Reiche wollen mehr Steuern zahlen

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slimmy: Reichensteuer - die Begriffe klemmen
 
07.11.05 16:54
#26
Die an der Debatte beteiligten können gut mit Ausdrücken hantieren. Einen Bezug zu den Größenordnungen haben sie Nicht. 2%Reichensteuer würden 1 Milliarde bringen; das heißt , wenn man das gesamte Reicheneinkommen nähme ginge es um knapp 50 Milliarden. Diese Summe ist sogar noch bei den anstehenden Problemen gering. Oder anders gesagt: die Lösung liegt woanders. Die Reichen, die man so ins Ausland treibt, zahlen nichts mehr! Und das sind wohl schon viel mehr, als wir wahr haben wollen. Eine Auswanderungsbeschränkung gibt es ja noch nicht. Mit den Wohlhabenden gehen natürlich auch Arbeitsplätze, Konsum und know-how und das bedeutet viele Milliarden, die wir brauchen.
Für Fußballspieler geben wir viel Geld aus, damit sie uns zum Weltmeister machen. Viele der Reichen sind auf ihrem Gebiet Champions. Wenn wir auf dem jeweilgen Gebiet Weltklasse wollen müssen wir sie bezahlen.
Die Diskriminierung, die im Begriff "REichensteuer" liegt, charakterisiert die Kultur , die in unserem Land besteht. Immer wieder treibt der Neid unsere Bürger zu Exzessen. Die wahrheit ist: wiedereinmal naht der Neid im Deckmäntelchen Reichensteuer. Dieser Prozess, man schaue in die Geschichte, ist im Deutschen Volk genetisch verankert!
Wir müssen Werte schöpfen und nicht klauen..das isses!
BeMi: satyr, Reila, meine Antwort
 
07.11.05 22:03
#27
Haben Sie die Bücher von Paul Kirchhof gelesen?
Franz Wagner: Ja, alle.

Er sagt, da seien die ominösen 418 Steuersubventionen und Schlupflöcher aufgeführt, die er streichen will.
Wagner: Nein, die stehen da nicht drin. Herr Kirchhof hat in seinen Büchern immer erzählt, es gäbe 163 Ausnahmen. Die Zahl 418 ist neu.

Wie erklären Sie sich diesen Unterschied?
Wagner: Keine Ahnung. Ich nehme an, weil beides aus der Luft gegriffen ist. Keiner, der sich mit Steuern beschäftigt, hat diese Zahl je gehört. Es ist dubios.

Wie viele Schlupflöcher kennen Sie?
Wagner: Ich persönlich kenne keine, die ich nutzen könnte. Und ich beschäftige mich seit 30 Jahren mit Steuern. Ich rate jedem davon ab, solch dubiose Dinge zu tun, wie Schiffe abzuschreiben oder Filmfonds zu zeichnen. Aber das sind keine schlauen Schlupflöcher, das ist Bauernfängerei.

Wovon spricht der Finanzminister in spe dann?
Text zur Anzeige gekürzt. Gesamtes Posting anzeigen...


Wagner: Ich glaube, dass Kirchhof alles in einen Topf wirft und verschiedene Dinge verwechselt. Zum Beispiel die Eigenheimzulage. Die kann man streichen, weil sie eine Zulage darstellt. Zweitens die Kilometerpauschale: Kirchhof will sie abschaffen, aber das ist kein Schlupfloch, das sind für viele Menschen notwendige Werbungskosten. Und zum Dritten: Es gibt Steuerbefreiungen etwa bei Stipendien, die der Vereinfachung dienen. Wenn die nicht steuerbefreit werden, dann müssen sie brutto neu austariert werden. Das würde die Dinge aber verkomplizieren.

Muss der Steuerdschungel nicht gelichtet werden?

Wagner: Wir sind nicht das einzige Land, das ein umfangreiches Steuersystem hat. Die Amerikaner sind sogar der Meinung, dass ihres komplizierter ist. Davon abgesehen: Ein gerechtes Steuersystem kann nicht einfach sein. Da wird eine Illusion geweckt. Denn wenn Vereinfachung Vergröberung heißt, dann entsteht Ungerechtigkeit, wie bei der Kilometerpauschale. Wenn jemand mit dem Auto weit in die Arbeit fahren muss und das nicht absetzen darf, wird er benachteiligt.

Das System Kirchhof, das Subventionsabbau und einen Steuersatz von 25 Prozent für alle vorsieht, finden Sie also ungerecht?
Wagner: Ja. Die Besserverdiener wären die Gewinner einer Kirchhof-Reform. Ich persönlich genieße keine Vergünstigungen und würde bei 25 Prozent Steuersatz wesentlich weniger zahlen als jetzt. Das mit den Schlupflöchern ist eine Legende, die gestrickt wird, um davon abzulenken, dass die Reichen am meisten profitieren.

Aber wenigstens bräuchten alle nur noch zehn Minuten für die Steuererklärung.
Wagner: Überhaupt nicht. Wer kurze Gesetze hat, braucht lange Durchführungsverordnungen. Unter denen würden die Bürger leiden. Denn Urteile der Finanzgerichte werden häufiger, wenn kurze Gesetze mehr Unklarheit schaffen.

Sind Kirchhofs Pläne zu bezahlen? Es gibt Schätzungen, dass der Staat in den ersten beiden Jahren auf über 70 Milliarden Euro verzichten müsste.
Wagner: Da muss man den Wirtschaftsinstituten glauben, die solche Einnahmeausfälle berechnet haben. Ich habe das persönlich nicht überprüft, halte es aber für plausibel. Ich weiß nicht, wie Herr Kirchhof rechnet, aber normalerweise rechnen Ökonomen besser als Juristen. Für die gilt eher: Judex non calculat, der Richter rechnet nicht.  
Atomi: slimmy, wenn reiche durch arme erst
 
07.11.05 22:43
#28
reich werden, gleichzeitig aber in unserem lande nicht investieren, sondern nur absahnen
dann können solche typen mir gestohlen bleiben und auch mehr steuern bezahlen!
Ich würde jedem kunden von aldi mal raten eine woche bei tante emma zu kaufen, die aldi
brüder würden auf dem zahnfleisch gehen - die können auch nichts mitnehmen - aber so geldgeil noch in diesem alter, das ist schon pervers!
Kritiker: Diese Anzeige mit Unterzeichnern
 
07.11.05 23:24
#29
ist mir suspekt!!
Denn die meisten Unterschreiber haben vermutl. gar kein versteuerbares Vermögen. Wenn ich schon Hickel lese???
Dieser Mark-Knochen-Linke!
Eher wollen diese die große Koalition unterminieren.

