Nun finanziert die EZB Schulden über die Notenpresse
Die Währungshüter können ihre Anleihekäufe nicht wie geplant neutralisieren.
Jetzt begleicht die EZB mit der Notenpresse Staatsschulden.
Manchmal sind es die kleinen unscheinbaren Meldungen, die es in sich haben. Das gilt in besonderer Weise in der Euroschuldenkrise. Nur wenige Sparer dürften am Dienstag eine Nachricht der Europäischen Zentralbank (EZB) wahrgenommen haben. Die Währungshüter teilten mit, sie hätten den Banken nicht so viel Geld abnehmen können, wie für die Neutralisierung von Anleihekäufen am Sekundärmarkt eigentlich geplant war. Die EZB hatte zur Neutralisierung der Anleihe-Käufe den Banken insgesamt 203,5 Mrd. Euro abnehmen wollen, bekam von den Instituten aber nur 194,2 Mrd. Euro.
Was wie eine harmlose technische Abhandlung klingt, könnte Sparer teuer zu stehen kommen. Denn übersetzt heißt das nichts anderes, als dass die EZB erstmals in großem Stile mithilfe der Notenpresse Staatsschulden finanziert hat – bislang noch ein Tabu in der dreizehnjährigen Geschichte der Frankfurter Geldhüter. Mit neun Mrd. Euro hat sie nun Schulden finanziert.
„Deutet sich hier ein Kurswechsel an?“, fragt Carl Weinberg, Ökonom bei High Frequency Economics. Seines Erachtens sprechen einige Indizien für diese Lesart. Die EZB habe beim Versuch, die überschüssige Liquidität aus dem Markt zu bekommen, den Banken gerade mal 0,62 Prozent Zinsen geboten. Eine generösere Rendite hätte ausgereicht, um mehr Gelder einzusammeln. „EZB-Chef Mario Draghi scheint drauf und dran, die deutschen Vorbehalte über Bord zu werfen, und zur Finanzierung der europäischen Staatsschulden die Notenpresse anzuwerfen“, so Weinberg.
Die EZB kauft seit Mai 2010 an den Märkten Anleihen von krisengeschüttelten Ländern wie Griechenland, Italien oder Spanien. In der vergangenen Woche hat das Portfolio mit den Problemtiteln die Marke von 200 Mrd. Euro überschritten. Anders als die Notenbanken der USA und Großbritannien haben die Frankfurter Währungshüter das Geld bislang aber wieder abgeschöpft, um so eine Ausweitung der Geldmenge zu verhindern und der Inflation vorzubeugen. Mit dieser Argumentation versuchten die Notenbanker im EZB-Tower auch die Befürchtungen aus Deutschland aus der Welt zu schaffen.
Die Fed und die Bank of England kaufen dagegen Anleihen in großem Stil ohne die dadurch entstandenen Milliarden wieder einzusammeln. Sie haben quasi die Notenpresse angeworfen. Die Fed hat im Rahmen der sogenannten quantitativen Lockerung, im Jargon QE genannt, bereits umgerechnet fast zwei Billionen Euro in den Markt gepumpt, die Bank of England immerhin gut 300 Mrd. Euro. Das entspricht jeweils rund 18 Prozent der Wirtschaftsleistungen der USA und von Großbritannien.
http://www.welt.de/finanzen/article13741976/...r-die-Notenpresse.html