Rettung vor dem Schuldentsunami
Manfred Gburek
14.10.2010 Jetzt kommentieren!(1) 4,3 (6) Legende
Mister Wong
Die internationale Schuldenkrise ist längst nicht mehr beherrschbar. Je schneller Anleger die Konsequenzen ziehen, desto besser.
Die internationale Schuldenkrise ist längst nicht mehr beherrschbar AP Refinanzierungstsunami – auf so einen Begriff muss man erst einmal kommen. Wer indes meint, er entstamme der Fantasie eines effekthaschenden Finanzkollaps-Gurus, irrt. Denn der Schöpfer dieses Begriffs heißt Kornelius Purps und ist so etwas wie der Think Tank der HypoVereinsbank, die sich mit ihm einen Vor- und Querdenker leistet, dessen das Bankgeschäft nicht immer fördernde Aussagen manchen Banker – auch im eigenen Haus – sicher vor Zorn erröten lassen. Dabei ist der Begriff Tsunami in diesem Fall alles andere als übertrieben. Denn er zielt auf Kreditlinien Griechenlands in Höhe von über 100 Milliarden Euro, deren Verlängerung in den Sternen steht.
Griechenland wird einen Betrag in dieser Größenordnung nämlich von Mai 2010 bis März 2012 aufgrund der Rettungsmaßnahmen von Europäischer Währungsunion (EWU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) beansprucht haben. Die entsprechenden Kredite haben die einheitliche Laufzeit von drei Jahren. Zusammen mit den in den kommenden Jahren fällig werdenden griechischen Anleihen ergeben sie zwischen 2013 und 2015 einen Refinanzierungsbedarf von jährlich bis zu 70 Milliarden Euro – einen Tsunami eben. Wer dem am Ende Einhalt gebieten soll, bleibt offen.
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Griechenland ist bekanntlich kein Einzelall. Zurzeit gilt es, im Euro-Raum zusätzlich den finanziellen Engpass Irlands zu managen. Weitere Fälle von drohenden und schließlich mithilfe der immer weiter ausufernden Geldschöpfung aufgeschobenen Staatspleiten werden folgen, auch weit über den Euro-Raum hinaus, etwa in Großbritannien und in den USA. Banken haben in diesem System ihre Funktion als Retter zum größten Teil längst an internationale Organisationen wie die EWU und den IWF übertragen – und an die hoch verschuldeten Staaten selbst, was den Wiener Professor Franz Hörmann neulich zu dem folgenden Bonmot veranlasste: „Der Staat verschuldet sich bei den Banken, um die Zinsen der Schulden, die er bei den Banken hat, zu begleichen oder um die Banken zu retten, bei denen er selber Schulden hat. Da versteht ja keiner mehr, wer eigentlich bei wem Schulden hat und was Schulden eigentlich sind.“
schaun mer mal