Und - warum zieht man nicht die EinkSt weiter nach oben?
Brauchen wir: Ökosteuer? - RentenSteuer? - Reichensteuer? - negative Armensteuer (PDS)? - EnergieSteuer?(durch "Gebühren & Tarife")? - - -

Wenn, dann sollten die Reichen die Militärausgaben übernehmen, denn die Armen haben nichts zu verlieren!
Oder die BRD tritt aus der EU wieder aus, das spart viele Euro's und wir könnten richtig Schulden machen!
Und die "sozialen" Ausländer müssen von ihren Heimatländern verhalten werden, einschl. Schul= & Kindergarten-Kosten & Krankenkasse!
Und wie war das mit den betrügerischen Umsatz-Rück-Steuern? Hej!

Der deutsche Bürger als Untertan - wie bei Kaiser's! - Kritiker.
bammie: Reichensteuer betrifft weniger als 70 000 Menschen
 
08.11.05 08:16
#30
Symbolischer Griff nach oben
Spitzenverdiener sollen Extrabeitrag zahlen - "Reichensteuer" betrifft weniger als 70 000 Menschen

von Cornelia Wolber

Berlin - Offiziell dementieren die Koalitionspartner, eine Reichensteuer einführen und die Mehrwertsteuer anheben zu wollen, doch hinter den Kulissen scheint das Geschäft bereits perfekt: Die SPD stimmt der Erhöhung der Mehrwertsteuer zu, wenn die Union im Gegenzug Grünes Licht für die Reichensteuer gibt. Das bedeutet: Ab einem zu versteuerndem Einkommen von 250 000 Euro für Ledige und 500 000 Euro für Ehepaare soll jeder zusätzliche Euro statt mit 42 Prozent mir 45 Prozent versteuert werden. Betroffen wären schätzungsweise etwa 23 000 Singles und 25 200 Ehepaare.

Es sei ein "Gebot der Fairneß", daß Besserverdienende auf diese Weise zur Sanierung der Staatsfinanzen beitrügen, sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) vor der Sitzung des Präsidiums seiner Partei in Berlin. Brandenburgs Landeschef und designierte SPD-Bundesvorsitzende Matthias Platzeck zeigte sich überzeugt, daß die betroffenen Gutverdiener bereit seien, ihren Beitrag zu leisten.

CDU-Vize Christian Wulff, der die Reichensteuer im Wahlkampf noch heftig kritisierte, hat auf einmal "überhaupt kein Problem" mehr damit. Und auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) meint: "Alle in dieser Gesellschaft, auch die Besserverdienenden, müssen dazu beitragen, daß wir die Krise Deutschlands beseitigen." Es komme darauf an, niemanden zu überfordern, aber auch jeden im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit mit heranzuziehen, ergänzt CDU-Generalsekretär Volker Kauder.

Das klingt so, als würde der Fiskus die Spitzenverdiener verschonen. Tatsächlich aber tragen sie schon heute den Großteil der gesamten Steuerlast. Laut Statistik des Bundesfinanzministeriums beziehen nur fünf Prozent der Steuerpflichtigen ein jährliches Einkommen von mehr als 85 400 Euro. Ihr Anteil am Gesamtaufkommen der Einkommensteuer liegt jedoch bei 41,4 Prozent. Dagegen trägt die untere Hälfte der Steuerzahler gerade mal 8,3 Prozent des Aufkommens. Nimmt man die Spitze der Einkommenspyramide, die jährlich mehr als 500 000 Euro verdient, so zahlen rund 35 000 oder 0,13 Prozent aller Steuerpflichtigen 13 Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens.

Mit Verweis auf diese Statistik hatten Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesfinanzminister Hans Eichel (beide SPD), die unter Rot-Grün beschlossene Senkung des Spitzensteuersatzes von 53 auf nunmehr 42 Prozent bislang verteidigt. Doch nun, da man dem kleinen Mann die höhere Mehrwertsteuer verkaufen muß, darf es wieder ein bißchen mehr sein.

Dabei hat sich am Befund nichts verändert: In Zeiten der Globalisierung sind qualifizierte Arbeitskräfte zunehmend international mobil. Darauf muß die Besteuerung eines Landes Rücksicht nehmen, will man nicht die besten Köpfe ans Ausland verlieren. Zwar ist der deutsche Spitzensteuersatz international wettbewerbsfähig, doch greift die Höchstbelastung schon bei einem Einkommen von 52 152 Euro im Jahr, was dem zweifachen Durchschnittseinkommen entspricht. In den fünfziger Jahren hingegen langte der Fiskus erst beim 500fachen des Durchschnittseinkommens mit dem Spitzensteuersatz zu.

Hinzu kommt, daß sich durch die vergangenen Steuerreformen die Progression verschärft hat. Bis zu einem Einkommen von 7664 Euro zahlt man keine Steuern. Ab dann gilt der Eingangssatz von 15 Prozent, der linear bis auf 42 Prozent steigt. Da Rot-Grün einerseits den Grundfreibetrag angehoben und andererseits die Einkommenshöhe, ab der der Spitzensteuersatz greift, gesenkt hat, verläuft die Progressionskurve extrem steil. Das war auch der Grund, warum sich die SPD für die "Reichensteuer" und gegen eine generelle Erhöhung des Spitzensatzes entschieden hat. Denn dadurch wäre die Progression weiter verschärft und auch der Mittelstand zusätzlich belastet worden.

So sind nur wenige betroffen. Deshalb können die öffentlichen Haushalte aber auch nur auf rund 1,2 Mrd. Euro Mehreinnahmen hoffen. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um einen Prozentpunkt bringt rund acht Mrd. Euro. Daher würde die SPD neben der Reichensteuer am liebsten auch gleich noch an der Erbschaftsteuer drehen. Hier sind die Sätze für extrem hohe Vermögen ab fünf Mio. Euro vergleichsweise moderat.

Bislang sind sich Union und SPD offenbar aber nur einig, Betriebserben steuerlich zu entlasten. Wenn sie den Betrieb weiterführen, soll ihre Steuerlast binnen zehn Jahren schrittweise auf Null sinken. Den Steuerausfall von rund 500 Mio. Euro müßten die Länder tragen.

welt.de
bammie: So schamlos haben uns die Politiker belogen !
 
