FXdirekt-Kolumne: Prima Klima
KREFELD (IBAS) -
So schlecht sieht die Lage in Deutschland gar nicht aus. Diesen Eindruck erwecken zumindest die jüngsten Zahlen des Münchener ifo-Instituts. Deren Geschäftsklimaindex sprang von 94,1 auf 96,2 Punkte. Und auch der Index für die Geschäftsaussichten zog an. Dies nährt die Hoffnung auf ein schnelles Überwinden der deutschen Wachstumsdelle.
Erst vor wenigen Wochen haben die Volkswirte vieler Banken ihre Wachstumsprognose für 2005 mit Blick auf das magere dritte Quartal zurückgenommen. Von Juli bis September legte die deutsche Wirtschaft nur minimal um 0,1 Prozent zu. Im vierten Quartal sollen es nach ersten Hochrechnungen nur 0,3 bis 0,4 Prozent werden. Die Basis dieser Hochrechnung bilden die Industrieproduktion, die im dritten Quartal um 0,6 Prozent gestiegen ist, die Auftragseingänge, die um 1,1 Prozent zulegten, und die Einzelhandelsumsätze, die im selben Zeitraum sogar um 2,3 Prozent geklettert sind.
Allerdings gibt es auch Wermutstropfen. Die Einkommen der Deutschen sanken real um 2,7 Prozent. Zudem vergeht kaum ein Tag, an dem neue Massenentlassungen wie bei Opel die Schlagzeilen beherrschen. Kurzum: Über den Berg ist Deutschland sicher noch nicht. Doch so trübe wie das Bild gezeichnet wird, ist es beileibe nicht. Bleiben wir noch einen Moment beim ifo-Geschäftsklimaindex. Der Anstieg ist in der Tat ein beruhigendes Zeichen, auch wenn sich in den Zahlen vor allem der gefallene Ölpreis und die relative Stärke des US-Einkaufsmanagerindex widerspiegeln dürften. Beide Effekte zusammen haben den negativen Einfluss des hohen Eurokurses mehr als ausgeglichen. Überhaupt ist anzuzweifeln, ob eine starke Währung für ein Land ohne Rohstoffe ein Wettbewerbsnachteil ist.
Ein Punkt wird in der Diskussion um Wirtschaftswachstum und hohe Wechselkurse immer gerne unter den Teppich gekehrt: die Binnennachfrage. Zugegeben, bei den Deutschen sitzt der Euro seit jeher nicht locker im Portemonnaie. Dennoch kann niemand anzweifeln, dass es eine aufgestaute Nachfrage bei Konsumausgaben und Investitionen gibt - die Rekordumsätze im aktuellen Weihnachtsgeschäft in Einzelhandel sind ein deutliches Indiz. Fassen wir zusammen: Langsames, aber stetiges Wirtschaftswachstum in Deutschland plus die Aussicht auf einen Nachfrageschub von Verbrauchern und Industrie. Das ist der Stoff aus dem starke Währungen gemacht werden. Da es im restlichen Europa noch besser aussieht, dürfte der Euro seinen Höchstkurs gegenüber dem US-Dollar noch nicht gesehen haben.
Gruß Moya 