Angst fressen Software auf

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Angst fressen Software auf Al Bundy

Angst fressen Software auf

 
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Gefunden bei Spiegel Online:


Angst fressen Software auf

Von Jörg Häntzschel
Herren des Geldes wie Alan Greenspan oder Edward Yardeni warnen wahlweise vor Scheinkonjunktur, Rezession oder Börsenkrach. Doch gegen das, was im neugetauften Jahrtausend an der Wall Street passieren könnte, würde das weltweite Millenniumsspektakel ein Kaffeeklatsch gewesen sein.

Wenn am 1.1.2000 die Festplatte Ihres Computers leer ist wie die Champagnerflaschen vom Vorabend, liegt das nicht am Millennium Bug. Schuld sind die Computer-"Würmer", die sich zur Zeit via E-Mail fortpflanzen, um im Windschatten der Y2K-Aufregung klammheimlich Tabula rasa zu machen. Und wenn Sie am 1. Januar vergeblich am Geldautomaten stehen, so kaum, weil der sich am Beginn des 20. Jahrhunderts wähnt, sondern weil andere ihn bereits ausgeräumt haben. Nicht die veraltete Software sei das Problem, erklärte neulich Alan Greenspan, der Chef der US-Bundesbank, sondern die Angst der Menschen vor der unvorhersehbaren, wenn auch allen Voraussagen nach harmlosen Situation.

Noch wurde kein Supermarkt leergekauft, doch ein paar beunruhigende Meldungen dürften in der ereignisarmen Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr genügen, um einen sich selbst verstärkenden Run auf Lebensmittel auszulösen. Brauchen kann man das Zeug schließlich immer. Drei von fünf Amerikanern erklärten bereits, sie wollten vor Neujahr größere Mengen Bargeld horten. Telefongesellschaften fürchten indes, die Leitungen könnten zusammenbrechen, wenn Sekunden nach Mitternacht Millionen gleichzeitig den Telefonhörer abnehmen, um zu hören, ob da noch ein Freizeichen ist.

Selbst wenn die Panik in der Bevölkerung ausbleibt, sind wirtschaftliche Turbulenzen kaum zu vermeiden. Viele Firmen haben Vorräte angelegt, um ihre Produktion auch bei Lieferengpässen in Gang halten zu können, und damit eine Scheinkonjunktur erzeugt, der im nächsten Jahr die Flaute folgt. Andere haben Hard- und Software vorbildlich modernisiert, aber gehen mit nachlässigeren Zulieferern, Transportfirmen oder Banken unter. Doch in den letzten Wochen macht sich vorsichtiger Optimismus breit. Der amerikanische Wirtschaftsexperte Edward Yardeni, einer der ersten, die vor dem Millennium Bug warnten, und noch immer einer der größten Pessimisten, glaubt weiterhin, eine Rezession stehe mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit bevor. So schwer, wie er bisher befürchtet habe, werde sie jedoch nicht ausfallen. "Ich bin noch nicht auf Prozac, aber ich komme allmählich in Weihnachtsstimmung." An den Börsen erreichte die Sorge vor Y2K ihren Höhepunkt im Sommer. Ab Mitte Dezember würden die Anleger sich noch einmal zurückhalten, wird vorausgesagt, doch sofern Telefone und Computer am 3. Januar noch funktionierten, rechnen alle mit einer Party an der Wall Street, gegen die die Millenniumsfeiern Kaffeepausen waren.


Al grüßt


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