08.11.05 08:23
#31
Sie brechen alle Wahl-Versprechen


Kaum versprochen, schon gebrochen!

Im Wahlkampf haben uns Politiker von SPD und Union das Blaue vom Himmel versprochen. Doch jetzt greifen sie den Bürgern wie gemeine Diebe in die Taschen.

So schamlos haben uns die Politiker belogen:

Mehrwertsteuer I

Die SPD trommelte lautstark gegen eine höhere Mehrwertsteuer („Merkelsteuer“).

Alles Lüge! Jetzt haben die Sozialdemokraten mit der Union so gut wie beschlossen: Der Satz steigt wohl ab 2007 von 16 auf 19 Prozent.

Mehrwertsteuer II

Unions-Politiker wollten uns vor der Wahl die Mehrwertsteuererhöhung mit dem Versprechen versüßen, gleichzeitig die Beiträge für die Arbeitslosenversicherung um insgesamt 2 Prozentpunkte zu senken (Stoiber: „Mehr Netto vom Brutto“).

Von wegen! Die Mehrwertsteuer soll steigen – aber das Thema Lohnnebenkostensenkung wurde klammheimlich beerdigt.

Die CDU/CSU hat im Wahlkampf Steuererhöhungen ausgeschlossen, sogar mit Senkungen (Eingangssteuersatz 12, Spitzensteuersatz 39 %) geworben.

Nichts da! Jetzt ist geplant, den Satz für Jahreseinkommen ab 130 000 Euro (Verheiratete: 250 000 Euro) von 42 auf 45 % zu erhöhen.

Lesen Sie mal, welche Politiker uns wie belogen haben.

• Mehrwertsteuer-Lüge I

SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter am 7. Juli auf N24:

„Es geht derzeit darum, die Binnenkonjunktur anzukurbeln, und in einem solchen Fall ist eine Erhöhung der Mehrwertsteuer Gift.“

SPD-Chef Franz Müntefering am 11. August in Hamburg:

„Diese Merkelsteuer ist schlecht für Deutschland. Um das zu sehen, muß man nicht Mathematiker sein, dafür reicht Volksschule Sauerland.“

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) am 21. September in der „Berliner Zeitung“:

„Bei der Ablehnung der Mehrwertsteuererhöhung sind wir uns einig.“

SPD-Chef Franz Müntefering am 17. Juli in „Welt am Sonntag“:

„Das ist ein Jobkiller. Die augenblickliche Mehrwertsteuerdiskussion in Deutschland ist hochschädlich für die Konjunkturlage im Land insgesamt. Denn sie macht depressiv, mutlos und raubt den Leuten die Zuversicht.“

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am 9. Juli in der „Berliner Morgenpost“:

„Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer würde in der jetzigen konjunkturellen Situation wie eine Giftspritze wirken. Wenn man jetzt ein solches Signal sendet, ist das kontraproduktiv.“

Finanzminister Hans Eichel (SPD) am 7. September in Berlin: „Fakt ist:

Anders als bei der Union gibt es keine Pläne, an den Mehrwertsteuersätzen etwas zu ändern.“

Kanzler Gerhard Schröder (SPD) am 25. August in der Münchner „tz“:

„Ich kann ausschließen, daß wir die Mehrwertsteuer erhöhen.“

• Mehrwertsteuer-Lüge II

CDU-Generalsekretär Volker Kauder am 24. Juli im „Tagesspiegel“:

„Es ist vereinbart, daß der größte Teil der Mehrwertsteuererhöhung in die Absenkung der Lohnnebenkosten und die Umstrukturierung sozialer Sicherungssysteme gesteckt wird.“

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) am 23. August in der „B.Z.“ über die Mehrwertsteuer:

„Die Einnahmezuwächse fließen in die Senkung des Beitrages zur Arbeitslosenversicherung um zwei Punkte.“

Angela Merkel am 5. September in „Focus“:

„Wenn wir die Wahl gewinnen, wollen wir den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 6,5 auf 4,5 Prozent senken und dafür den allgemeinen Mehrwertsteuersatz um zwei Prozentpunkte auf 18 Prozent erhöhen.“

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) am 3. Juni über eine Mehrwertsteuererhöhung:

„Das ist keine Möglichkeit zum Stopfen von Haushaltslöchern.“

Edmund Stoiber am 28. August in BILD am Sonntag:

„Um die Lohnzusatzkosten senken zu können, erhöhen wir die Mehrwertsteuer um zwei Punkte. Gleichzeitig sinken dadurch auch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung um zwei Prozentpunkte. Damit haben die Arbeitnehmer zum 1. Januar gut ein Prozent mehr Lohn in der Tasche.“

• Steuer-Lüge

Hessens Ministerpräsident Roland Koch am 3. Juli im „Tagesspiegel“:

„Die Reichensteuer der SPD ist doch Quatsch – und jeder merkt, daß es ein Wahlkampf-Ablenkungsmanöver vom Versagen auf dem Arbeitsmarkt ist.“

NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) am 20. Juni in „Focus“:

„Jetzt aber über Steuererhöhungen nachzudenken, wäre nicht richtig.“

Edmund Stoiber am 9. August bei einem Wahlkampfauftritt in Hamburg über die Reichensteuer:

„Meine sehr verehrten Damen und Herren, da werden Sie im Prinzip verarscht.“

• Haushaltsloch-Lüge

Gerhard Schröder am 9. September in der „Süddeutschen Zeitung“:

„Im übrigen halte ich auch nichts davon, jetzt Tartarenmeldungen über irgendwelche Milliardenlöcher in Umlauf zu bringen. (...) Deswegen glaube ich, daß der Haushalt mit weiteren Konsolidierungsanstrengungen ausgeglichen werden kann. Und es wird gelingen, ohne daß wir auf die Mehrwertsteuer zurückgreifen.“

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) am 30. Mai im „Spiegel“:

„Ich warne davor zu glauben, man könnte über Steuererhöhungen die Staatshaushalte sanieren.“

• Steuerreform-Lüge

Bayerns Staatkanzleichef Erwin Huber (CSU) am 18. Juli im „Focus“:

„Wir beginnen zum 1. Januar 2007 mit den niedrigsten Steuersätzen in der Geschichte der Republik. Wir senken den Eingangssteuersatz von 15 auf 12, den Spitzensteuersatz von 42 auf 39 und die Körperschaftssteuer auf 22 Prozent.“

Angela Merkel am 18.8. beim Wahlkampfauftakt in Dortmund:

„Wir beleben die Wachstumskräfte in Deutschland durch eine Steuerreform zum 1. Januar 2007. Die Eckpunkte für die Steuerreform dabei sind: einfacher, niedriger und gerechter.“  



Bild
blindfish: ich kann mich nur wiederholen:
 
08.11.05 08:29
#32
TEEREN und FEDERN!! und zwar ALLE!!
B Ghost: Was ist das hier für ein Jammer-thread?
 
