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Der Kanzlerin scheint der grüne Höhenflug nicht sonderlich weh zu tun; im Gegenteil, sie befördert die Nüchternheit in Gorleben, in Stuttgart und in Berlin. Bitter aber ist das grüne Feuerwerk für Gabriel.
Von Jasper von Altenbockum
Wenn es stimmt, dass die Grünen auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft sind, dann tun sie das am liebsten mit Vollgas auf dem Traktor. Im Wendland ließ es sich keiner ihrer Führungsleute nehmen, das urige Gefährt zu besteigen, um ein Bild für Götter abzugeben. Wer nicht Trecker fahren konnte, sah ganz alt und ungrün aus.
Was schert die Grünen die Symbolkraft? Treckerfahren macht Krach, es stinkt, schleudert Dreck hoch, verbraucht ordentlich Sprit und ist einem Berufsstand eigen, der vom grünen Dienstleistungsbürgertum an den Rand der Gesellschaft gedrückt zu werden droht.
Aber besteht nicht gerade darin das Geheimnis der Grünen? Ihr aberwitziger Realismus, ihr virtuoses Leben in der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen? Das Wendland klingt schon so märchenhaft, wie es die Grünen immer wieder als Landschaft ihrer Mythen inszenieren. Als sie noch mitregierten, hätten sie ihren Traum verwirklichen können; sie hätten alles für den Atomausstieg und noch mehr für ein sicheres Endlager in Deutschland tun können. Dann säßen sie heute allerdings nicht hoch auf dem bunten Traktor, sondern unten im grauen Tretboot, in dem auch Sigmar Gabriel, Angela Merkel oder Guido Westerwelle sitzen. Wie langweilig.
Die Tretbootfahrer bekommen in Umfragen derzeit die Quittung dafür, dass ihnen der Glanz einer Verheißung, wie ihn die Grünen sich erhalten haben, abhandengekommen ist. Ihnen wird von einem verträumten Bürgertum ausgerechnet das vorgeworfen, was die Grünen zur mutmaßlichen Volkspartei werden lässt: ein bornierter Umgang mit der Wirklichkeit.
Zum Thema
* Castor-Transport: „Schottern“ und Molotow-Cocktails
Der Kanzlerin scheint das nicht sonderlich weh zu tun; im Gegenteil, sie befördert die Nüchternheit in Gorleben, in Stuttgart und in Berlin, um in ihrer Partei nicht von schwarz-grünen Hoffnungsträgern traktiert zu werden. Besonders bitter aber ist das grüne Feuerwerk für Gabriel. Er tut zwar alles, um sich im Schein der Grünen wenigstens noch spiegeln zu können, muss aber immer wieder erkennen, dass er nicht die Sonne, sondern allenfalls der Vollmond ist. In Stuttgart und Berlin geht es um seine Perspektiven so sehr wie um die Frau Merkels. Der beste politische Traktorfahrer im Wendland war übrigens nicht Trittin, Frau Künast oder Özdemir, sondern Gregor Gysi. Er lieferte Gabriel damit obendrein ein Stück sozialistischen Realismus im Grünen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, picture alliance / dpa
Der Kanzlerin scheint der grüne Höhenflug nicht sonderlich weh zu tun; im Gegenteil, sie befördert die Nüchternheit in Gorleben, in Stuttgart und in Berlin. Bitter aber ist das grüne Feuerwerk für Gabriel.
Von Jasper von Altenbockum
Wenn es stimmt, dass die Grünen auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft sind, dann tun sie das am liebsten mit Vollgas auf dem Traktor. Im Wendland ließ es sich keiner ihrer Führungsleute nehmen, das urige Gefährt zu besteigen, um ein Bild für Götter abzugeben. Wer nicht Trecker fahren konnte, sah ganz alt und ungrün aus.
Was schert die Grünen die Symbolkraft? Treckerfahren macht Krach, es stinkt, schleudert Dreck hoch, verbraucht ordentlich Sprit und ist einem Berufsstand eigen, der vom grünen Dienstleistungsbürgertum an den Rand der Gesellschaft gedrückt zu werden droht.
Aber besteht nicht gerade darin das Geheimnis der Grünen? Ihr aberwitziger Realismus, ihr virtuoses Leben in der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen? Das Wendland klingt schon so märchenhaft, wie es die Grünen immer wieder als Landschaft ihrer Mythen inszenieren. Als sie noch mitregierten, hätten sie ihren Traum verwirklichen können; sie hätten alles für den Atomausstieg und noch mehr für ein sicheres Endlager in Deutschland tun können. Dann säßen sie heute allerdings nicht hoch auf dem bunten Traktor, sondern unten im grauen Tretboot, in dem auch Sigmar Gabriel, Angela Merkel oder Guido Westerwelle sitzen. Wie langweilig.
Die Tretbootfahrer bekommen in Umfragen derzeit die Quittung dafür, dass ihnen der Glanz einer Verheißung, wie ihn die Grünen sich erhalten haben, abhandengekommen ist. Ihnen wird von einem verträumten Bürgertum ausgerechnet das vorgeworfen, was die Grünen zur mutmaßlichen Volkspartei werden lässt: ein bornierter Umgang mit der Wirklichkeit.
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Der Kanzlerin scheint das nicht sonderlich weh zu tun; im Gegenteil, sie befördert die Nüchternheit in Gorleben, in Stuttgart und in Berlin, um in ihrer Partei nicht von schwarz-grünen Hoffnungsträgern traktiert zu werden. Besonders bitter aber ist das grüne Feuerwerk für Gabriel. Er tut zwar alles, um sich im Schein der Grünen wenigstens noch spiegeln zu können, muss aber immer wieder erkennen, dass er nicht die Sonne, sondern allenfalls der Vollmond ist. In Stuttgart und Berlin geht es um seine Perspektiven so sehr wie um die Frau Merkels. Der beste politische Traktorfahrer im Wendland war übrigens nicht Trittin, Frau Künast oder Özdemir, sondern Gregor Gysi. Er lieferte Gabriel damit obendrein ein Stück sozialistischen Realismus im Grünen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, picture alliance / dpa
„Lebbe geht weiter"
