse mit Auf- und
Abschlägen von teils mehr als 50 Prozent. Händler sagen, die
langfristigen Investoren hätten sich aus der Aktie
zurückgezogen. Jetzt seien die Zocker im Spiel. Die Aktie
beendet den Tag mit einem Plus von 56,3 Prozent auf 36,11 Euro.
   24. November - "Holzmann lebt", ruft Gerhard Schröder in
Frankfurt nach seinem Gespräch mit den Banken den vor der
Konzernzentrale wartenden Holzmann-Mitarbeitern zu. Die
Arbeitsplätze bei Holzmann seien gesichert. Die Banken hätten
gesellschaftspolitische und volkswirtschaftliche Verantwortung
bewiesen. Die Bundesregierung werde zu dem Rettungspaket 250
Millionen DM beitragen. Die Banken erklären, die Voraussetzung
für die Sanierung von Holzmann seien geschaffen.
25. November - Bankenkreise und der Mittelstand kritisieren
das Vorgehen bei der Sanierung als "Wettbewerbsverzerrung." Der
Bund habe einen Konzern gerettet, der zuvor mit Dumpinglöhnen am
Bau kleinere Unternehmen in den bankrott getrieben habe.
   25. November - Holzmann zieht seinen Insolvenzantrag beim
Amtsgericht Frankfurt zurück.
rbo/brn


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Thursday, 25 November 1999 15:05:47
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