08.11.05 08:31
#33
Der Staat braucht Geld.
Woher soll er es nehmen, wenn nicht vom Bürger?

Wie soll die Regierung ohne Geld regieren?

Soll sie es den Armen nehmen?

Soll sie es nur den Reichen nehmen?



???


Macht lieber mal Vorschläge und begründet diese auch.  JAmmern kann ich nämlich auch genz gut alleine.


;--))


Gruß


Brad
bammie: wer jammert denn?
 
08.11.05 08:42
#34
Wie heißt es doch so schön ? "Was interessiert mich das Geschwätz von gestern"

genau das wird von den Politikern mehr als nur beherzigt.


Das Problem ist, es gibt einfach viel zu viele von denen, jeder will was anderes und keinem kann man es Recht machen. Gute Ideen und Impulse werden dadurch nur zerredet.
Der Wasserkopp muss sich erstmal selbst neu strukturieren und abspecken, dann können sie auch an die größeren Dinge heran. Solange aber jeder gierig nach Macht ist, wird sich nicht viel an den Problemen ändern.


greetz bammie



Pieter: Was mich aufregt ist, das jetzt nur noch das
 
08.11.05 09:08
#35
Wort Mehreinnahmen, Steuererhöhen fällt. Das Wort Ausgaben , Kosten einsparen ist dagegen wieder einmal in der Versenkung verschwunden. Im Wahlkampf wurde noch vom sparen gesprochen. und nun ?
Für mich ist in Zukunft weder das rote Gesocks noch das schwarze Gesocks wählbar. Von wegen mehr Kompetenz. Die Schwarzen sind ebenso Kompetenzlos wie die Roten.
Folglich : Es bleibt (wenn mal die Schwulenpartei nicht wählen will) nur noch eindeutig Grün oder extrem Rot.

Pieter
B Ghost: Pieter: Viele Einsparungen bedeuten aber auch
 
08.11.05 09:20
#36
automatisch, dass Leute dabei ihren Job verlieren.

Eigentlich hat "Geiz ist Geil" jetzt ausgedient.

Man muss richtig investieren und reinklotzen um neue Arbeitsplätze zu schaffen.


AUch ein Unternehmer muss für neue Projekte erst mal Geld investieren.

Neuverschuldung JA, aber mit Sinn.

1 EURO Investition sollte für 2 EURO Resultete bringen.

Da wäre mir dir Staatsverschuldung kurzfristig völlig egel.
onestone: Die mehrheit der Einkommenssteuer
 
08.11.05 09:26
#37
wird in der Gruppe der Verdiener von 50.000 bis 250.000 Euro Jahresverdienst erzielt.

Davon würde ich die 50-75.000 Euro Steuerpflichtigen noch nicht als reich bezeichnen.

Was soll also die Diskussion über läppige 3% Reichensteuer. 10 % wären besser.
Pieter: Ghost, es geht aber bei den
3
08.11.05 09:35
#38
Deppen in Berlin nicht um investieren. Es geht denen nur darum Löcher zu stopfen und dazu sollen die Steueren weiter erhöht werden. Und damit sind wir automatisch bei "Geiz ist Geil". Was denkst du wohl was passieren wird, wenn mit weitere 4% meiner mir zur Verfügung stehenden Geldmittel weggenommen werden ohne jegliche Gegenleistung ?
Dann werde ich genau das tun, was die Arschlöcher in CDx und SPD nicht in der Lage sind : SPAREN
Und das heisst, ich werde weiter noch mehr auf billigst Angebote schauen, egal ob die Werkzeueg von chinesischen Häftlingen hergestellt wurden. Auch Aldi und Lidl werden mich noch öfter sehen. Folge wird genau das Gegenteil sein was du mit reinklotzen um neue Arbeitsplätze zu schaffen meinst. Es werden weiter Arbeitsplätze wegfallen, da noch weniger Waren deutscher Produktion gekauft werden und der "Tante Emma" Laden noch mehr Kunden verlieren wird.

Was die in Berlin planen und tun ist das Gegenteil von dem, was die Wirtschaft in Deutschland wieder auf die Bein bringt. Und wetten, in 2 Jahren wird das Loch im Haushalt sogar noch größer sein als heute, trotz höherer Staatsquote.
Höhere Staatsquote bedeutet eben nicht automatisch höhere Staatseinnahmen. Wer das nicht begreifen will, dem ist einfach nicht mehr zu helfen. Und darum scheint mir, das Deutschland nicht mehr zu helfen ist.

Pieter
blindfish: auf den punkt gebracht, pieter...
 
08.11.05 09:40
#39
damit ist eigentlich alles zu dem gesamten thema gesagt! und es wäre eigentlich auch einfach zu verstehen - aber wie du schon sagtest: denen ist einfch nicht mehr zu helfen...

gruß, blindfish
gurkenfred: b ghost, glaubst du auch
 
08.11.05 09:58
#40
noch an den klapperstorch???
ich zitiere mal:
1. "Viele Einsparungen bedeuten aber auch automatisch, dass Leute dabei ihren Job verlieren."
Unsinn. bei einem großteil der subventionen sind mitnahmeefekte an der tagesordnung. deshalb mein vorschlag: reduzierung aller etats um 10%. ausnahme: bildung und F+E.

