Computerprogramme contra Mensch
+++AGORA–DIRECT–Börse am Morgen vom DONNERSTAG, 28.Juli 2011+++
Was soll davon der interessierte Zuschauer halten. Die USA, die noch vermutlich weltgrößte Volkswirtschaft der Welt, steht schlicht vor der Pleite und die Ratingagentur Standard and Poors stuft Griechenland auf: "aktuell sehr gefährdet" herab. Welch „schockierend neue Erkenntnis“ wird sich der Fachmann sagen, da dies ja aufgrund der EU-Beschlüsse für Griechenland keinerlei Auswirkungen auf die Zinsen hat. Zudem wird auch der Ratingagentur Moody's nicht langweilig: Sie senkt die Kreditwürdigkeit Zyperns auf Baa1 (d.h. durchschnittlich gute Anlage. Bei Verschlechterung der Gesamtwirtschaft ist aber mit Problemen zu rechnen) herunter. Was macht der EURO bei dieser Nachrichtenlage? Der Euro stürzt ab, auch gegenüber dem US-Dollar. Dass hier weniger das menschliche Hirn die Entscheidungen getroffen hat, als vielmehr Computerprogramme, die lediglich auf Nachrichtenstichworte reagieren, kann die einzige sinnvolle Erklärung! sein. Dass die Aktien ebenfalls deutlich in den Keller gingen, dürfte den gestern weniger erfreulichen Quartalszahlen und einigen Konjunkturdaten geschuldet sein und der labilen Stimmungslage an den Börsen, aufgrund dieser unsinnigen und gefährlichen Spielchen der US-Politik. Auch heute werden sich die Märkte kaum erholen, der Start in den Handelstag wird mit roten Zahlen am Aktienmarkt erwartet. Eine Verbesserung ist auch bei guten Konjunkturdaten kaum möglich. Doch bei aller Krisenstimmung wissen erfahrene Anleger und Händler, dass dies genau das Klima ist, in dem Aktien günstig zu bekommen sind. Ob es schon jetzt der richtige Zeitpunkt ist oder doch erst in ein paar Tagen ist Sache des individuellen Risiko- und Portfoliozustandes.
Wir wünschen allen einen erfolgreichen Donnerstag mit den hoffentlich richtigen Entscheidungen.
Wenn der Staat Pleite macht, dann macht natürlich nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger.