+ + Derzeitige Situation des japanischen Aktienmarktes + +

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die derzeitige Situation des japanischen Aktienmarktes.

Yen-Stärke belastet die Exportwerte / Am japanischen Aktienmarkt überwiegt
derzeit Skepsis / Problemfall Binnenwirtschaft

Nicht einmal mehr außergewöhnlich frohe Botschaften konnten in den
Septemberwochen die Investoren der Welt für den japanischen Aktienmarkt
begeistern. Als am Mittwoch vergangener Woche das Tokioter Ministerium für
Internationalen Handel und Industrie (Miti) eine Erhöhung der japanischen
Industrieproduktion im Monat August in Höhe von 4,6 Prozent gegenüber dem
Vormonat verkündete, ließen sich die Anleger nicht hinter den Öfen
hervorlocken.

Trotz dieses größten Anstiegs in den vergangenen zwei Jahren gab der
Nikkei-Index am selben Tag erneut nach. Zwar konnte der Index bis zum
Wochenschluss noch zulegen, da Pensionsfonds zum Monatswechsel ihre
Portfolios aufstockten, doch insgesamt scheint es, als wirkten kurzfristige
Erfolgsmeldungen derzeit eher wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Alles
überlagernd wirkt der massive Kursanstieg des Yen, der den Anlegern die
Sorgenfalten in die Stirn treibt. Seit Mitte Juli animiert diese Entwicklung
insbesondere die inländischen Investoren zu Verkäufen exportorientierter
Werte.

Der Nikkei-Index purzelte seither um rund fünf Prozent in die Tiefe. Hatte
vorwiegend ausländisches Kapital den Index in der ersten Jahreshälfte noch
von 14000 Punkten bis auf 18500 Punkten in die Höhe katapultiert, dümpelt das
Börsenbarometer mittlerweile wieder bei rund 17700 Zählern.

Paradoxerweise ist - trotz dieser Erfolgsmeldung - die nach wie vor

ungünstige wirtschaftliche Großwetterlage in Nippon für die Yen-Hausse
ursächlich. Das Land - immerhin größter Gläubiger der Welt - braucht Kapital
für die weitere Umsetzung der langsam in Gang gekommenen Umstrukturierungsaufgaben.
Japanische Anleger schaffen, auch von der Angst vor einem Börsen-Crash an der
New Yorker Wall-Street getrieben, wieder fest entschlossen ihre Gelder über den
Pazifik heran und wählen dann vorwiegend den sicheren Anleihehafen oder horten
Liqudität. Zuströmendes Auslandskapital steht indes für die Erwartung einer
baldigen Erholung der Volkswirtschaft. Diese Entwicklungen führten nunmehr
dazu, dass der US-Dollar nur noch bei rund 103 Yen notiert. Noch im Sommer des
vergangenen Jahres kostete eine Einheit der amerikanischen Währung 147 Yen.

Hoffnungen, die die japanischen Finanzkapitäne in das Washingtoner Treffen
der G7-Finanzminister vom vorvergangenen Wochenende gesetzt hatten, wurden
schroff zerstört. Mit dem Verzicht auf eine konzertierte Aktion gegen die
Yen-Aufwertung handelte sich Nippon eine gehörige Abfuhr ein. Über eine
expansivere Geldpolitik solle man zuerst seine eigenes Haus in Ordnung
bringen, so die Argumentation der G7-Runde. Insbesondere müsse man die
Binnennachfrage stimulieren und damit den Konjunkturaufschwung stärken,
hieß es.

Doch die japanischen Notenbanker weigerten sich bislang beharrlich, den
Markt mit Yen zu überfluten. Nicht zu unterschätzen ist dabei allerdings die
Gefahr, den USA im Falle des fortdauernden Yen-Anstiegs unliebsame
Zugeständnisse in den chronisch angespannten Handelsbeziehungen machen zu
müssen, um sie doch noch für gemeinsame Interventionen an den Devisenmärkten
zu gewinnen. Denn für die Amerikaner ist die Dollar-Schwäche bis dato noch
nicht weit genug fortggeschritten, als dass sie für die heimischen Aktien-
märkte zum ernsthaften Problem wird. Solange diese Entwicklung nicht über
einbrechende Aktienkurse und nachlassender Konsumtätigkeit konjunkturelle
Schwierigkeiten mit sich bringt, können sich die Amerikaner müßig zurücklehnen.

Wohlwissend um die Aussicht, dass sich die Yen-Stärke voraussichtlich erst
gegen Ende des Jahres in den Auftragszahlen der japanischen Exportunternehmen
niederschlagen wird, werden die Finanzregenten um Präsident Obuchi und
Notenbank-Gouverneur Hyami die Entwicklung jedoch nicht allein auf sich
beruhen lassen. Denn die bislang erfolgreiche Exportindustrie mit den Giganten
Sony, NEC und Fujitsu lieferte in diesem Jahrzehnt noch das einzige Indiz für
eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung in Nippon. Im Ergebnis steht immerhin
ein Überschuss in der Handelsbilanz in Höhe von 3,9 Prozent des Bruttoinlands-
produktes (BIP). Die Binnenwirtschaft mit den Banken und Versicherungen
präsentiert sich dagegen nach wie vor unterentwickelt.
Zu starke Regulierungen verhinderten eine Anpassung an die dynamische globale
Entwicklung. In puncto Industrieproduktion prognostizieren Analysten trotz des
jüngsten Aufschwungs für die nahe Zukunft wieder Rückschläge.
Hinzu kommt die nachlassende Kapazitätsauslastung. Größtes Problem freilich
ist die Beharrlichkeit, mit der die Japaner seit Jahren Konsumverzicht
praktizieren. Höchststände bei der Arbeitslosenquote von nahezu
fünf Prozent tragen ihr übriges dazu bei. Ein düsteres Konjunkturbild
zeichnen infolgedeessen etwa die Japan-Experten der Deutschen Bank, die im
laufenden Fiskaljahr eine stattliche Schrumpfung des BIP in Höhe von fünf
Prozent vorhersagen.

In der jüngeren Vergangenheit sahen die japanischen Wirtschaftspolitiker
stets im klassischen ,Deficit spending" ihr Allheilmittel, um den Konjunktur-
motor in Fahrt zu bringen. Doch die Programme verpufften mit größter Stetig-
keit, eine Staatsverschuldung in Höhe von 120 Prozent des BIP ist nunmehr
die Folge.
Marktbeobachter und Finanzpolitiker aus dem Ausland sehen insofern die erst
seit 18 Monaten vom Finanzministerium unabhängige Notenbank unter Zugzwang.
Zwar verkündete deren Chef Hyami noch vor einigen Tagen, Geldpolitik und
Währungspolitik seien zweierlei, doch darf man gespannt sein, wie lange die
Zentralbank den  Bogen der Yen-Stärke noch überspannen will. Dem japanischen
Aktienmarkt würden Lockerungen in der Geldpolitik zweifellos dienen. Nach
Ansicht nicht weniger Finanzauguren sind Taten umso mehr gefragt, als die
Abgabeneigung japanischer Aktien seitens inländischer Anleger anhalten wird.
Der Prozess der Auflösung wechselseitiger Kapitalbeteiligungen, die in Nippon
lange Tradition genießen, habe gerade erst begonnen. Kurssteigerungen würden
sich daher auch in Zukunft in Grenzen halten, heißt es vielerorts.



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