2.Eigentlich hat "Geiz ist Geil" jetzt ausgedient. Man muss richtig investieren und reinklotzen um neue Arbeitsplätze zu schaffen."
wenn der staat investiert und hinterher nicht bezahlt, was heute gang und gäbe ist, werden arbeitsplätze vernichtet statt geschaffen.
deshalb mein vorschlag: zunächst mal verbesserung der öffentlichen zahlungsmoral. das würde in bezug auf arbeitsplätze schon was bringen.


mfg
GF

slimmy: Bei der großen Koalition nur ein Problem
 
08.11.05 10:01
#41
Die große Koalition hat nur ein Problem. Gegenüber den herkömmlichen Regierungslagern hat sich die Zahl der KOSTGÄNGER schlicht verdoppelt. DESHALB muß mehr Geld ausgegeben und deshalb auch eingesammelt werden. SPAREN kann man nicht, wenn man den Gabentisch derer verdoppelt, die einem letztlich das Regieren und Machtausüben ermöglichen. So einfach ist das! Die Aktivitäten der Ämter und Ministerien heißen: Befördern, Einstellen, Neugründen, Aufspalten, Bewährungsaufstieg, Reisekosten, etc. DAS kostet unser Geld!!  
Pieter: Also ich gehöre nicht zu den "Reichen"
 
08.11.05 10:14
#42
Zähle mich eher zu den 50.000-75.000'ern.
Hätte damit eigentlich keinen Grund eine Lanze für die Reichen zu brechen. Aber ich frage nur einfach mal, warum wohnen die Schumachers in Österreich bzw in der Schweiz und zahlen dort ihre Steuern. Warum hat/hatte unser Boris seinen Wohnsitz in Monaco ?
Nur 2 Namen. Aber die stehen für viele, sehr viele die aus Steuergründen umgezogen sind ins Ausland. Und den Rest der "Reichen" will man jetzt dann auch noch vertreiben ?
So richtet sich ein Staat selber zu Grunde.

Pieter
gurkenfred: reichensteuer ist wie immer handwerklich
 
08.11.05 10:17
#43
schlecht gemacht. es müßte flankierende maßnahmen geben, z.b die aberkennung der staatsbürgerschaft für becker, schumacher & konsorten. im moment: reine abzocke, wie gehabt.

mfg
GF

Knappschafts.: Ich stelle es nochmals hier hinein!
 
08.11.05 10:31
#44
Es waren einmal 10 Männer und Frauen, die jeden Tag miteinander zum Essen gingen. Die Rechnung für alle zusammen betrug jeden Tag genau 100,00 Euro. Die Gäste zahlten ihre Rechnung wie wir unsere Steuern und das sah ungefähr so aus:

Vier Gäste (die Ärmsten) zahlten nichts.
Der Fünfte zahlte 1 Euro.
Der Sechste 3 Euro.
Der Siebte 7 Euro.
Der Achte 12 Euro.
Der Neunte 18 Euro.
Der Zehnte (der Reichste) zahlte 59 Euro.

Das ging eine ganze Zeitlang gut. Jeden Tag kamen sie zum Essen und alle waren zufrieden.

Bis der Wirt Unruhe in das Arrangement brachte in dem er vorschlug, den Preis für das Essen um 20 Euro zu reduzieren. " Weil Sie alle so gute Gäste sind!" Wie nett von ihm! Jetzt kostete das Essen für die 10 nur noch 80 Euro, aber die Gruppe wollte unbedingt beibehalten so zu bezahlen, wie wir besteuert werden.

Dabei änderte sich für die ersten vier nichts, sie aßen weiterhin kostenlos.

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Wie sah es aber mit den restlichen sechs aus? Wie konnten sie die 20 Euro Ersparnis so aufteilen, dass jeder etwas davon hatte? Die sechs stellten schnell fest, dass 20 Euro geteilt durch sechs Zahler 3,33 Euro ergibt. Aber wenn sie das von den einzelnen Teilen abziehen würden, bekämen der fünfte und der sechste Gast noch Geld dafür, dass sie überhaupt zum Essen gehen. Also schlug der Wirt den Gästen vor, dass jeder ungefähr prozentual so viel weniger zahlen sollte wie er insgesamt beisteuere. Er setzte sich also hin und begann das für seine Gäste auszurechnen.

Heraus kam folgendes:
Der Fünfte Gast, ebenso wie die ersten vier, zahlte ab sofort nichts mehr (100% Ersparnis).

Der Sechste zahlte 2 Euro statt 3 Euro (33% Ersparnis).
Der Siebte zahlte 5 statt 7 Euro (28% Ersparnis).
Der Achte zahlte 9 statt 12 Euro (25% Ersparnis).
Der Neunte zahlte 14 statt 18 Euro (22% Ersparnis).
Und der Zehnte (der Reichste) zahlte 49 statt 59 Euro (16% Ersparnis).

Jeder der sechs kam günstiger weg als vorher und sogar die ersten fünf aßen immer noch kostenlos.

Aber als sie vor der Wirtschaft noch mal nachrechneten, war das alles doch nicht so ideal wie sie dachten. " Ich hab' nur 1 Euro von den 20 Euro bekommen!" sagte der sechste Gast und zeigte auf den zehnten Gast, den Reichen. " Aber er kriegt 10 Euro!" " Stimmt!" rief der Fünfte. " Ich hab' nur 1 Euro gespart und er spart sich zehnmal so viel wie ich." " Wie wahr!!" rief der Siebte. " Warum kriegt er 10 Euro zurück und ich nur 2?

Alles kriegen mal wieder die Reichen!" " Moment mal," riefen da die ersten vier aus einem Munde. " Wir haben überhaupt nichts bekommen. Das System beutet die Ärmsten aus!!"

Und wie aus heiterem Himmel gingen die neun gemeinsam auf den Zehnten los und verprügelten ihn.

Am nächsten Abend tauchte der zehnte Gast nicht zum Essen auf. Also setzten die übrigen 9 sich zusammen und aßen ohne ihn. Aber als es an der Zeit war die Rechnung zu bezahlen, stellten sie etwas Außerordentliches fest:

Alle zusammen hatten nicht genügend Geld um auch nur die Hälfte der Rechnung bezahlen zu können! Und wenn sie nicht verhungert sind, wundern sie sich noch heute.

Und so, liebe Kinder, funktioniert unser Steuersystem. Die Menschen, die hier die höchsten Steuern zahlen, haben die größten Vorteile einer Steuererleichterung. Wenn sie aber zu viel zahlen müssen, kann es passieren, dass sie einfach nicht mehr am Tisch erscheinen. In anderen Ländern gibt es auch ganz tolle Restaurants.  
Future.Money: ich gehöre leider auch nicht dazu
 
08.11.05 10:33
#45
Also wer geld hat weiss sicher auch wie er es verschwinden lassen kann.
Es gibt ja mittlerweile sogar genügend möglichkeiten übers Internet Auslandskonten anzulegen ohne Ende. Da muss man nicht einmal mehr durch die halbe Welt fliegen.

