AUSBLICK: EZB unter Zugzwang - Finanzwelt sieht raschen Zinsschritt

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AUSBLICK: EZB unter Zugzwang - Finanzwelt sieht raschen Zinsschritt

 
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dpa-AFX-Nachricht (International / Konjunktur & Politik)


Donnerstag, 16.03.2000, 07:30

AUSBLICK: EZB unter Zugzwang - Finanzwelt sieht raschen
Zinsschritt

-- Olaf Zapke, dpa --

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Europäische Zentralbank (EZB) muss an diesem Donnerstag in Frankfurt Farbe
bekennen. Nahezu keine Gelegenheit haben die Währungshüter zuletzt ausgelassen, um die Finanzwelt auf
einen raschen Zinsschritt einzuschwören. Auffällig deutlich betonte die Führungsspitze um EZB-Präsident
Wim Duisenberg die Risiken für die Geldwertstabilität: anziehende Inflationsraten in den elf Euroländern,
unerwartet hohe Drehzahlen des Konjunkturmotors, eine rasant wachsende Nachfrage nach Krediten und
nicht zuletzt die "große Sorge" um den schwachen Euro. Mit großer Spannung erwartet die Finanzwelt nun den
Zinsentscheid des EZB-Rates.

Die führenden Volkswirte am Bankenplatz Frankfurt sind sich jedoch uneinig. Kaum ein Zweifel besteht darin,
dass die EZB noch im März an der Zinsschraube dreht. Unklar ist aber der genaue Zeitpunkt. "Das war ganz
klar eine Vorbereitungskampagne der EZB in den vergangenen Tagen", sagt Axel Siedenberg von der
Deutschen Bank. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung schon an diesem Donnerstag sei "sehr
groß". Der Volkswirt schränkt aber ein: "Ich glaube, die EZB-Ratsmitglieder wissen selbst noch nicht, was sie
tun werden."

Die Zentralbank sei vom kräftigen Aufschwung in Euroland etwas überrascht worden. Zudem müsse sie
schon heute die Weichen für 2001 stellen, argumentiert Siedenberg. Denn erst nach etwa einem Jahr macht
sich ein Zinsschritt in der realen Wirtschaft überhaupt bemerkbar. "Außerdem wäre es clever, wenn die EZB

der Fed diesmal zuvor kommt", so der Ökonom. Eine Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) bei ihrer Sitzung
am 21. März gilt nämlich ebenso als sicher.

Sollte die EZB in Frankfurt still halten und erst am 30. März in Madrid die Zinsanhebung beschließen, könnte
ihr dies erneut als Nervenschwäche und "Nachlaufen" hinter den Entscheidungen von US-Notenbankchef
Alan Greenspan ausgelegt werden. Dann wäre Duisenberg wiederum der Hase, der dem berühmten Igel mit
Verspätung folgt. Dies war ihm bereits Anfang Februar vorgehalten worden, als die EZB nur einen Tag nach
Greenspan auch an der Zinsschraube gedreht hatte. Seit dem liegt der wichtigste Leitzins für Euroland bei
3,25 Prozent.

Angesichts des anhaltenden Inflationsdrucks - ausgelöst vor allem durch den hohen Ölpreis und den
schwächelnden Euro - wäre auch diesmal keine Zeit für eine Schamfrist. "Die schnelle Zinserhöhung muss
und wird kommen", ist daher DG Bank-Chefvolkswirt Michael Heise überzeugt. Sein Institut erwartet die
Anhebung für Donnerstag. "Der Druck ist krass", sagt er. Die EZB werde die Chance ergreifen, eine "aktive,
führende Rolle" zu übernehmen und dieses Mal Greenspan zuvorkommen. Dies könne auch dem Euro
gegenüber dem Dollar helfen.

Bei der Dresdner Bank werden unterdessen noch Wetten angenommen. "50:50" schätzt ihr
Konjunktur-Experte Rolf Schneider die Chancen für eine Zinsanhebung am heutigen Donnerstag.
Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm sieht die EZB nicht unter Handlungsdruck. Entscheidend sei die
Datenlage über Konjunktur und Preisstabilität. Diese habe sich in den vergangenen Tagen nicht geändert.
Sein Institut erwartet die nächste Zinserhöhung deshalb Ende März oder im April. Die EZB-Spitze brauche
zudem keinen effektvollen Symbolakt. "Wir können den USA ruhig wieder den Vortritt lassen."/za/ba/DP

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