Unsere Politiker sollten auch mal darüber nachdenken Ihre eigenen Einkünfte anständig zu besteuern! Ich denke dann hätte unser Haushalt eine Menge Mehreinnahmen!
Jabl: wie wäre es mal mit Ausgaben senken?
 
08.11.05 10:33
#46
ich denke knapp über 400 Milliarden Euro sollten dem Staat genug sein. Alles was noch hinzu käme (egal woher) versickert irgendwo im System. Organisation straffen, Sozialsystem um die Hälfte reduzieren, Ausnahmetatbestände abschaffen, Subventionen abschaffen usw. und schon kann der Staat seine Schulden abbauen, sich um Forschung, Bildung, Straßenbau, Verteidigung, Umweltschutz usw. kümmern sprich alles was sich Staatsaufgaben nennt. Aber das kostet Wählerstimmen. Wie also raus aus dem Teufelskreis?
kiiwii: "Wo jetzt gespart werden muß"
2
08.11.05 10:36
#47
Wo jetzt gespart werden muß


45 Milliarden Euro sind nötig und möglich / Hilfen für Langzeitarbeitslose deutlich kürzen und Hinzuverdienst erhöhen / Von Hans-Werner Sinn


I. Sanierung des Budgets

Grundvoraussetzung für alle weiteren Reformmaßnahmen ist eine Konsolidierung des Haushalts. Dabei reicht es nicht, auf ein Defizit von 3 Prozent zu kommen. Deutschlands Trendwachstum beträgt nur noch ein Prozent. Mit 1,5 Prozent Inflation und dementsprechend einem nominalen Wachstum von 2,5 Prozent würde ein jährliches Budgetdefizit von 3 Prozent die Schuldenquote permanent ansteigen und gegen 120 Prozent konvergieren lassen. Die 3-Prozent-Regel unterstellt ein nominales Wachstum von mindestens 5 Prozent, denn genau bei einem solchen Wachstum läßt sie die Schuldenquote gegen 60 Prozent konvergieren. Will man diese Schuldenquote unter heutigen Voraussetzungen wieder anstreben, wie es der Maastrichter Vertrag zwingend vorschreibt, muß man das Defizit auf 1,5 Prozent beschränken.


Ausgehend von 2005, wo das Defizit ohne Sondermaßnahmen in der Gegend von 3,5 Prozent liegen dürfte, bedarf es also einer Budgetkonsolidierung im Ausmaß von 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (2250 Milliarden Euro) oder etwa 45 Milliarden Euro. Es ist politisch nicht ratsam, die notwendigen Kürzungen schrittweise zu verwirklichen, weil das den Widerstand maximieren würde. Man sollte sich gleich ein nachhaltiges Konsolidierungsziel setzen und sich nicht damit begnügen, die 3-Prozent-Regel einzuhalten. Die konjunkturelle Situation ist ideal, da nach fünf Jahren endlich eine substantielle Konjunkturbelebung in Sicht ist, die über das Trendwachstum von ein Prozent hinausführen wird. In den Abschwung hineinzusparen wäre falsch, im Aufschwung zu sparen ist genau das, was eine kluge Konjunkturpolitik verlangt.


Die zur Konsolidierung nötigen Maßnahmen umschließen:

1. die Einführung einer Pkw-Vignette für die Autobahnen von 100 Euro (Jahresbetrag)

2. Maßnahmen zur Bekämpfung des Mehrwertsteuerbetrugs (insbesondere die Einführung eines Quellenabzugssystems, das Rückerstattungen ohne vorherige Zahlung der Mehrwertsteuer durch den Vorlieferanten ausschließt)

3. eine gezielte Kürzung von Finanzhilfen des Bundes

4. einen gezielten Abbau von Steuervergünstigungen

5. eine pauschale Kürzung der restlichen Subventionen um 15 Prozent

6. die Einführung der aktivierenden Sozialhilfe.

Die folgende Liste bietet eine Abschätzung möglicher Sparmaßnahmen im Umfang von 44,3 Milliarden Euro, wie sie mittelfristig pro Jahr erzielbar sind.


II. Reform des Arbeitsmarktes

Deutschlands Wachstum lahmt, weil der Arbeitsmarkt kaputt ist, und nicht umgekehrt. Wir sind OECD-Weltmeister bei der Arbeitslosenquote der gering Qualifizierten. Beim Beschäftigungsgrad der Älteren zwischen 55 und 65 Jahren liegen wir unter den OECD-Staaten im letzten Drittel. Beide Probleme lassen sich nur lösen, indem die Lohnkosten für diese Gruppen gesenkt werden. Das geht ohne soziale Härten und ohne fiskalische Lasten für den Staat nur, wenn der Sozialstaat eine aktivierende Sozialpolitik betreibt. Er muß sukzessive vom Lohnersatz zu individuellen Lohnzuschüssen überwechseln. Lohnersatz in Form von Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und Frührente führt zu Lohnansprüchen, die bei einer zunehmenden Zahl von Menschen über der Arbeitsproduktivität liegen und diese Menschen deshalb in die Arbeitslosigkeit treiben. Lohnzuschüsse erzeugen keine Lohnansprüche, sondern ermöglichen eine Absenkung der Löhne für einfache Arbeit, weil sie eine entsprechende Minderung des Einkommens verhindern und auffangen. Bei fallenden Löhnen für einfache Arbeit (doch nicht fallenden Einkommen) stellen die Arbeitgeber mehr Jobs zur Verfügung.


Durch die Niedriglohnkonkurrenz der exkommunistischen Länder (28 Prozent der Menschheit) gibt es keine andere Möglichkeit für unser Land. Deutschlands bisherige Sozialpolitik läßt sich gegen die Kräfte der Globalisierung nur um den Preis einer weiteren Steigerung der Arbeitslosigkeit und Zerrüttung der Staatsfinanzen aufrechterhalten. Der seit dreißig Jahren währende Trend zu immer höherer Massenarbeitslosigkeit würde fortgesetzt. Entsenderichtlinien, Mindestlohngarantien und dergleichen würden diesen Trend noch verstärken, denn immer mehr Standortentscheidungen würden zu Lasten Deutschlands getroffen. Der Investitionsstreik der deutschen Arbeitgeber würde sich verschärfen. Die deutsche Nettoinvestitionsquote ist schon heute die niedrigste unter allen OECD-Ländern. Notwendig sind daher folgende Reformen:


1. Frühverrentung

bei freiem Hinzuverdienst

Heute ist die Bedingung für die Frührente, daß man aufhört zu arbeiten. Diese Bedingung sollte aufgegeben werden, dann fallen die Lohnansprüche der Älteren. Bei fallenden Lohnansprüchen werden von den Arbeitgebern mehr Stellen geschaffen. Es wird sich ein zweiter Arbeitsmarkt für Ältere herausbilden, auf dem niedrigere Löhne gezahlt und weniger aufreibende, jedoch das Wissen der Älteren beanspruchende Anforderungen gestellt werden. Trotz der niedrigeren Löhne werden die Betroffenen keine Einkommenseinbußen erleiden, weil ihr Arbeitseinkommen zur Frührente hinzutritt. Einkommenseinbußen werden sich sogar dann vermeiden lassen, wenn, was zu empfehlen ist, bei der Frührente versicherungsmathematisch korrekte Abschläge eingeführt werden, die Verluste für den Staat ausschließen. Heute beträgt der Rentenabschlag pro Jahr 3,6 Prozent. Berücksichtigt man, daß Frührentner über eine längere Zahl von Jahren finanziert werden müssen und selbst keine Steuern und Sozialbeiträge mehr zahlen, müßte der Abschlag etwa 8 Prozent betragen. Die Altersteilzeitregeln sind zu streichen.


2. Aktivierende Sozialhilfe

Bundespräsident Horst Köhler hat der deutschen Politik die Erprobung der aktivierenden Sozialhilfe empfohlen. Das zugrundeliegende Modell wurde vom Ifo-Institut erarbeitet. Beim Arbeitslosengeld II sind heute die ersten 100 Euro Hinzuverdienst frei. Verdient jemand mehr, muß er von jedem zusätzlichen Euro Bruttoeinkommen zunächst 80 Cent als Transferentzug akzeptieren (seit 1. Oktober 2005). Es bleibt netto nur ein Fünftel vom zusätzlichen Brutto. Wer 5 Euro in der Stunde netto verdienen will, muß deshalb 25 Euro brutto verlangen. Zu diesem Lohn gibt es für gering Qualifizierte keine Stellen. Noch schlimmer ist die Problematik bei etwas höheren Einkommen. Von 800 Euro eigenem Bruttoeinkommen an liegt der Transferentzug zusammen mit den Sozialbeiträgen bei etwa 90 Cent für jeden zusätzlichen Euro Bruttoverdienst. Wer bei einer Mehrarbeit 5 Euro netto verdienen will, muß dann 50 Euro brutto verlangen.


Beim Ifo-Vorschlag der aktivierenden Sozialhilfe wären statt dessen die ersten 500 Euro Hinzuverdienst frei, ohne daß ein Transferentzug stattfindet. Die ersten 200 Euro würden sogar noch mit 20 Prozent bezuschußt: Man muß wenigstens ein bißchen arbeiten, wenn man ein Maximum an staatlichen Zuwendungen erzielen will. Von 200 Euro eigenem Verdienst an sind Sozialbeiträge zu zahlen. Jenseits von 500 Euro liegt die Gesamtbelastung durch Sozialabgaben und Transferentzug für jeden zusätzlichen Euro brutto bei etwa 70 Cent, so daß immerhin 30 Cent netto übrigbleiben. Die Abschaffung des Transferentzugs für Löhne bis 500 Euro senkt die Lohnansprüche und schafft dadurch Jobs. Wer 5 Euro netto pro Stunde verdienen will und für 500 Euro brutto arbeiten kann, braucht pro Stunde nur 5,25 Euro brutto zu verlangen, und dafür wird es Jobs in Hülle und Fülle geben.


Damit das Modell finanzierbar bleibt, muß das Arbeitslosengeld II für erwerbsfähige Bezieher, die keine Arbeit aufnehmen, im Schnitt ein Drittel gekürzt werden. Geringer sollte der relative Abschlag bei Familien sein. Derzeit liegt der Anspruch einer Familie mit zwei Kindern bei 1550 Euro im Monat, wenn niemand in dieser Familie arbeitet. Dieser Betrag wird nach dem Ifo-Modell auf 1130 Euro gekürzt. Wegen des freien Hinzuverdienstes von 500 Euro kann das Einkommen von 1550 Euro trotz der sich am Markt ergebenden Lohnsenkung schon bei einer Halbtagsbeschäftigung im Niedriglohnsektor erreicht werden. Wenn jemand mehr als halbtags arbeitet, stellt er sich wegen des geringen Transferentzugs schon strikt besser als ein ALG-II-Empfänger heute.


Wer trotz der Senkung der Lohnansprüche und der neuen Jobs keine Arbeit findet, kann sich an seine Gemeinde wenden und dort für eine Beschäftigung von 42 Stunden in der Woche ein Arbeitslosengeld II in heutiger Höhe als Lohn verlangen: Die Gemeinden werden verpflichtet, Null-Euro-Jobs anzubieten. Das Arbeitslosengeld II wird zu einem Lohn für kommunale Arbeit. Nun können die Gemeinden selbst nicht in hinreichendem Umfang Stellen anbieten, wenn sie nicht mit dem lokalen Handwerk in Konkurrenz treten wollen. Deshalb sollen sie die ihnen anvertrauten ALG-II-Bezieher über Zeitarbeitsfirmen der privaten Wirtschaft zur Verfügung stellen. Die Zeitarbeitsfirmen können Honorarverträge mit ihren privaten Kunden frei aushandeln. Dabei wird es einen von Null verschiedenen Honorarsatz geben, zu dem die Zeitarbeitsfirmen praktisch alle ihnen anvertrauten Arbeitnehmer vermitteln können. Kündigungsmöglichkeiten für Arbeitsunwillige müssen freilich bestehen. Die Rückkehr zur annähernden Vollbeschäftigung im Niedriglohnsektor wäre praktisch sicher.


Finanzielle Lasten würden nicht entstehen, weil die Einnahmen aus den Zeitarbeitskontrakten und die Absenkung des Arbeitslosengelds II für Nichtarbeitende eine erhebliche Entlastung bedeuten. Im Gegenteil ist damit zu rechnen, daß der Staat rund 5 Milliarden Euro sparen würde. Das gilt auch, wenn der "Mitnahmeeffekt" in Form einer Senkung der Löhne von bereits beschäftigten gering Qualifizierten berücksichtigt wird, die ebenfalls vom Staat bezuschußt werden müssen. Heute finanziert der Staat Millionen nichtarbeitender Menschen zu 100 Prozent (41 Prozent der Erwachsenen inklusive aller Bezieher von Renten, ALG, Bafög). Auch im neuen System würde er Millionen Menschen unterhalten, aber er brauchte ihnen nur Zuschüsse zum selbstverdienten Einkommen hinzuzuzahlen. Das macht die Sache billiger.


Ein Sozialstaat nimmt den Reichen und gibt den Armen - dauerhaft. Daran würde sich durch die Reform nichts ändern. Der Kern der Reform besteht darin, daß die Bedingungen, unter denen der Staat Geld zur Verfügung stellt, geändert werden. Menschen, deren Leistungsfähigkeit zu gering ist, als daß sie sich durch ihrer eigenen Hände Arbeit ernähren können, muß der Staat nach wie vor helfen, aber er darf ihnen nicht mehr unter der Bedingung helfen, daß sie sich selbst nicht helfen. Im Westen hat die bisherige Lohnersatzpolitik zu einer finanziell nicht mehr beherrschbaren Finanzlage geführt. Im Osten hat sie einen wachsenden Abstand zum Westen erzeugt. Deutschlands Sozialpolitik basiert noch immer auf den utopischen Ideen der siebziger und achtziger Jahre, einer Zeit der wirtschaftlichen Stärke und Prosperität, die durch eine große Unbekümmertheit gegenüber den Gesetzen der Marktwirtschaft gekennzeichnet war. Die Geschichte wird über diese Sozialpolitik hinweggehen.


3. Tarifrecht

Die Problematik ist bekannt, wird aber in dieser Koalition nicht behandelt werden können. Die Möglichkeit, Tarifverträge als allgemein verbindlich zu erklären, das Verbot, auf betrieblicher Ebene Löhne und Arbeitsbedingungen auszuhandeln, sowie das Günstigkeitsprinzip müßten fallen. Eine ähnliche Bemerkung gilt zum Thema Kündigungsrecht.

Hans Werner Sinn ist Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München



MfG
kiiwii
onestone: Über Unternehmensbesteuerung wird
 
08.11.05 10:42
#48
gar nicht mehr bei den Koalitionsverhandlungen gesprochen.

"Völlig unangetastet soll des Herzstück neoliberaler Fiskalpolitik – die Steuerfreiheit für Beteiligungsverkäufe an Unternehmen – bleiben. Diese war von der Schröder-Fischer-Regierung eingeführt worden und hatte seitdem für erhebliche Verwerfungen in der bundesdeutschen Volkswirtschaft gesorgt. Nach Informationen der Financial Times Deutschland stehe »das Thema auf keiner Liste« bei den Koalitionsverhandlungen.

Diese Steuerfreiheit gilt seit dem Jahr 2000. Sie hatte zunächst deutsche Konzerne, besonders jedoch Banken und Versicherungen, ermuntert, sich von ihren zahlreichen Beteiligungen an anderen Unternehmen zu trennen, ohne daß der Staat an den Gewinnen beteiligt werden mußte. Auf diese Weise war es zur faktischen Liquidierung der alten Deutschland-AG gekommen, deren enges Geflecht in erster Linie auf Überkreuzbeteiligungen beruhte. Im zweiten Schritt hatten sich sogenannte Finanzinvestoren der entstandenen Marktlücke angenommen und begonnen, Unternehmen aufzukaufen, auszuschlachten und weiterzuveräußern. Das hatte zahlreiche vorher gesunde Firmen in Schulden oder gar in die Pleite getrieben. Die Union hatte deshalb im Wahlkampf auf eine Wiedereinführung der Steuer gesetzt, und auch in linken SPD-Kreisen war man dafür. Heute ist nicht mehr die Rede davon. »Heuschrecken«, wie Ex-SPD-Chef Franz Müntefering einst die Finanzinvestoren genannt hatte, genießen weiter Artenschutz in Deutschland."
von Dieter Schubert
Knappschafts.: Sehr gute Analyse!
 
08.11.05 15:31
#49
ariva.de ariva.de ariva.de "Wo jetzt gespart werden muß" 11528 Postings, 721 Tage kiiwii 
bammie: Die Reichensteuer ist falsch
 
09.11.05 08:34
#50
Im F.A.Z.-Interview erklärt Hamburgs Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU), warum er eine Einführung der „Reichensteuer” für falsch hält.

Gibt es in der CDU keine Stimme gegen die drohende „Reichensteuer”?

Hamburg ist da eindeutig. Wir halten eine Erhöhung der Einkommensteuer für falsch. Es geht auch nicht um Reiche, sondern im Kern um Unternehmer, um unternehmerisches Einkommen. Unser Wahlprogramm war eindeutig, nämlich Senkung der Einkommensteuer.

Parteifreunde von ihnen sind da weniger eindeutig, wenn ich etwa an Ministerpräsident Christian Wulff denke.

Der Eindruck, es gebe in der CDU nicht genug warnende Stimmen, geht fehl. Sowohl bei den Finanzministern als auch bei den Kollegen in der Bundestagsfraktion gibt es schwere Bedenken, so etwas auch nur zu erwägen. Ich kann Wulffs Argumentation nicht voll verstehen. Er fordert, daß wir CDU-Positionen durchsetzen müssen. Dazu paßt nicht eine Zustimmung zu einer höheren Einkommensteuer.

Die sogenannte Reichensteuer soll in ihrer ursprünglichen Version gut eine Milliarde Euro in die öffentlichen Kassen spülen. Halten sie das für realistisch?

Das glaube ich nicht. Diese Gruppe, die geschröpft werden soll, ist sehr sensibel. Sie wird überlegen, wie sie ihr Einkommen schützen kann. Das Finanzministerium macht immer den Fehler, Verhaltensänderungen nicht zu berücksichtigen. Nur wenn man die Einkommensgrenze, wie derzeit diskutiert wird, auf 130.000 Euro für Ledige herunterziehen würde, wären Mehreinnahmen von einer Milliarde Euro realistisch. Doch damit belastete man noch mehr den unternehmerischen Mittelstand und die Leistungsträger unserer Gesellschaft, obwohl das genau die Gruppe ist, die wir brauchen. Sie sind die Garanten für Wachstum, Beschäftigung und Ausbildungsplätze.

Die Fragen stellte Manfred Schäfers.

Text: F.A.Z., 9. November 2005

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